Baukulturpreis Friedrichshafen 2020

Am Mittwoch, 30. September wurde zum ersten Mal der mit 10.000 Euro dotierte Baukulturpreis der Stadt Friedrichshafen im Graf-Zeppelin-Haus verliehen. Unter den geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen war nur eine begrenzte Zahl an Gästen im Hugo-Eckener-Saal des Graf-Zeppelin-Haus zur Verleihung zugelassen. Trotz der Einschränkungen war es ein festlicher Rahmen, in dem der erste Baukulturpreis 2020 übergeben wurde.
Wir wollen mit dem Baukulturpreis Anreize schaffen, qualitätsvoll zu bauen. Gleichzeitig wollen wir die lokale Baukultur stärken und das öffentliche Bewusstsein für Baukultur im Alltag schärfen sowie das Stadtgrün fördern und die stadtbildprägende Bausubstanz erhalten. Um qualitätsvolle Bauwerke zu schaffen, müssen alle am Bau Beteiligten zusammenwirken. Deshalb würdigt der Preis auch die Leistung der Planer und Planerinnen sowie der Bauherrinnen und Bauherren.
Erster Bürgermeister Dr. Stefan Köhler

Begrüßt wurden die Gäste von Ersten Bürgermeister Dr. Stefan Köhler. Die Festrede zum Thema Baukultur hielt Rainer Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur. Hinzu kamen Videobotschaften von Schirmherrn und Oberbürgermeister Andreas Brand, von der Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg, Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, vom Präsidenten der Architektenkammer Baden-Württemberg, Markus Müller und von Stefan Behnisch von Behnisch Architekten in Stuttgart.

Preisträger Baukulturpreis Friedrichshafen 2020: Wohnbebauung Allmand Carré

Haus

Bauherr: Kreisbaugenossenschaft eG Friedrichshafen
Architektur: Architektengemeinschaft Hirthe- Lanz Schwager BDA, Friedrichshafen, Konstanz
Landschaftsarchitektur: 365° freiraum + umwelt, Überlingen

Menschen mit Urkunden
Preisträger Baukulturpreis: (von links) Nicolas Schwager, Lanz Schwager Architekten, KN, Christian Seng, 365° freiraum + Umwelt, Überlingen, Bernhard Küchle, Kreisbaugenossenschaft eG, Thomas Hirthe, Hirthe Architekten, FN, Thomas Linse, Kreisbaugenossenschaft eG, Dr. Wolfgang Sigg, Kreisbaugenossenschaft eG.

Mit dem Baukulturpreis ausgezeichnet wurde die Kreisbaugenossenschaft eG Friedrichshafen und die Architektengemeinschaft Hirthe- Lanz Schwager BDA für ihre gelungene Wohnbebauung Allmand Carré. Für die Tragwerksplanung zuständig waren Baustatik Relling und die gelungene Außenanlage wurden gestaltet vom Landschaftsarchitekturbüro 365Grad freiraum + umwelt. Zusätzlich war Diether F. Domes für die Kunst am Bau verantwortlich.

Im Allmand-Carré hat die Kreisbaugenossenschaft Bodenseekreis 97 Wohnungen geschaffen, darunter 38 betreute Seniorenwohnungen und eine Seniorenwohngemeinschaft. In der Begründung der Jury heißt es: Die vier senkrecht zur inzwischen attraktiv umgebauten und verkehrsberuhigten Allmandstraße angeordneten Wohn- und Geschäftshäuser leiten mit ihrer städtebaulich kammartigen, offenen Parallelstruktur in überzeugender Weise vom Straßenraum im Westen in den Grünraum im Osten des Areals über.

Die Bauzeilen bilden entlang der Allmandstraße und gegenüber der Pestalozzi-Schule mit ihren im Erdgeschoss gewerblich genutzten Köpfen eine klare Bauflucht aus, während sie am anderen Ende – spielerisch in ihrer Länge differenziert – im Grünen enden. Das Ensemble fügt sich gekonnt in den Kontext der bestehenden Umgebungsbebauung ein. Die Gartenbereiche überzeugen durch halböffentliche und private Grünzonen, Wege und Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität, nicht zuletzt auch durch die vielfältige Staudenbepflanzung.

Alle vier Bauzeilen weisen zwischen dem (kleineren) öffentlichen Vorhof und dem (größeren) Grünbereich im Osten einen Flächenversprung auf, der auch mit einem Geschossversatz (alternierend vier bzw. fünf Geschosse nach vorne bzw. hinten) einhergeht – dadurch entsteht eine angenehme und spannungsreiche Differenzierung der insgesamt sehr dichten (aber nicht als solche empfundenen) Bebauung.

Die unterschiedlichen Wohnungstypologien der 97 preisgedämpften Wohnungen durchmischen sich in der Anlage vorbildhaft, alle Wohnungen sind konsequent nach Süden ausgerichtet. Beispielhaft ist auch das Angebot eines Veranstaltungsraums mit Mittagstisch im Erdgeschoss, der zugleich als Begegnungsstätte für Bewohner aller Altersgruppen genutzt wird. Die durchgängige, hellbeige Klinkerfassade vermittelt in Verbindung mit einer großzügigen Durchfensterung einen wertigen und zeitlos-nachhaltigen Charakter mit hohem architektonischem Anspruch.

Anerkennung Baukulturpreis Friedrichshafen 2020: Sanierung Fallenbrunnen 1

Haus

Bauherr: Bauknecht Projekt Fallenbrunnen GmbH, Fellbach
Architekten: Hildebrand+Schwarz Architekten, Friedrichshafen
Landschaftsarchitektur: 365° freiraum + umwelt, Überlingen

Menschen zeigen fröhlich eine Urkunde
Erster Bürgermeister Dr. Stefan Köhler mit den Preisträgern der Anerkennung (von links): Garrit Bauknecht, Bauknecht Immobilien GmbH, Fellbach, Marie-Christine Thiébaut, Schulleitung Swiss International School Friedrichshafen, Meike Heeger, Bauknecht Immobilien GmbH, Fellbach, Uwe Schwarz, Hildebrand + Schwarz Architekten GmbH, FN, Stefanie Hausmann, Bauknecht Immobilien GmbH, Fellbach, Christian Seng, 365° freiraum + Umwelt, Überlingen.

Darüber hinaus sprach die Jury eine Anerkennung aus, und zwar für die Sanierung des Gebäudes in Fallenbrunnen 1. Diese ging an den Bauherrn Bauknecht Projekt Fallenbrunnen für die vorbildliche Sanierung eines alten Kasernengebäudes, in dem die Swiss International School untergebracht ist. Architekten waren Hildebrand+Schwarz Architekten GmbH aus Friedrichshafen. Die Außenanlagen dieses Projekts wurden ebenfalls vom Landschaftsarchitekturbüro 365Grad freiraum + umwelt gestaltet.

Das Areal der ehemaligen Flakkaserne Fallenbrunnen, ab 1936 etwas außerhalb der Stadt Friedrichshafen erbaut, sollte laut Wunsch der Stadt zu einem "Wissensstandort" adaptiert und ausgebaut werden. Dazu sollten einerseits die sechs U-förmigen Bestandsgebäude in ihrer Charakteristik erhalten werden und andererseits durch zeitgemäße Neubauten auf dem mehrere Hektar großen Gelände das Bildungsangebot entsprechend erweitert werden.

Die Ansiedlung der bereits in Friedrichshafen ansässigen SIS - Swiss International School - auf dem Areal bot die Gelegenheit, eines dieser mächtigen Bestandsgebäude entsprechend zu transformieren. Dabei sollen, so die Vorgabe der Stadt, die prägenden Elemente der Lochfassade und das riesige Dach erhalten bleiben. Dem Planungsteam gelang es durch und trotz schonendem Umgang mit dem Bestand ein Gebäude mit völlig neuen Qualitäten zu generieren. Erwähnt werden im Besonderen der Ausbau des Dachraumes in eine lichtdurchflutete Mensa mit sichtbarem Holztragwerk durch die gezielte Setzung von Dachgaupen und Dachflächenfenstern sowie die Verbesserung der Flächennutzung durch eine Abgrabung auf der Südseite des Gebäudes mit barrierefreien Ausgängen in den sorgfältig gestalteten Außenraum. Wie bereits beim Preisträger des Baukulturpreises war bei der Anerkennung ebenfalls ein Landschaftsarchitekturbüro beteiligt, was die Jury bei beiden Projekten als großen Gewinn für das Gesamtprojekt wertete.

Auch die teilweise Schließung des Hofbereiches mit einem niedrigen Erweiterungsbau für die notwendige Turnhalle und die damit verbundene "Privatisierung" des Hofes für die Schule, die räumliche Aufweitung der strengen Flurzonen zu qualitativ hochwertigen Unterrichtszonen sowie die Ertüchtigung des Gebäudes für eine behindertengerechte Nutzung müssen genannt werden. Zusammen also eine Vielzahl an geglückten Interventionen im Bestand, ohne seine Qualitäten zu schmälern und seine Historie vergessen zu lassen.

Die weiteren Projekte, die am Wettbewerb teilgenommen haben:

  • Quartier Metzstraße: Fränkel AG, Freie Architekten Maier-Kirmaier + Coiro;
  • Vier Mehrfamilienhäuser in Friedrichshafen-Wiggenhausen: Städtische Wohnungsbaugesellschaft, LPH 1-4: Project GmbH, LPH 5-9 Hildebrand+ Schwarz Architekten
  • Seniorenhaus Vitalis: Städtische Wohnungsbaugesellschaft, Hildebrand+ Schwarz Architekten
  • Erdüberdeckte Parkierungsanlagen in der Heinrich-Heine-Straße: Städtische Wohnungsbaugesellschaft, Kienzle Vögele Blasberg GmbH
  • Fahrgastunterstände: Stadtverkehr Friedrichshafen GmbH, Hirthe Architekten BDA
  • Wohnbebauung Korrmann Fischbach: Zeppelin Wohlfahrt GmbH, Plösser Architekten GmbH
  • Stadthaus Marienstrasse: Stiftung Liebenau, Plösser Architekten GmbH
  • Competence Park Friedrichshafen: PRISMA Zentrum für Standort und Regionalentwicklung GmbH, Aicher Ziviltechniker GmbH, Dornbirn
  • Kundenzentrum Stadtwerk am See, Stadtwerk am See GmbH & Co. KG, GMS Freie Architekten

Wer kann sich für den Baukulturpreis bewerben?

Für den Baukulturpreis bewerben konnten sich private oder öffentliche Auftraggeber (mit Ausnahme der Stadtverwaltung) und Architekten / Entwurfsverfasser, die in den letzten vier Jahren in Friedrichshafen gebaut, saniert oder geplant haben. Der Preis, der mit 10.000 Euro dotiert ist, soll ab 2020 alle zwei Jahre ausgeschrieben werden. Die Stadt Friedrichshafen will damit die lokale Baukultur stärken, Stadtgrün und den Erhalt stadtbildprägender Bausubstanz sowie gelungene Maßnahmen zur Barrierefreiheit fördern. Weitere Kategorien sind ein beispielhafter Umgang hinsichtlich Energieeffizienz/ nachhaltiger Umgang mit Ressourcen sowie die Nutzung nachhaltiger Baumaterialien. Eingereicht werden konnten objektplanerische, städtebauliche und grünplanerische Projekte. Bewerben konnten sich private und öffentliche Auftraggeber sowie Architekten und Entwurfsverfasser mit Einverständnis des Auftraggebers. Das Projekt kann im ganzen Stadtgebiet umgesetzt worden sein. Bei dem breit gefächerten Auszeichnungsverfahren können sich private Bauherren mit ihrem privaten Bauprojekt ebenso bewerben wie große Industriebetriebe mit gelungenen Gewerbebauten. Mit dem Baukulturpreis würdigt die Stadt sowohl die Leistung der beteiligten Planer und Planerinnen als auch den verantwortungsvollen Anteil der Auftraggeber.

Wer gehört der Jury an?

Der Jury gehörten acht Vertreter aus Architektur und Verwaltung an. Vorsitzender des Preisgerichts ist Wolfgang Riehle, Mitglied im Gestaltungsberat. Weitere Jurymitglieder sind: Andrea Gebhard, Josef Fink und Peter Fink (Mitglieder des Gestaltungsbeirates), Fritz Hack als Vertreter der Architektenkammer Kammergruppe Bodensee, Andreas Hack als Vertreter des Bund Deutscher Architekten, Erster Bürgermeister Dr. Stefan Köhler und Andrea Fuchs von der Geschäftsstelle des Gestaltungsbeirates.

Mehr zum Gestaltungsbeirat

Auslobungskriterien

Veranstalter: Stadt Friedrichshafen
Organisation: Geschäftsstelle Gestaltungsbeirat
Gebiet: gesamtes Stadtgebiet Friedrichshafens
Zeitraum: in Friedrichshafen fertiggestellte Gebäude der letzten vier Jahre (1. Januar 2016 bis 31. Dezember 2019)
Intervall: alle zwei Jahre
Art des Preises: Preis für realisierte Projekte
Preisgeld: 10.000 Euro
Anreiz: Architekturdialog, Veröffentlichung, Preisverleihung, Broschüre, öffentliche Ausstellung
Zielsetzung: Stärkung der lokalen Baukultur, Förderung Stadtgrün, Erhaltung stadtbildprägender Bausubstanz, Förderung von gelungenen Maßnahmen zur Barrierefreiheit, beispielhafter Umgang hinsichtlich Energieeffizienz/ nachhaltiger Umgang mit Ressourcen sowie Nutzung nachhaltiger Baumaterialien

     

Kontakt

Frau Andrea Fuchs
Geschäftsstelle Gestaltungsbeirat
Tel. +49 7541 203-4035
Fax +49 7541 203-84035

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