Ulmen werden gegen die Ulmenwelke geimpft

Ungewöhnliche Maßnahme im Stadtwald

Mann steht an einem Baum und impft mit einer großen Nadel den Baum
Eine ungewöhnliche Maßnahme: Ausgewählte Bergulmen im Riedlewald werden geimpft, um sie widerstandsfähiger gegen die Ulmenwelke zu machen.

Wer derzeit im Riedlewald unterwegs ist, entdeckt vielleicht eine ungewöhnliche Maßnahme: Ausgewählte Bergulmen werden dort geimpft. Was sonst vor allem aus der Human- und Tiermedizin bekannt ist, soll im Friedrichshafener Stadtwald eine wertvolle Baumart vor einer der gefährlichsten Baumkrankheiten Europas schützen – der Ulmenwelke.

„Die Bergulme besitzt für die Zukunft unserer Wälder eine große Bedeutung. Deshalb möchten wir die wertvollen Bestände im Riedlewald möglichst frühzeitig schützen“, erklärt Forstrevierleiterin Karin Beer.

Die Ulmenwelke wird durch einen Pilz verursacht, der von Ulmensplintkäfern übertragen wird. Gelangt der Erreger in den Baum, verstopft er die wasserleitenden Gefäße. Die Folgen sind welke Blätter, absterbende Kronenteile und häufig das Absterben des gesamten Baumes.

Wie verheerend die Krankheit sein kann, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Bereits in den 1920er Jahren führte eine erste Welle des Ulmensterbens zu erheblichen Verlusten. Ab den 1970er Jahren breitete sich eine deutlich aggressivere Form der Krankheit aus. Seitdem sind viele Ulmenbestände in Deutschland nahezu verschwunden.

Umso wertvoller ist das Vorkommen der Bergulme im Friedrichshafener Stadtwald. Vor allem im Riedlewald gibt es noch größere Bestände dieser heimischen Baumart. Aus Sicht der Abteilung Landschaftsplanung und Umwelt spielt sie eine wichtige Rolle für die Zukunft des Waldes. Hintergrund ist das Eschentriebsterben, das seit Jahren zahlreiche Eschenbestände schädigt. Die Bergulme kann ähnliche Standorte besiedeln und hat damit das Potenzial, langfristig einen Teil der Funktionen der Esche zu übernehmen.

Um diese wertvollen Bestände zu erhalten, werden ausgewählte Bäume vorsorglich gegen die Ulmenwelke behandelt. Die sogenannte Impfung stärkt die natürliche Abwehr der Bäume und erhöht ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Krankheitserreger. Dabei handelt es sich um eine gezielte Schutzmaßnahme für besonders wertvolle Einzelbäume und Bestände.

Mit dem Projekt verfolgt die Abteilung Landschaftsplanung und Umwelt das Ziel, die biologische Vielfalt im Stadtwald zu erhalten und die Wälder widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels zu machen. Der Schutz der Bergulmen ist dabei ein wichtiger Baustein einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Waldentwicklung.