Holocaust-Gedenktag: Brücken zwischen Generationen

Am 27. Januar gedachten rund 150 Bürgerinnen und Bürger auf dem Fridolin-Endraß-Platz der Millionen unschuldiger Männer, Frauen und Kinder, die während des Zweiten Weltkriegs Opfer eines beispiellosen Völkermords wurden. 

Männer und Frauen stehen vor Kränzen
Gemeinsam erinnerten die Bürgerinnen und Bürger auf dem Fridolin-Endraß-Platz an die Toten des Nationalsozialismus. Bürgermeister Dieter Stauber und und Barbara Wagner, Vorsitzende des Bündnisses für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus, legten Kränze nieder.

Bürgermeister Dieter Stauber erinnerte daran, dass vor 81 Jahren Soldaten der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreiten. Dort wie auch an anderen Orten seien sie auf die Spuren unglaublicher Verbrechen und millionenfachen Mordes an europäischen Juden, den Sinti und Roma sowie vielen weiteren Opfergruppen gestoßen. „Heute begegnen sich Generationen, Erfahrungen und Perspektiven. Junge Menschen zeigen Haltung und die älteren Menschen bewahren die Erinnerungen und geben diese weiter“, so Bürgermeister Dieter Stauber.

Zugleich sprach Bürgermeister Stauber von einer Zeit des Übergangs. Die Menschen, die selbst verfolgt, entrechtet und gequält wurden, seien kaum noch unter uns. Gleichzeitig wachse eine Generation heran, für die der Holocaust Geschichte sei – gelernt aus Büchern, Bildern, Filmen und Dokumentationen. Bürgermeister Stauber zitierte den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber, dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“ Daraus erwachse die Verantwortung, die Demokratie, die Menschenwürde und das friedliche Zusammenleben auch in Zukunft zu schützen.

Barbara Wagner, Sprecherin des Bündnisses „Friedrichshafen für Toleranz und Demokratie – gegen Extremismus und Gewalt“ betonte in ihrer Rede, dass es von Anfang an darum gegangen sei, ein Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu setzen. Der Blick in die Vergangenheit zeige ebenso wie der Blick in die Gegenwart, welche Folgen Ausgrenzung haben könne. Während des Nationalsozialismus seien Menschen daran gehindert worden, ihr Leben zu leben. Wachsamkeit sei notwendig, damit sich solche Vorstellungen nie wieder in der Gesellschaft verfestigen und Menschen auseinandergetrieben werden.

Für den städtischen Seniorenbeirat erinnerte Margret Bröcker an mehrere Lebensgeschichten, die sie als sogenannte „Zweitzeugin“ miterlebt habe. Zweitzeugen sind Menschen, die Opfer und Überlebende des Holocaust persönlich gekannt, deren Erlebnisse gehört hätten und deren Schicksale nun weitererzählen. Sie erinnerte an Ottilie Rafaelova, Martha Katz und Karl Haas. „Sie waren mir als Kind, Jugendliche und junge Frau gegenüber sehr offen, zugewandt und großzügig. Sie haben mir ihre Geschichten erzählt. Wie viel Schmerz, Leid und Verzweiflung ihre Leben geprägt haben, lässt sich nur schwer erahnen,“ so Margret Bröcker. 

Für das Jugendparlament erinnerten Viviane Vogel und Hanna Gumpoltsberger an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Sie betonten die besondere Verantwortung junger Menschen – nicht aus Schuld an dem Geschehenen, sondern weil sie die Zukunft gestalten. Zeitzeugen hätten gezeigt, wohin es führe, wenn Menschen ihre Rechte verlören. Ihre Berichte geben der Geschichte ein Gesicht und eine Stimme. Diese Verantwortung müsse weitergetragen werden.

Pastoralreferent Matthias Fahrner von der Katholischen Kirche lud die Anwesenden zum gemeinsamen Gebet ein. Musikalisch begleitet wurde die Gedenkfeier vom Trompeten-Ensemble der Musikschule Friedrichshafen unter der Leitung von Thomas Unger. 

Anschließend haben die Mitglieder des Jugendparlaments heiße Getränke und Zopf zu Gunsten des Schulmuseums  angeboten.