Geißbockbahn stellt die Weichen zur Übergabe
Der Beirat der Bodensee-Oberschwaben-Bahn (BOB) hat in seiner Sitzung am 21.01.2026 den Gesellschaftern der BOB empfohlen, die Verantwortung für die Regionalbahn Linie RB 91 vollständig in die Hände des Landes zu geben.
Damit wird es Ende 2027 nach über 30 erfolgreichen Jahren Betrieb der BOB zu einem Betreiberwechsel kommen. Die BOB, in der Öffentlichkeit auch „Geißbockbahn“ genannt, bedient derzeit die Strecke von Friedrichshafen nach Aulendorf. Für die rund 1,5 Millionen Fahrgäste der BOB, die die Bahn jährlich nutzen, stellt das Land den Weiterbetrieb des gewohnten Verkehrsangebots ohne Unterbrechung sicher. Die formal bindende Entscheidung trifft die Gesellschafterversammlung im April 2026.
Nach der Einigung mit dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg im Jahr 2022 zu einer Fortführung des Verkehrsvertrages der BOB bis zu einer Neuausschreibung der Verkehre im Jahr 2032 hat die BOB umfassend die Handlungsoptionen für eine zukünftige Aufstellung geprüft. Auf dieser Grundlage ist der Beirat der BOB in seiner jüngsten Sitzung zu dem Ergebnis gekommen, dass für die BOB nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, die Verantwortung für die Verkehre vollständig in die Hände des Landes Baden-Württemberg zu übergeben.
Der Beirat würdigt die Leistungen der BOB in den vergangenen Jahrzehnten. Der Beiratsvorsitzende Georg Schellinger, Bürgermeister der Gemeinde Meckenbeuren, betont: „Mit der Gründung der BOB vor über 30 Jahren haben die Gesellschafter und damaligen Gründer eine Pionierleistung erbracht. Das kommunale Engagement hat damals den Weiterbetrieb des regionalen Schienenverkehrs gesichert und dafür gesorgt, dass keine Gemeinde vom Verkehr abgehängt wurde.“
Dieter Stauber, stellvertretender Beiratsvorsitzender, fügt hinzu: „Die BOB hat damit eine zentrale Rolle für die Mobilität in der Region übernommen und aus einer Notlösung eine über 30 Jahre währende Erfolgsgeschichte gemacht.“
Die Geschäftsführerin der BOB, Magdalena Linnig, führt aus: „Seit der Gründung im Jahr 1991 haben sich die betrieblichen, gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Schienenpersonennahverkehr grundlegend verändert. Die Handlungsspielräume der BOB sind im Laufe der Jahre deutlich geringer geworden. Der kommunale Einfluss auf das Verkehrsangebot und die Betriebsleistung ist nicht mehr so ausgeprägt wie in den Neunzigerjahren.“
Verkehrsminister Winfried Hermann sagte: „Mit der Gründung der Bodensee-Oberschwaben-Bahn haben die kommunalen Träger und Beteiligten den Schienennahverkehr auf der Strecke Aulendorf-Friedrichshafen nach dem Ausstieg der Bahn gerettet und den Grundstein für einen attraktiven Schienenpersonennahverkehr gelegt. Bis heute ist die Strecke von Friedrichshafen über Ravensburg nach Aulendorf das Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs in der Region. Der hohe Wert der Geißbockbahn für die Menschen und Mobilität vor Ort zeigt sich nicht zuletzt an ihren liebevollen Spitznamen. Als Aufgabenträger Land garantieren wir, dass ein gutes Angebot auf der Strecke bestellt und finanziert wird. Wir verstehen die Entscheidung der Verantwortlichen, den Betrieb der BOB nicht mehr weiter zu verantworten, zumal man diesen nicht selbst erbracht hat. Für uns als Aufgabenträger des Regionalverkehrs stehen die Fahrgäste im Mittelpunkt. Entscheidend sind ein zuverlässiges Angebot und ein nahtloser Übergang. Deshalb werden nun die Verkehre durch die DB Regio über einen bestehenden Vertrag erbracht – und das hoffentlich weiterhin zuverlässig. Die Fahrgäste können sich nach der Stuttgart-21-Inbetriebnahme auf neuwertige Triebzüge des Typs Talent 3 im bwegt-Design freuen. Sobald diese Fahrzeuge im Raum Stuttgart frei werden, setzen wir sie am Bodensee ein.“
Die BOB hat das Verkehrsangebot zwischen Friedrichshafen und Aulendorf als „Geißbockbahn“ über 30 Jahre gestaltet. Im Gegensatz zur Gründungszeit steht die Schienenanbindung der Gemeinden heute nicht mehr zur Disposition. Die Aufgabe der BOB ist damit erfolgreich abgeschlossen. Der Beirat und die Gesellschafter der BOB danken dem Land für die bisherige Unterstützung und freuen sich, wenn die Fahrgäste der RB 91 treu bleiben.
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Quelle: Stadtwerk am See