Montag, 16. März 2026
Kategorie: Kulturbüro-News

Die Filmtage Friedrichshafen 2026

Die 17. Ausgabe der Filmtage Friedrichshafen – Jetzt oder Nie brachte vom 12. bis 16. März erneut Filmbegeisterte und Filmschaffende im Kiesel im k42 zusammen. Über 1.000 Besucherinnen und Besucher erlebten beim internationalen Filmfestival für den D-A-CH-Raum ein abwechslungsreiches Programm aus Kurz- und Dokumentarfilmen. Neben zahlreichen Filmvorführungen wurden auch in diesem Jahr herausragende filmische Arbeiten ausgezeichnet: Der ZF-Kurzfilmpreis ging an den Filmemacher Jonathan Brunner, den Publikumspreis der ZF Kunststiftung erhielt die Regisseurin Masha Mollenhauer.

Publikumsgespräch über den Film One Way Ticket to Tbilisi von Paul Ploberger
"One Way Ticket to Tbilisi" – Publikumsgespräch mit dem ZF-Kurzfilmpreisträger 2023 Paul Ploberger, Produzentin Kathrin Kaisinger und Moderatorin Jana Wolff

Am vergangenen Donnerstag wurde im Kiesel im k42 in Friedrichshafen der rote Teppich für Filmschaffende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgerollt. Dort präsentierten sie unter dem Motto „Jetzt oder Nie“ ihre Kurzfilme sowie Dokumentationen und begeisterten das Publikum mit besonderen filmischen Perspektiven aus allen drei Ländern, anregenden Filmgesprächen sowie lebendiger Filmkultur. 
Eröffnet wurden die 17. Filmtage Friedrichshafen vom Ersten Bürgermeister Andreas Hein. 

Auch in diesem Jahr bot das Festival eine vielfältige Auswahl: Sieben Dokumentarfilme, zwölf Wettbewerbsfilme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie ein internationales Kinderkurzfilmprogramm mit Beiträgen aus Belgien, Deutschland, Tschechien, Schweden und sogar Taiwan.

Bereits am Freitag setzte der Gewinner des ZF-Kurzfilmpreises 2023, Paul Ploberger, ein erstes Highlight beim Festival. Sein neuer Kurzfilm „One Way Ticket to Tbilisi“, der unter anderem mit dem Preisgeld des ZF-Kurzfilmpreises 2023 finanziert wurde, bildete einen ersten Höhepunkt des Festivals. Gemeinsam mit Produzentin Kathrin Kaisinger präsentierte der österreichische Filmemacher seinen charmanten Kurzfilm. Darin erzählt er eine einfühlsame Geschichte über Liebe, Verlust und Trauer und beweist erneut sein feines Gespür für zwischenmenschliche Dramen sowie sein herausragendes filmisches Talent.

Der Höhepunkt des Festivals folgte am Samstag mit dem Wettbewerb um den ZF-Kurzfilmpreis. Zwölf Kurzfilme junger Regisseurinnen und Regisseure konkurrierten um den mit 15.000 Euro dotierten Preis sowie den Publikumspreis der ZF Kunststiftung in Höhe von 1.000 Euro. In bester Festivalatmosphäre wurden die Filme bis tief in die Nacht gemeinsam erlebt, bevor schließlich die feierliche Preisvergabe stattfand.

Ausgewählt wurde der Preisträger des ZF-Kurzfilmpreises 2026 von einer hochkarätig besetzten Jury. Mitglieder waren die Filmhistorikerin und Leiterin der Flensburger Kurzfilmtage Vivien Buchhorn, die Regisseurin und Autorin Alina Cyranek, der ehemalige Co-Geschäftsführer des Internationalen Trickfilmfestivals Stuttgart Dieter Krauß, der Münchner Autor und Filmemacher Lukas März sowie die Geschäftsführerin und Kuratorin der ZF Kunststiftung, Regina Michel. Der begehrte Filmpreis ging in diesem Jahr an den Filmemacher Jonathan Brunner für seinen dokumentarischen Kurzfilm „From Ecuador With Love“.

Die Jury zeigte sich zutiefst beeindruckt von dem „herausragend fotografierten Kurzfilm, [der] den Weg der Rose als Konsumgut [erzählt] und [aufgrund] seiner dokumentarischen Entschiedenheit sowie unprätentiösen Annäherung an Arbeitsprozesse und [der] fein gearbeiteten Bild- und Tonmontage [ein wahrer] Liebesbeweis an die Form des Kinos [sei].“

Der ZF-Kurzfilmpreis zeichnet nicht nur die Filmschaffenden aus, sondern fördert auch die Gattung Kurzfilm: „Das Preisgeld ist zweckgebunden und soll für eine neue Kurzfilmproduktion verwendet werden,“ so Regina Michel. Das weiß Jonathan Brunner zu schätzen, als er sich für die Auszeichnung und Wertschätzung seiner Arbeit bedankt: „Solche Preise spenden wichtige Energie, um weiter am Ball des Filmemachens zu bleiben – besonders, wenn dadurch auch die Finanzierung des nächsten Films teilweise schon gedeckt ist. Eine Förderung in dieser Höhe zu bekommen, ist ein großes Privileg!“

Eine Lobende Erwähnung erhielt die Regisseurin Lenia Friedrich für ihren Animationsfilm „So ist das Leben und nicht anders.“ Die Jury würdigte den Film als „ein Gesamtkunstwerk aus Animation und dokumentarischer Form, das rhythmisch und audiovisuell scharfsinnig inszeniert [ist]“.

Bei den Zuschauerinnen und Zuschauern fiel in diesem Jahr die Wahl auf das Drama „The Good Woman“ von Masha Mollenhauer – ein bewegender Film über eine junge Frau, die aufgrund konservativer politischer Strukturen im wahrsten Sinne zugrunde geht.

Filmkunst, zwischenmenschliche Begegnungen und intensive Kurzfilme

Wie in den Jahren zuvor boten die Filmtage auch in dieser Ausgabe eine beeindruckende Auswahl an Kurz- und Dokumentarfilmen mit gesellschaftlicher Brisanz – Filme, die aktuelle Impulse setzen und zum Nachdenken anregen. Festivalleiterin Melanie Eisele betonte in ihrer Begrüßung die besondere Bedeutung von Filmfestivals für das gesellschaftliche Miteinander: „Filmfestivals wie die Filmtage Friedrichshafen – Jetzt oder Nie machen Filmkultur sichtbar, leben vom Austausch zwischen Publikum und Filmschaffenden, vom Eröffnen neuer Horizonte und [schaffen] zwischenmenschliche Begegnungen“, so Melanie Eisele. Sie seien „Open Doors“ für jeden, der die Einladung annimmt.

Regisseurinnen und Regisseure, Kameraleute sowie Editorinnen und Editoren standen dem Publikum nach jeder Vorführung in moderierten Gesprächen mit Filmwissenschaftlerinnen zur Verfügung, erläuterten ihre Werke, teilten Hintergründe und reflektierten gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern die behandelten Themen.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer blieben mit den aufgeworfenen Fragen also nicht allein – vielmehr bot sich ihnen die Gelegenheit, diese gemeinsam zu diskutieren und zu vertiefen – ein Format, das außergewöhnliche Einblicke in die Filmkunst ermöglicht.

Inzwischen ziehen die Filmtage Friedrichshafen ein treues Stammpublikum an und gewinnen zugleich stetig neue Filmbegeisterte hinzu, die das besondere Programm sowie die familiäre Atmosphäre des Festivals schätzen.

Besondere Workshops und tolle Kinderkurzfilmstreifen

Nicht nur die Dokumentarfilme und der restlos ausverkaufte Wettbewerb um den ZF-Kurzfilmpreis am Festivalsamstag erfreuten sich großer Beliebtheit – auch das vielseitige Kinderkurzfilmprogramm sowie der Animationsworkshop „Be Creative“ des Berliner Animationsstudios Protoplanet fanden großen Anklang.

Während die Workshops des Berliner Studios junge wie auch erwachsene Interessierte in die Welt der Animations- und Legetricktechnik einführten und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eigene Animationen gestalten konnten, entdeckten Kinder ab vier bis acht Jahren im Kurzfilmprogramm „Film ab!“, wie Kurzfilme mit besonderen filmischen Stilmitteln Geschichten erzählen und welche Wirkung diese im Film entfalten.

Ein erfolgreiches und charmantes Festival geht zu Ende

Mit einem emotionalen Abschluss endeten die Filmtage Friedrichshafen – Jetzt oder Nie nach fünf intensiven Festivaltagen. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten vom 12. bis 16. März die Gelegenheit, außergewöhnliche Kurz- und Dokumentarfilme zu entdecken und Filmkultur gemeinsam zu erleben.

Das fulminante Finale bildete der Dokumentarfilm „PRIMADONNA OR NOTHING“ von der Friedrichshafener Regisseurin Juliane Sauter. Die junge Regisseurin hob die Bedeutung der kulturellen Arbeit in Friedrichshafen hervor. Vor der Projektion erzählte Juliane Sauter von ihrer ersten Begegnung mit Kultur auf der Bühne im Kiesel im k42. Dort habe sie als Schülerin und Teilnehmerin eines Theaterworkshops ihre ersten Schritte gemacht.

Ihr berührendes filmisches Portrait über drei außergewöhnliche Operndiven, das im vergangenen Jahr beim DOK.fest München ausgezeichnet wurde, fand großen Anklang und wurde mit langem Applaus gewürdigt.

Zufrieden und mit Freude blicken die Filmtage Friedrichshafen auf ein erfolgreiches Festival zurück – und freuen sich auf die nächste Ausgabe im März 2027.

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