Donnerstag, 25. Juni 2026

Privater Stromverbrauch sinkt im Bodenseekreis

Haushalte verbrauchen weniger Strom – Netze dennoch gefordert

Die Haushalte am Bodensee verbrauchen weniger Strom als noch vor fünf Jahren. Und sie nutzen Strom anders. Das hat spürbare Auswirkungen auf das regionale Stromnetz. Das Stadtwerk am See (SWSee) zieht aus seinen Netzbeobachtungen ein klares Fazit: Weniger Menge bedeutet nicht weniger Aufwand.

Rückgang von knapp 9 Prozent seit 2019
Seit der Energiekrise 2022 hat sich das Verbrauchsverhalten in privaten Haushalten merklich verändert. Effizientere Geräte, ein gestiegenes Bewusstsein für Energiekosten, private Photovoltaikanlagen und mildere Winter haben den durchschnittlichen Haushaltsstromverbrauch um rund 230 auf 2.430 Kilowattstunden gesenkt – ein Rückgang von knapp neun Prozent. Das sind die Ergebnisse einer Studie, die der BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) kürzlich veröffentlicht hat. Das Stadtwerk bestätigt: Dieser Trend gilt auch für die Bodenseeregion. 

Gleichmäßigerer Verbrauch durch Informations- und Kommunikationstechnik 
Was das SWSee im Netz direkt messen kann: Der Rhythmus des Stromverbrauchs hat sich verschoben. Früher lag die Hauptlastzeit in den Abendstunden, mit den klassischen Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Herde. Heute verschiebt Home Office die Lastspitzen in den Vormittag. Insgesamt stellt das SWSee eine deutlich gleichmäßigere Auslastung über den gesamten Tag fest.

Woran liegt das? „Wir beobachten eine höhere Grundlast vor allem durch Computer, Router, Fernseher und Streaminggeräte, die häufig im Dauerbetrieb laufen“, stellt Mark Kreuscher, Bereichsleiter Netze beim Stadtwerk am See fest. „Aber auch E-Autos und Wärmepumpen sorgen für einen längeren, gleichmäßigeren Strombezug.“

Netzausbau folgt neuen Lastprofilen
Eine gleichmäßigere Auslastung über den Tag hinweg entlastet das Stromnetz grundsätzlich. Dennoch bleibt der Ausbau der Netze eine zentrale Aufgabe. Denn am meisten Strom wird im Winter verbraucht – also genau dann, wenn Photovoltaikanlagen nur wenig oder gar keinen Strom liefern. Genau für diese maximale Leistung müssen Stromnetze aber gerüstet sein. „Für die Dimensionierung unserer Netze ist nicht die insgesamt verbrauchte Energiemenge entscheidend, sondern die höchste gleichzeitig benötigte Leistung“, erklärt Kreuscher.

Umso wichtiger bleibt es, Erzeugung, Verbrauch und Netzkapazitäten intelligent aufeinander abzustimmen. Kreuscher: „Bisher haben wir das gut hinbekommen: Unser Stromnetz ist in der Regel doppelt so zuverlässig wie in ganz Deutschland.“

Quelle: Stadtwerk am See GmbH & Co. KG