Friedrichshafen setzt auf Nahwärme in Fischbach
Der Gemeinderat der Stadt Friedrichshafen hat in seiner Sitzung am 19. Oktober dem strategischen Grundsatz zugestimmt, städtische Liegenschaften grundsätzlich an bestehende oder geplante Nahwärmenetze anzuschließen, sofern ein technisch geeigneter Anschluss möglich ist und die Konditionen marktüblich sind.
Für die Grund- und Hauptschule Fischbach wurde zudem die Wärmelieferung durch das Stadtwerk am See einschließlich einer befristeten Übergangslösung beschlossen. Auch für das Frei- und Seebad Fischbach sowie die Tannenhagschule soll die Möglichkeit eines späteren Nahwärmeanschlusses vorbereitet werden.
„Der Anschluss städtischer Gebäude an Nahwärmenetze ist ein wichtiger Baustein für die langfristige Wärmeversorgung unserer Liegenschaften. In Fischbach verbinden wir die kurzfristig notwendige Sicherung der Wärmeversorgung der Schule mit der Perspektive auf eine langfristige Versorgung über das geplante Nahwärmenetz“, betonte Baubürgermeister Julius Mihm.
Nahwärme als strategischer Grundsatz
Die Stadt Friedrichshafen richtet ihre kommunale Wärmeversorgung im Rahmen des Maßnahmenplans „Friedrichshafen klimaneutral 2040“ langfristig auf eine klimaneutrale Versorgung aus. Nahwärmenetze sollen dabei eine wesentliche Rolle spielen. Künftig sollen städtische Liegenschaften grundsätzlich an vorhandene oder neu entstehende Nahwärmenetze angeschlossen werden, wenn ein technisch geeigneter Anschluss möglich ist und die Anschluss- und Wärmelieferkonditionen marktüblich sind.
Auf einen gebäudespezifischen Wirtschaftlichkeitsvergleich zwischen einem Nahwärmeanschluss und einer möglichen Eigenversorgung soll im Regelfall verzichtet werden. Ausnahmen bleiben möglich, wenn außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Gründe gegen einen Anschluss sprechen. Die Wirtschaftlichkeit und Angemessenheit der konkreten Vertragskonditionen werden weiterhin geprüft.
Die Stadt begründet den strategischen Ansatz unter anderem mit dem geringeren Investitions- und Betreiberaufwand bei einer Wärmeversorgung über ein Netz. Zudem können städtische Gebäude als sogenannte Ankerkunden dazu beitragen, die Auslastung und Wirtschaftlichkeit von Nahwärmenetzen zu verbessern und damit deren Aufbau und Ausbau zu unterstützen.
Nach dem neuen strategischen Vorgehen sollen große verbliebene Heizungsanlagen, für die kein Nahwärmeanschluss möglich ist, über Wärmeliefer-Contracting auf eine vollständig erneuerbare Energieversorgung umgestellt werden. Die entsprechenden Lieferleistungen sollen ausgeschrieben werden. Kleine Heizungsanlagen ohne Aussicht auf einen Nahwärmeanschluss sollen in Eigenregie auf 100 Prozent erneuerbare Energien umgerüstet werden.
Übergangslösung für die Grund- und Hauptschule Fischbach
Die Grund- und Hauptschule Fischbach wird derzeit über zwei erdgasbefeuerte Heizkessel aus dem Jahr 1976 mit jeweils 465 Kilowatt Nennleistung beheizt. Die Anlagen haben das Ende ihrer technischen Nutzungsdauer erreicht. Nach Angaben der Wartungsfirma ist bei einem größeren Defekt künftig nicht mehr von einer Instandsetzung auszugehen. Damit besteht kurzfristiger Handlungsbedarf, um die Wärmeversorgung der Schule sicherzustellen.
Das Stadtwerk am See plant seit längerem ein Nahwärmenetz im Ortsteil Fischbach. Die Wärmeversorgung soll überwiegend durch industrielle Abwärme aus dem MTU-Werk 2 erfolgen. Nach dem derzeitigen Planungsstand kann die Schule innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre an das Netz angeschlossen werden.
Bis dahin soll eine Übergangslösung des Stadtwerks am See die Wärmeversorgung sicherstellen. Vorgesehen ist eine moderne Erdgas-Brennwertanlage. Dabei handelt es sich um den bisherigen Übergangskessel des Technischen Rathauses, der nach dessen Anschluss an das Nahwärmenetz Nordstadt nicht mehr benötigt wird und für die zeitlich befristete Versorgung der Schule weiterverwendet werden kann.
Der Einsatz von Erdgas stellt eine Abweichung vom Gemeinderatsbeschluss vom 16. November 2020 dar, wonach bei zukünftigen Heizungssanierungen 100 Prozent erneuerbare Energien zum Einsatz kommen sollen. Die Abweichung wurde für die befristete Übergangsversorgung beschlossen. Nach dem späteren Anschluss an das Nahwärmenetz soll die Gaskesselanlage wieder zurückgebaut werden.
Gegenüber den fast 50 Jahre alten Bestandskesseln weist der sechs Jahre alte Brennwertkessel einen höheren Nutzungsgrad auf. Für die Übergangszeit wird deshalb eine Reduzierung des Erdgasverbrauchs und des CO2-Ausstoßes um voraussichtlich etwa 10 bis 15 Prozent erwartet.
Weitere kommunale Gebäude in Fischbach
Neben der Schule sollen auch das Frei- und Seebad Fischbach sowie die Tannenhagschule grundsätzlich für einen späteren Anschluss an das geplante Nahwärmenetz vorgesehen werden.
Weitere Informationen und alle Vorlagen zu den aktuellen öffentlichen Sitzungen des Gemeinderates und der Ausschüsse sind zu finden unter www.sitzungsdienst.friedrichshafen.de.