Förderpreise für drei junge Künstlerinnen & Künstler

Die Förderpreise für junge Künstlerinnen und Künstler der Zeppelin-Stiftung der Stadt Friedrichshafen gehen im Jahr 2026 an Viola Sauter (Darstellende Künste), Jonárosa Oremek alias „Die Obertunte“ (Darstellende Künste) und Julian Pawlowski (Bildende Künste).

Drei Portraitbilder von einer Frau, einem als Frau verkleideten Mann und einem Mann
Viola Sauter (Foto: Rachel Nolan), Jonárosa Oremek (Foto: Tobin Drache), Julian Pawlowski (Foto: Otica)

„Ich gratuliere den drei Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich zu dieser Auszeichnung. Wir fördern herausragende Talente aus Friedrichshafen, die auf ganz unterschiedliche Weise ein außergewöhnliches künstlerisches Potenzial zeigen. Ich freue mich, dass wir sie mit dem Förderpreis auf ihrem weiteren Weg ein Stück begleiten können.“, so Erster Bürgermeister Andreas Hein.

Erster Platz: Viola Sauter – Darstellende Künste

Der erste Platz bei der diesjährigen Preisverleihung geht an eine Schauspielerin: Viola Sauter (geboren 1998) stammt aus Friedrichshafen und studiert derzeit Schauspiel am Royal Conservatoire of Scotland in Glasgow. Zuvor absolvierte sie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart Studiengänge in Lehramt mit den Fächern Musik und Englisch sowie in Sprechkunst und Sprecherziehung. Schon früh war sie dem Kulturbüro Friedrichshafen eng verbunden – als Mitglied des Theater-Jugendclubs und über viele Jahre als Mitarbeiterin beim Kulturufer.

Viola Sauter verfolgt ihren künstlerischen Weg mit beeindruckender Zielstrebigkeit. Der Wunsch, Schauspielerin zu werden, begleitet sie seit ihrer Kindheit. Diesen Traum hat sie mit großer Beharrlichkeit verfolgt und sich Schritt für Schritt eine vielseitige künstlerische Ausbildung erarbeitet.

Ob auf der Bühne, vor der Kamera oder als Sprecherin – Viola Sauter begegnet ihren Rollen mit Wahrhaftigkeit und Sensibilität. Sie versteht es, Figuren glaubwürdig und vielschichtig zu gestalten und ihnen eine unverwechselbare Stimme zu verleihen. Aktuell arbeitet sie an ihrer Interpretation der Lady Macbeth und entwickelt zugleich ein eigenes Theaterstück, mit dem sie sich für das Edinburgh Fringe Festival bewerben möchte.

Viola Sauter steht beispielhaft für eine junge Künstlergeneration, die ihre Wurzeln als Ausgangspunkt für eine internationale Laufbahn begreift. Friedrichshafen ist für sie nicht nur Herkunft, sondern prägender Teil ihres künstlerischen Weges. Mit ihrem Schaffen trägt sie diese Verbundenheit hinaus in die Welt und zeigt, welches kreative Potenzial aus der Stadt erwachsen kann.

Die Jury hebt insbesondere Sauters beeindruckende Zielstrebigkeit und ihre künstlerische Vielseitigkeit hervor. Sie verbinde eine fundierte Ausbildung mit großer Sensibilität für Figuren und Sprache und stehe beispielhaft für eine junge Künstlergeneration, die ihre Friedrichshafener Wurzeln mit einer internationalen künstlerischen Perspektive verbindet.

Zweiter Platz: Jonárosa Oremek alias „Die Obertunte“ – Darstellende Künste

Den zweiten Platz teilen sich in diesem Jahr zwei Personen: Jonarárosa Oremek und Julian Pawlowski. Jonárosa Oremek (geboren 2004), vielen auch als „Die Obertunte“ bekannt, verbindet Drag, Theater, Live-Gesang und performative Geschichtsvermittlung zu einer eigenständigen künstlerischen Sprache. Nach dem Aufwachsen in Friedrichshafen lebt Oremek heute in Berlin, studiert Soziale Arbeit und arbeitet als selbstständige Drag- und Travestiekünstlerin. Trotz des Lebensmittelpunkts in der Hauptstadt bleibt die künstlerische Auseinandersetzung eng mit Friedrichshafen und Oberschwaben verbunden.

Was Jonárosa Oremeks Arbeit besonders macht, ist die Verbindung von persönlicher Erfahrung, künstlerischer Gestaltung und historischer Recherche. Drag wird dabei nicht nur als Bühnenkunst verstanden, sondern als kulturelles Ausdrucksmittel, das Erinnerung sichtbar macht, gesellschaftliche Fragen stellt und Begegnungen ermöglicht.

Mit Projekten wie dem Drag-Kabarett „Ich hab' noch einen Koffer in BaWü“ oder den queerhistorischen Stadtführungen in Oberschwaben gelingt es Oremek, regionale Geschichte neu zu erzählen und bislang übersehene Perspektiven in den öffentlichen Raum zu bringen. Humor, Musik und Inszenierung verbinden sich mit sorgfältiger Recherche zu einem ebenso unterhaltsamen wie nachdenklichen Gesamterlebnis.

Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage nach Zugehörigkeit: Was bedeutet Heimat für Menschen, die lange das Gefühl hatten, dort keinen Platz zu haben? Jonárosa Oremek entwickelt daraus keine Anklage, sondern eine Einladung zum Dialog. Die eigene Biografie wird zur Grundlage einer Kunst, die weit über das Persönliche hinausweist und Geschichte, Gegenwart und Zukunft miteinander verknüpft.

Die Jury würdigt insbesondere die eigenständige Verbindung von Performance, historischer Recherche und persönlicher Perspektive. Oremeks Arbeiten seien zugleich unterhaltsam und nachdenklich und eröffneten neue Zugänge zu regionaler Geschichte und gesellschaftlichen Fragen.

Zweiter Platz: Julian Pawlowski – Bildende Künste

Der Fotograf, Filmemacher und Künstler Julian Pawlowski (geb. 1990) ist in Friedrichshafen geboren, aufgewachsen und bis heute eng mit seiner Heimatstadt verbunden – und erreicht ebenfalls einen zweiten Platz bei der Preisverleihung. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet er als freischaffender Fotograf und hat sich mit seinen Porträts, Reportagen und Werbeaufnahmen weit über die Region hinaus einen Namen gemacht. Gleichzeitig prägt er mit seinen fotografischen Arbeiten für die Schwäbische Zeitung und zahlreiche lokale Projekte das visuelle Gedächtnis Friedrichshafens.

Julian Pawlowskis besondere Stärke liegt in seinem Blick für den Menschen. Seine Fotografien zeigen keine perfekten Inszenierungen, sondern authentische Persönlichkeiten und jene flüchtigen Momente, in denen Nähe, Vertrauen und Charakter sichtbar werden. Mit großer Sensibilität gelingt es ihm, zwischen dokumentarischer Präzision und künstlerischer Bildsprache zu vermitteln.

Neben der Fotografie hat Pawlowski in den vergangenen Jahren seine künstlerische Arbeit konsequent erweitert. In seiner Malerei verarbeitet er persönliche Erfahrungen, familiäre Erinnerungen und gesellschaftliche Fragen mit einer ausdrucksstarken, zwischen Gegenständlichkeit und Expression pendelnden Bildsprache. Dabei bleibt sein zentrales Anliegen stets dasselbe: Gefühle sichtbar zu machen, ohne sie zu erklären.

Die Jury würdigt Julian Pawlowski als vielseitigen Künstler, der seine Heimat mit aufmerksamem Blick begleitet. Seine Arbeiten verbinden fotografische Präzision mit großer menschlicher Nähe und bereichern das kulturelle Leben Friedrichshafens auf besondere Weise.

Förderpreis wird seit 2001 vergeben

Der seit 2001 vergebene Förderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler hat das Ziel, den Ausgezeichneten die Möglichkeit zu bieten, ihre künstlerische Entwicklung voranzutreiben, besondere Projekte zu realisieren und ihre Arbeiten einem breiteren Publikum bekannt zu machen.

Für das Jahr 2026 standen insgesamt 12.000 Euro aus Mitteln der Zeppelin-Stiftung zur Verfügung. Die Jury hat sich für ein Preisgeld in Höhe von 4.000 Euro für Viola Sauter sowie jeweils 2.000 Euro für Julian Pawlowski und Jonárosa Oremek entschieden.

Auf die Ausschreibung gingen insgesamt 17 Bewerbungen ein. Davon entfielen neun auf die Sparte Bildende Künste, vier auf die Darstellenden Künste, drei auf die Sparte Musik und eine auf die Sparte Literatur.

Die Verleihung der Urkunden an die drei Preisträgerinnen und Preisträger findet am Sonntag, 11. Oktober, 18 Uhr im Kiesel im k42 statt. Die Preisträgerinnen und Preisträger geben dabei Einblicke in ihr künstlerisches Schaffen. Der Eintritt ist frei. Es wird um eine Anmeldung über das Amt für Kunst und Kultur, , gebeten.

Weitere Infos zum Förderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler unter www.friedrichshafen.de/künstlerförderpreis