Graf-Zeppelin-Haus wird energetisch saniert

Gebaut wurde das Graf-Zeppelin-Haus (GZH) vor vierzig Jahren, von 1982 bis 1985 – jetzt steht eine umfassende energetische Sanierung an. Dabei wird auch die damals wegweisende Nutzung von Seethermie auf den neuesten Stand gebracht.
Mehrere Personen mit Spaten vor einem Erdhügel, im Hintergrund das GZH
Mit dem Spatenstich fürs unterirdische Pumpenhaus startet die umfangreiche energetische Sanierung des Graf-Zeppelin-Hauses.

Die Sanierung wird bis zum Winter 2026/2027 dauern und voraussichtlich rund 33 Millionen Euro kosten. Von der KfW gibt es einen Zuschuss in Höhe von bis zu 2,52 Millionen Euro.

„Vor 40 Jahren waren wir mit dem Bau des Graf-Zeppelin-Hauses die ersten, die am Bodensee Seethermie nutzten. Jetzt legen wir mit der energetischen Sanierung den nächsten Meilenstein in Sachen Klimaschutz, denn wir werden sowohl Energie einsparen als auch bei der Wärme- und Kälteerzeugung komplett auf regenerative Energie umsteigen“, betont Erster Bürgermeister Fabian Müller. „Außerdem können wir damit zukünftig im laufenden Betrieb Kosten reduzieren, was bei steigenden Preisen für fossile Energien immer wichtiger werden wird.“

Die Vorbereitungen für die energetische Sanierung des Graf-Zeppelin-Hauses waren bereits über den Sommer rund ums Graf-Zeppelin-Haus bei der Vorbereitung des Baufelds sichtbar, jetzt geht es tatsächlich los: Den Auftakt der Sanierungsmaßnahmen bildet die Errichtung eines neuen Pumpenhauses. Das Pumpenhaus wird unterirdisch an der Stelle in den Außenanlagen des Graf-Zeppelin-Hauses entstehen, an der bisher die Grafen-Statue stand. Die Statue ist daher für die Bauzeit umgezogen in die Grünanlage im oberen Bereich des GZH. 

Wärmepumpenanlage mit Doppelnutzen

Mit der umfangreichen energetischen Sanierung soll das Gebäude, das sich im Eigentum der Zeppelin-Stiftung befindet, auf den neuesten Stand gebracht werden: Das GZH soll bei der Wärme- und Kälteerzeugung zukünftig ohne fossile Brennstoffe auskommen, für Wärme und Kälte soll ausschließlich eine Wärmepumpenanlage zuständig sein. Die Wärmepumpen nutzen wiederum die thermische Energie des Bodensees. Diese zweifache Verwendung der Wärmepumpe ist vor allem ein Vorteil in den Übergangszeiten, in denen von Heizen auf Kühlen umgestellt wird. So kommen Abwärme und Kälte weitgehend dem Haus selbst zugute. Es wird nur die Abwärme oder Kälte in den See abgeführt, die nicht im Haus benötigt wird. 

850 Meter lange Seewasserleitung 

Da die bestehenden Seewasserleitungen entsprechend der Bodenseerichtlinien nicht mehr zulässig sind, werden neue Leitungen verlegt: In einer Tiefe von etwa 15 Metern soll das Bodenseewasser entnommen und in das neue Pumpenhaus geführt werden. Die Entnahmeleitung wird eine Länge von 850 Metern haben, wobei die ersten 700 Meter ab dem Pumpenhaus unterirdisch verlaufen werden. Für das Verlegen dieses Leitungsabschnitts ist eine Spülbohrung unterhalb des Seegrunds notwendig. Auf einer Länge von 150 Metern verläuft die Leitung dann auf dem Seegrund. Nach der thermischen Nutzung wird das Wasser über das angrenzende Hafenbecken beim GZH in den See zurückgeleitet.

Solarenergie vom Dach

Wesentlicher Baustein der energetischen Sanierung ist auch die Nutzung von Solarenergie: Die Photovoltaik-Anlage ist auf eine erwartete Leistung von etwa 467 kWpeak ausgelegt. Damit wird ein PV-Ertrag von rund 473.000 kWh pro Jahr erzielt. Der solare Deckungsanteil des Gebäude-Stromverbrauchs durch die PV-Anlage soll damit 28 Prozent erreichen. Im Vergleich zur Nutzung von Strom aus dem deutschen Strom-Mix können so CO2-Einsparungen in Höhe von voraussichtlich 223 Tonnen pro Jahr erzielt werden.

Die Photovoltaik-Anlage im Flachdachbereich über dem Ludwig-Dürr-Saal und den Wohnungen sieht aufgeständerte Standard-PV-Module vor. Sie werden auf der Dachfläche in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege so positioniert, dass sie vom Gelände aus nicht wahrnehmbar sind. Die PV-Anlage auf dem Dach des Hugo-Eckener-Saals ist dagegen aus der Ferne für Fußgänger sichtbar. Sie wird auf Wunsch des Landesamtes für Denkmalpflege optisch an das Blechdach angepasst.

Dachsanierung inklusive Begrünung

Auch das Dach selbst wird bei der Sanierung auf den Stand der Technik gebracht. Undichtigkeiten werden beseitigt, die Regenentwässerung wird saniert und die Dachdämmung erneuert. Durch das Aufbringen einer extensiven Dachbegrünung auf Flachdachbereichen, die nicht mit PV-Modulen belegt werden, wird das großflächige Dach des Graf-Zeppelin-Haus ebenso in seiner ökologischen Wertigkeit verbessert und trägt zur Förderung des Artenreichtums bei.

Außenanlagen und Graf Zeppelin

Zum Ende der energetischen Sanierung im Winter 2026/2027 wird dann auch der GZH-Außenbereich erneuert: Bäume und Sträucher werden nachgepflanzt, die Wege instandgesetzt oder auch teilweise neu angelegt und auch die Statue des Grafen Zeppelin zieht zurück an ihren ursprünglichen Standort – über dem unterirdischen Pumpenhaus. Der Uferabschnitt vor dem GZH kann voraussichtlich schon ab Sommer 2026 und damit zur nächsten Badesaison wieder genutzt werden.

Sanierung im laufenden Betrieb: Veranstaltungen, Restaurant und Café

Die Baumaßnahme ist mit den beiden GZH-Gastronomen abgestimmt. Sowohl die Grüter Gastronomie mit ihrem Cateringbetrieb und der Seeterrasse, als auch das Kurgartencafé mit Pächterin Candy Frankl halten den Betrieb während der Bauphase weitestgehend aufrecht. Auch das Veranstaltungsprogramm im Graf-Zeppelin-Haus läuft weiter, Baubereiche und Bauzeitenpläne werden laufend mit dem GZH-Veranstaltungskalender abgestimmt. „Lediglich im Februar 2026 wird es einen Zeitraum ganz ohne Veranstaltungen geben“, sagt Matthias Klingler, Leiter des Graf-Zeppelin-Hauses. „Unsere Kunden haben wir aber rechtzeitig informiert, damit diese ihre Planungen anpassen können.“ 

Weitere Informationen unter www.friedrichshafen.de/gzh-sanierung