Radschutzstreifen sollen Radler besser absichern

Um die Sicherheit für Radfahrer in Friedrichshafen zu erhöhen, beteiligt sich die Stadt an dem landeseinheitlichen Modellprojekt „Schutzstreifen“. Deshalb wurden in der Barbarossastraße, der Tannenburgstraße und in der östlichen Waggershauser Straße Schutzstreifen markiert.
Radschutzstreifen neben der Fahrbahn

Schon seit einigen Jahren werden in Friedrichshafen Radschutzstreifen markiert, und zwar überall dort, wo es aufgrund der Breite der Straße nicht möglich ist, Fahrradstreifen zu markieren oder Radwege anzulegen. Die Schutzstreifen sind eine einfache und schnell umsetzbare Möglichkeit, die Sicherheit der Radler zu erhöhen, durchgängige Radverkehrsnetze zu schaffen und so bestehende Lücken zu schließen. Diese Schutzstreifen dürfen im Regelfall nur von den Radlern und nicht von Kraftfahrzeugen befahren werden. Nur im Ausnahmefall, wenn es beispielsweise bei Gegenverkehr durch Lkw zu eng wird, darf auf den Schutzstreifen ausgewichen werden.

Um einen Schutzstreifen markieren zu können, war es bisher notwendig, dass zwischen den 1,25 Meter bis 1,5 Meter breiten Schutzstreifen noch eine Restfahrbahnbreite von 4,50 Meter verbleibt. Somit war sichergestellt, dass sich auf der Restfahrbahn zwei Pkws ohne Mitbenutzung der Schutzstreifen problemlos begegnen konnten.

Verschiedene Beobachtungen ergaben, dass die Schutzstreifen von den Kraftfahrern ganz unterschiedlich beachtet und akzeptiert werden. So wird der Schutzstreifen in der Eckenerstraße größtenteils beachtet und nur in Ausnahmen befahren. Der einseitig markierte Schutzstreifen in der Zeppelinstraße hingegen wird stadteinwärts vielfach durch die Kraftfahrer mitgenutzt. Zu beobachten war auch, dass die Radler ohne den notwendigen Mindestabstand, teilweise trotz Gegenverkehrs, überholt werden. Dies wurde nun durch die Novellierung der Straßenverkehrsordnung neu geregelt. Aus Sicherheitsgründen darf der Radler nur dann überholt werden, wenn ein Abstand von 1,50 Meter zwischen Auto und Radler eingehalten werden kann. Diese Regelung gilt auch, wenn der Radler auf dem Schutzstreifen fährt. Der Schutzstreifen sollte generell frei sein. So können die Radler im Fall eines Rückstaus an den wartenden Autos vorbeifahren.

Modellversuch soll Chancen und Risiken ausmachen
Das in rund 30 Kommunen in Baden-Württemberg laufende und vom Land geförderte Modellprojekt der Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen Baden-Württemberg (AGFK), der Friedrichshafen angehört, soll dazu beitragen, die Chancen und Risiken von solchen Schutzstreifen aufzuzeigen. Es soll auch geklärt werden, ob Schutzstreifen auch in den Straßen, in denen die Restfahrbahnbreite geringer als 4,50 Meter (mindestens aber 4,10 Meter) ist, von den Kraftfahrern akzeptiert werden.

In Friedrichshafen wurden für diesen Versuch in der Barbarossastraße auf beiden Seiten Schutzstreifen markiert. In der Waggershauser Straße und in der Tannenburgstraße hingegen wurden einseitige Schutzstreifen angebracht. Bei einseitig angelegten Schutzstreifen wird die bergauf führende Seite gewählt, um dem bergauffahrenden und langsameren Radfahrer zusätzliche Sicherheit zu geben.

Für die Möglichkeit einer Unterschreitung der bisherigen Mindestmaße wurde seitens der obersten Straßenverkehrsbehörde des Landes eine entsprechende verkehrsrechtliche Anordnung erlassen. Bevor das Projekt startete, wurden im Herbst 2019 Bestandsbeobachtungen an allen Modellstrecken gemacht, die dann mit den Projektbeobachtungen im laufenden Versuch verglichen werden sollen.

Welche Ergebnisse die noch bis 2021 laufende Untersuchung bringt und welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden können, muss abgewartet werden. Der Versuch soll zeigen, welche Möglichkeiten für mehr Sicherheit für Radler auch in rechtlicher Hinsicht geschaffen werden können.

Der Ansicht, mit der neuen Abstandsregel wären Schutzstreifen nicht mehr notwendig, kann nur bedingt gefolgt werden. Die Markierung ist im bestehenden Straßenraum oftmals die einzige Möglichkeit, kurzfristig eine Führung für den Radverkehr für alle Verkehrsteilnehmer sichtbar zu machen und damit auch die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Genau das ist das Ziel. Im Gegensatz zum Bau von Radwegen ist die Markierung von Schutzstreifen rasch umsetzbar und auch kostengünstiger. Die Durchgängigkeit und Verbesserung von Radverkehrsnetzen soll damit schnell gewährleisten, das Radfahren gefördert und das Stadtklima verbessert werden.

 

Informationen:

Was ist ein Schutzstreifen?
Die Markierung eines Schutzstreifens für Radfahrer darf durch andere Fahrzeuge bei Bedarf überfahren werden, eine Gefährdung von Radfahrern ist dabei auszuschließen.

Was ist ein Radfahrstreifen?
Hierbei handelt es sich um für den Radverkehr bestimmte, von der Fahrbahn nicht baulich, sondern abgetrennte und gekennzeichnete Teile der Straße. Da es sich um einen Sonderweg für Radfahrer handelt, dürfen andere Verkehrsteilnehmer ihn nicht benutzen