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Fischbacher Rebleute

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Fischbacher Rebleute

von Ernst Haller
Heute kann man es kaum noch glauben, aber es gab ihn wirklich mal, den Fischbacher Weinbau. Natürlich zählte der Rebbau im Vergleich zu Schnetzenhausen oder Berg schon durch die geologischen Bedingungen nicht zu den besten Lagen. Dennoch lassen sich für die Zeit des 19. Jahrhunderts 36 Anwesen, in denen Landwirte oder Handwerker Weinbau betrieben haben, nachweisen. Sehr häufig wird in der Geschichte gegen Ende des Mittelalters von 109 Rebstücken berichtet. Sie waren verteilt auf die Reblagen im Bildgarten oder am Hammerstützen mit nur geringer Geländeneigung. Etwas steiler waren da schon die Hänge in den Lagen Muntenried, die Girishalde in Spaltenstein, der Lausbüchel in Manzell, oder gar die Lage Nockenhaus in Riedern. Zwei der größten Rebflächen gehörten zu Hof Hofen und zum Gut Eichenmühle.

Sowohl die Pfarrei in Fischbach als auch die „Kirchenfabrik“, oder - wie es heute heißt - der Kirchenfond, hatten Reben. Einen Einblick in Weinbau und Rebgeschäft der Pfarreien bieten die Aufzeichnungen des jeweiligen Gemeindepfarrers.


Der Ertrag der Pfarr-Reben war Teil der Besoldung der Geistlichen. Die Nutznießer der Pfründe bearbeiteten die Rebstöcke selbst oder sie wurden verpachtet.

Die Fischbacher Kirchenfabrik bezog eigenen Wein nicht nur von Reben aus der Gemeindegemarkung sondern auch aus Kirchengütern, die in Immenstaad lagen. Noch 1875 bot Kirchenpfleger Zinsmaier im „Seeblatt“ 1.500 Liter Rotwein aus Immenstaader Gemarkung zum Verkauf an, wobei die Mindestabnahme allerdings bei 100 Liter lag. Auch unter den „Grundzinsen“, die der Kirche zustanden, befanden sich Weinabgaben. Die Entlohnung der Kirchenbediensteten erfolgte - abgesehen vom Mesner - in dieser Zeit in Wein. Handwerkerforderungen und andere Leistungen wurden ebenfalls mit Wein beglichen. So findet sich zum Beispiel in der Kluftener Kirchenrechnung von 1726 dazu folgender Eintrag:
 „Den Maler zu Buchhorn, wegen dem Altar zu fassen, mit 3 Aymer Wein und dazu Trinkgeld mit 1 Aymer und 8 Quart, entlohnt.

Der Weinbau war Nahrungs- und gleichzeitig Erwerbszweig. Man baute nicht nur für den eigenen Bedarf Wein an, Wein wurde verkauft und mit Wein wurden auch Schulden bezahlt. Aufgrund einer vorübergehenden Schankkonzession durfte jeder Selbsterzeuger seinen Wein glasweise ausschenken. Dies wurde in Kluftern oder Markdorf den Wein „gässelieren“ genannt. Der Begriff kommt von der Gasse, es wurde immer nur „Gässelesweise“ ausgeschenkt, eine Regel, die wir auch in Fischbach finden. In der Ausgabe des „Seeblatts“ vom 3. Oktober 1863 weist das Schultheißenamt Fischbach darauf hin, dass nach einer Anordnung des Oberamts Tettnang vom 7. Juli dieses Jahres, aus polizeilichen Gründen nie mehr als ein Weinproduzent aus einer Parzelle seinen Wein ausschenken soll.

Für die eingangs genannten Ortsteile lassen sich für die Zeit von 1861 bis 1870 immerhin 25 Besenwirtschaften ausmachen. Die Besitzer inserierten regelmäßig im „Seeblatt“ zu welchem Termin sie ihre gute Stube in eine Besenwirtschaft verwandelten, um den eigenen Wein auszuschenken. Da die Anzeigen in der Regel mündlich aufgegeben wurden, kam es häufig vor, dass der Name der Winzer jedes Jahr in einer anderen Schreibweise erschien. So wurde der Namen eines Hofbesitzers neben dem Gasthaus“ Traube“ als Bernweck, Bernwick, Bernwik oder gar als Berenwik geschrieben.

Besenwirtschaften gab es zu dieser Zeit in der Meersburger Straße und im Eichenmühleweg bei: Andreas Lorenz, Anton Müller, Simon Bernwick, Ignaz Epple, Josef Hage, Joseph Heckler, Baptist Hutter, Georg Mauch, Konrad Bucher, Vinzenz Knoblauch, Max Strobel, bei Wagnermeister Späht und dem Ziegeleibesitzer Späht.
Im Hof Hofen schenkte Andreas Epple seinen neuen Wein aus und in Riedern Vinzenz Brugger.
In Spaltenstein konnte man zum Wein bei Joseph Gretzer, Matthias Brugger, Josef Hoher, bei der Witwe Büchele und bei Christoph Geyer einkehren. In Manzell wirteten zeitweise die Landwirte: Joseph Bentele, Friedrich Geyer, Conrad Wirth, Martin Hauser und die Witwe Rittler.
Dass ein solches Angebot an Trinkstuben auch seine Schattenseiten hatte, beklagte vor allem der Fischbacher Pfarrer Franz Joseph Ströbele. Er wirkte in Fischbach von 1859 bis 1890 und notierte in seiner Kirchenchronik, dass in den Jahren 1865 bis 1868 durch den Schultheiß zur Nachtzeit keine polizeiliche Aufsicht mehr über die Wirtshäuser und Weinschenken ausgeübt werde. Da allmählich, so bemerkte er, der größte Teil der Rebbesitzer ihren Wein selbst ausschenkten, seien die nächtlichen Trinkgelage bis gegen Mitternacht und darüber hinaus nicht selten.
In der 2001 erschienen Sammlung Alt-Fischbacher Geschichten von Max Sagawe beschreibt Norbert Steinhauser, Leiter des Häfler Schulmuseums, die Besoldung der Lehrer in Fischbach in den Anfangsjahren der dortigen Schule. So berichtet er von einem Georg Strobel, der um 1825 Lehrer und nebenbei Mesner in Fischbach war. Er hatte neben seinem Lohn auch noch Anspruch auf eine zusätzliche Bezahlung durch die Bürger in Form von Wein. Alle Fischbacher, die Rebgüter besaßen, hatten ihm einen Vierteleimer Wein (Eimer 41 Liter) zu liefern. So landeten im Keller des Schulmeisters alljährlich 360 Liter Wein. Wer ohne Weinbau war, das waren noch 14 Bürger, zahlte ihm jährlich 15 Pfennig. Der Liter Wein kostete in diesen Jahren beim Erzeuger 18 Pfennig.


Mehr über die Geschichte des Weinbaus finden Sie in dem Buch SEEWEIN von Ernst Haller, erhältlich in allen Buchhandlungen.

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