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Ernst Haller arbeitet 600 Jahre Fischbacher Mühlengeschichte auf

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Ernst Haller arbeitet 600 Jahre Fischbacher Mühlengeschichte auf

FISCHBACH (sig) Der frühere Messegeschäftsführer Ernst Haller wird immer mehr zum heimatgeschichtlichen Autor. In über einjährigem Recherchieren in den Archiven vor allem in Konstanz hat er pünktlich zum Deutschen Mühlentag die 600-jährige Mühlengeschichte Fischbachs erforscht.

"Der Müllerberuf war nicht ganz ungefährlich", berichtete Ernst Haller gestern bei der Vorstellung seiner Forschungsarbeit in der "Mühle Fischbach" im Beisein der Witwe des verstorbenen Müllermeisters Hans Dehm und dessen Schwiegersohns Thomas Schnekenbühl, der in der Mühle einen reichen Fundus an Müllergerät und -werkzeug zusammengetragen hat mit dem Ziel, - eines Tages im Fischbacher Eichenmühlenweg - ein Mühlenmuseum entstehen zu lassen.
Von Konstanzer Spitalbesitz in Fischbach schreibt Ernst Haller, denn das Konstanzer Heilig-Geist-Spital zählte im ausgehenden Mittelalter, ähnlich wie das Spital von Lindau, zu den Großgrundbesitzern unter den Spitälern am Bodensee. Allein im Linzgau, der anfangs im Westen vom Untersee bis zur Schussen im Osten reichte und später nur noch bis zur Rotach östlich von Buchhorn beschrieben wurde, besaß das Spital 18 im oberen und unteren Linzgau weit verstreute Spitalhöfe. Einer dieser Höfe sowie eine Spitalmühle lagen zu dieser Zeit in Fischbach. Der Standort der Mühle ist identisch mit der heutigen Mühle Dehm im Eichenmühlenweg 16/1. Die Anzahl der Güter wechselte über die Jahrhunderte. Am Anfang, so Haller, "ist von einem, später von sechs und 1850 bei der Güterübertragung noch von drei Höfen und einer Mühle die Rede". Der Hof Hofen, der auch dem Spital Konstanz gehörte und ab 1616 in den Besitz der Familie Epple kam, wurde getrennt von den Fischbacher Besitzungen geführt. Wie kam es dazu, dass das entfernte Konstanzer Spital Eigentum in Fischbach hatte? Ritter Efrid von Efrizweiler vermachte 1281 ein Gut in Fischbach als Erblehen dem Konstanzer Spital, das 1310 von Konrad von Helmsdorf ein "Holz" im "Wasach" erwarb und 1537 auch die dortige Mühle in Besitz hatte.

In dem ältesten von 1368 bis 1422 angelegten Zinsbuch des Spitals werden die Besitzungen in Fischbach, Hof Hofen und Schnetzenhausen beschrieben. Die ursprünglichen Eintragungen sind nicht mehr komplett erhalten. Von den vielen Nachträgen ist nur einer auf das Jahr 1370 datiert. Die Eintragungen betreffen einen Hof in Fischbach (den Maiereihof), den Hof Hofen, einen Hof in Schnetzenhausen und später auch die Rebflächen im Bildgarten. Eine Mühle wird nicht erwähnt. Als Bauern auf dem Fischbacher Hof werden Johannes Ling, Jakob Alaland und Hainz Kobold genannt, wobei Ling den Hof 1370 übernahm. In dem Zeitraum, in dem dieses Zinsbuch angelegt wurde, gab es die große Pestwelle im Land. Viele Familien waren ausgestorben. Im Zusammenhang mit den Bevölkerungsverlusten ging auch der Getreideabsatz zurück. Bauern, die überlebten, sind vielfach in die sich entwickelnden Städte gezogen. Für die Herrschaft war es ein großes Problem, die Bauern auf ihren Höfen festzuhalten.

Rund 1000 Dokumente hielt Ernst Haller bei seinen etwa zehn Besuchen in Konstanzer Archiven in Händen, von etwa 100 machte er Kopien. Von welch existenzieller Bedeutung Mühlen - vor allem - für die Lebensmittelversorgung waren, ist bereits im Alten Testament zu lesen, wo der Prophet Jeremias den Sündern droht: "Gott werde wegnehmen allen frohen Gesang, das Geräusch der Mühle und das Licht der Lampe." Wenn die Mühle schwieg, herrschten Not und Angst. Der ehemalige Müllermeister Hans Dehm schrieb in seiner Mühle auf eine Tafel: "Die Müllerei ist von Gott gegeben, aber das Mühlsteinschärfen und das Mahlen bei Nacht, das hat der Teufel gemacht." Die Forschungsarbeit von Ernst Haller über 600 Jahre Mühlengeschichte in Fischbach-wird-2009 ins Jahrbuch des Friedrichshafener Stadtarchivs aufgenommen.

(Erschienen: 08.05.2008 in der Schwäbischen Zeitung)

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