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Die Fischbacher Mahl- und Sägemühle

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Die Fischbacher Mahl- und Sägemühle

Nicht einfach zu finden, weil etwas versteckt, liegt die Mühle Dehm, Eichenmühlweg 16/1, im alten Ortskern von Fischbach. Man erkennt sie leicht an dem noch vorhandenen Wasserrad am ehemaligen Mühlengebäude. Es kann gut sein, dass an besonderen Tagen, wie dem „Deutschen Mühlentag", der Mann der Dehmtochter Judith, Thomas Schnekenbühl das Wasserrad für Besucher in Betrieb nimmt. Die Mühle, die noch ein komplettes Innenleben besitzt, war bis 1993 in Betrieb und gehörte von 1432 bis 1850 [wahrscheinlich aber schon sehr viel früher] zum Heilig-Geist-Spital in Konstanz. Die Beschreibung des Oberamts Tettnang von 1915 berichtet über den Besitz des Konstanzer Spitals in Fischbach, 1281 von einem Hof und 1537 von einer Mühle. Nachdem inzwischen wesentlich frühere Belege für die Fischbacher Mühle aufgetaucht sind, kann man davon ausgehen, dass sich an diesem Platz seit über 600 Jahren eine Mühle befand.

Die Hauptzeit urkundlicher Mühlennennungen in Oberschwaben, fällt im Wesentlichen auf die Zeit zwischen 1410 und 1460. Mühlenfachleute gehen daher davon aus, dass viele der im 15. Jahrhundert erstmals erwähnten Mahlmühlen bereits älteren Ursprungs sind.

Die [derzeit bekannt] früheste Erwähnung der Mühle in Fischbach findet sich im „Ellerbachischen Kaufbrief“ von 1432, der in Kopie in der Mühle vorliegt. In diesem Jahr wurde die Vogtei Hofen, auf deren Gebiet die Mühle lag, von Burkhart von Ellerbach an das Kloster Weingarten verkauft. In dem Kaufbrief war festgelegt, dass die Mühle in Fischbach, jährlich eine Abgabe von zwei Viertel Haber und einem Fasnachtshuhn zu leisten hatte. Die Lehensnehmer der Mühle konnten den Betrieb oft über mehrere Generationen, wie die Geschichte belegt, in ihren Familien halten. 

1600 erfolgte die Übergabe an Jerg Hailg. Sein Sohn Jerg Hailg, jun. wurde sogar 1639 zum Ammann des Amtes Fischbach eingesetzt. In der Folge konnte wiederum dessen Sohn die Mühle übernehmen und bis 1704 fortführen. Anschließend folgten bis 1767 Johann Dafinger und Sohn Hans Dafinger. Danach übernahmen mit Jakob, Joseph und Anton drei Generationen der Strobels von 1768 bis 1849 die Mühle. Um 1833 war die alte Mühle baufällig geworden. Joseph Strobel errichtete in den Folgejahren, an alter Stelle eine neue Mühle, wie sie heute noch besteht.

Als 1849 das Spital Konstanz im Zuge der Güterübertragung begann, seine Besitzungen an die Lehensnehmer zu verkaufen, war der damalige Müller Joseph Strobel, sowie sein Sohn Anton, der auch noch im Juni desselben Jahres verstarb, finanziell nicht in der Lage den Kaufpreis aufzubringen. Der vom Hof Hofen stammende Müller Johann Epple heiratete kurz darauf im November 1849 Adelheid, die Witwe von Anton Strobel. Er brachte auch die nötigen Mittel mit, um die Mühle 1850 für 576 Gulden, 14  Kreuzer zu kaufen. Rechnet man Simon Maier, der die Mühle 1882 übernahm und der Josepha Dehm mit ihrem Sohn Joseph heiratete, zur Familientradition der Dehms, so haben wir hier vier Generationen von Müller, aus einer Familie. Maier überschrieb die Mühle 1905 im Grundbuch seinem angeheirateten Sohn Josef Dehm. Als Simon Maier 1909 verstarb war Josef Dehm endgültig alleiniger Besitzer der Mühle.

1918 wurde der Sägebetrieb stillgelegt und das Wasserrad abgebaut. Der Betrieb der Getreidemühle ging aber unverändert mit noch einem oberschlächtigen Wasserrad weiter. Als Josef Dehm 1932 verstarb, übernahm sein 33 Jahre alter Sohn Johann (Hans) als ausgebildeter Müllermeister die Mühle. Er modernisierte die Mühleneinrichtung, indem er 1937 einen Teil der Steinmahlgänge gegen Walzenstühle austauschte. 1952 wurde eine Pneumatische Förderanlage und weitere Walzenstühle eingebaut. Die Mahlsteine, die heute am Mühlengebäude stehen, hatten damit ausgedient. Das erloschene Wassernutzungsrecht aus der Säge wurde 1954 auf die Getreidemühle übertragen     



Neue Technik hält Einzug.

Im Mai 1966 stellte Dehm den Antrag, die Bewilligungsurkunde T 67 von 1909 in der Weise abzuändern, dass er anstatt des bestehenden Wasserrades eine Turbine einbauen könne. Wer es sich in dieser Zeit finanziell leisten konnte, entschied sich zu diesem Schritt. Der Einsatz einer Turbine versprach eine weitaus wirtschaftlichere Ausnutzung der Wasserkraft. Das Wasserrad konnte nur einen geringen Bereich der zur Verfügung stehenden Wassermenge ausnutzen und unter einem verhältnismäßig schlechten Wirkungsgrad in die nutzbringende Energie umwandeln. Bei einer mittleren Wassermenge von 55 l/s, wie sie hier angenommen wurde, konnte das Wasserrad höchstens Wassermengen zwischen 40 und 70 l/s nutzen. Alle darüber liegenden Zuflussmengen gingen verloren.

Die Turbine, die Johann Dehm 1967 einbauen ließ, konnte jedoch Wassermengen zwischen 50 und 300 l/s unter einem günstigen Wirkungsgrad ausnutzen. Während das Wasserrad es auf eine Leistung von 3,32 PS brachte, ergaben sich für die Turbine Höchstleistungen von 10 bis 14,4 PS. 1972 übernahm mit Sohn Hans Dehm, der letzte Fischbacher Müllermeister die Mühle.

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