Kopfbereich
Logo

Friedrichshafen

Metanavigation
Schriftgroesse aendern
Schrift:
Suche
Suche
Haupt Navigation
Traceline
Inhalt-Linke-Navigation-Spalte

Die Eichenmühle

Inhalt-Mittlere-Spalte

Die Eichenmühle

Dem Lauf der Brunnisach weiter nach Norden folgend, stößt man unübersehbar auf das stattliche Anwesen der Eichenmühle. Während dort die Holzsäge gelegentlich, mit inzwischen modernem Antrieb noch rattert, hat die Mühle schon lange ihren Betrieb eingestellt. Die Gebäudegruppe steht wegen ihrer einmaligen Bausubstanz und ihres Alters unter Denkmalschutz. Sie wird 1242 erstmals als Zubehör der Burg Spielberg urkundlich erwähnt. Auf der blauen Geschichtstafel, die sich am Grundstückszugang befindet, kann der Wanderer etwas über die Geschichte des Hauses lesen.

Man erfährt, dass die Eichenmühle zwischen der ehemaligen Burg Spielberg und dem Hof Hofen liegt. Während man den Hof Hofen in Sichtweite ausmachen kann, sucht man die genannte Burg oder wenigsten einen Hinweis, wo sie einst stand vergebens.

Die Burg Spielberg lag am Hang, oberhalb der heutigen Bahnlinie gegenüber dem Bahnwärterhaus. Sie gehörte um 1524 genau wie die Mühle an der Aicha, (Eichenmühle) zur Herrschaft Efrizweiler und diese wiederum zum Haus Fürstenberg. Da die „Fürstenberger“ ihre östlichste Besitzung Efrizweiler über die Jahrhunderte mehrmals verliehen, hatte die Mühle im Verlauf ihrer Geschichte viele Besitzer.

1599 werden im Gült- und Zinsregister der Herrschaft Efrizweiler vermerkt, dass der Aichenmüller jährlich 115 Scheffel Vesen und 69 Scheffel Haber abzuliefern habe. Ferner fielen noch 8 Eimer Weinzins, 31 Hennen, 51 Hühner, 800 Eier und 1 Capaun an. Am Ende des Eintrags wurde noch vermerkt, dass der Aichenmüller die Auflage hatte „ainen Hetzhund zu halten“. Mit dem Hetzhund hat es etwas besonderes auf sich. Viele Lehensnehmer u.a. auch der Eichenmüller waren in diesen Jahren noch zu Frondiensten verpflichtet.

Einer diese Frondienste wurde alljährlich zur Jagdzeit angefordert. Damit die Herrschaft zur Jagd genügend Hunde zur Verfügung hatte, verpflichtete sie Ihre Lehensnehmer auch noch im Lehensvertrag zur Haltung eines „Hetzhundes“, den der Bauer dann zur Treibjagd mitzubringen hatte. Bei dem geforderten Capaun oder Kapaun handelt es sich um einen kastrierter Hahn. Die Herrschaft wünschte zwar in ihrem Hühnerhof einen Hahn, jedoch keine befruchteten Eier. Die jungen Hühner bekamen sie regelmäßig von ihren Lehenhöfen nachgeliefert.

Mühlen waren in der Geschichte und vor allem im Volksmund häufig von Geheimnissen umgeben. Dies lag auch daran, dass sie meist einsam gelegen waren, zugewachsen mit Gebüsch und Bäumen und damit einen dunklen Standort hatten. Klopft man an der Haustüre des geschichtsträchtigen Gebäudes, öffnet der 66 -jährige Hausherr Josef Kuppel die Türe und lädt bereitwillig zu einem Gespräch ein, dabei weiß er viel über die Geschichte des Hauses zu erzählen.


Er, Josef Kuppel, hatte die Mühle vor 26 Jahren von seinem Vater Fritz, der selbst schon nicht mehr Müller war, geerbt. Seinen bescheidenen Lebensunterhalt bestreitet er heute von einer kleinen Landwirtschaft und dem immer noch existierenden Sägewerk, das heutzutage allerdings nicht mehr mit Wasserkraft, sondern mit elektrischer Energie angetrieben wird.

Sein Großvater Joseph Kuppel hatte im April 1902, als er von Wahlwies nach Fischbach kam, die Mühle für 50 200,- Goldmark gekauft. Er war noch gelernter Müllermeister und verdiente gutes Geld mit der Mühle. Zusätzlich verfügte die Eichenmühle zu dieser Zeit noch über Pferdegespanne mit denen sozusagen als Transportunternehmen bei den Bauern das Korn abgeholt und das Mehl wieder zugestellt wurde. Allerdings musste Joseph Kuppel 1914 in den Ersten Weltkrieg ziehen, wo er am 30. März 1917 in der Champagne gefallen ist, damit ging auch der Betrieb der Mahlmühle zu Ende

Das oberschlächtige Wasserrad der Mühle wurde über einen 600 m langen Mühlekanal, den so genannten Oberkanal, von dem 400m „im Badischen" lagen, aus der Brunnisach gespeist. Als um 1900 die Eisenbahnlinie nach Überlingen am Haus vorbei gebaut wurde, mussten die Ingenieure extra für den Durchlass des Kanals ein Tunnel bauen, den man heute noch finden kann.

1960 verlieren die Mühle das Wasserrecht

1960 hatte die Mühle das Wasserrecht verloren, auch ist der Bach inzwischen weitgehend zugewachsen und versandet. Schon 1952 tauchten die ersten Probleme mit der Wasserversorgung für die Betriebe an der Brunnisach auf. Markdorf hatte zu dieser Zeit seine Wasserversorgung am Gehrenberg und im Hugeloh, bei Laimbach, ausgebaut und dabei unter anderem auch einen Zufluss zur Brunnisach angezapft.

Die Müller und Sägwerker hatten nun plötzlich zu wenig Wasser für ihre Antriebe und trafen sich zum Protest, um gegen die Markdorfer vorzugehen. Allerdings folgte genau darauf ein sehr regenreiches Jahr. Dem Bach floss ausreichend Wasser aus den Wiesen zu und so erlahmte der ursprünglich geplante Protest. Alle, die den Betrieb ohnehin aufgaben, verzichteten, die Restlichen stellten von der Wasserkraft auf Elektromotoren.

800 jährige Geschichte der Eichenmühle

Einblick in die nahezu 800 jährige Geschichte der Eichenmühle und der verschiedenen Lehensnehmer geben z. B. die Konstanzer Spitalakten. Dort wird in einem Lehenbrief von 1723 Johann Möschenmoser als Müller geführt, er konnte 1729 die Mühle in Kluftern übernehmen. Weitere Hinweise findet man im Pfarrarchiv der Fischbacher St. Vitus-Kirche. Darin werden von 1768 bis 1882 mehrere Generationen der Familie Roth, als Müller von Aichen aufgeführt.
Der Arbeitsrhythmus einer Mühle, wurde auch für die Eichenmühle, wie nachstehende Geschichte belegt, von den wechselnden Wetterbedingungen bestimmt. Bei zu hohem Wasser oder Eis mussten die Wasserräder pausieren.

Dies dauerte unter Umständen mal lange, so dass alle Müller die Gunst der Stunde im Sommer und Winter, bei Tag und Nacht, an Werk- oder Feiertagen zu nutzen gezwungen waren. Das Privileg, an den für alle anderen Berufsstände geheiligten Sonn- und Feiertagen arbeiten zu dürfen, war ihnen ausdrücklich von der Obrigkeit erteilt worden. Im November des Jahres 1863 behandelte der Kirchenkonvent der Pfarrgemeinde Fischbach, der einmal im Monat zusammentrat, einen Vorfall den Müllersohn Johann Roth betreffend.

„Johann Roth, so wurde festgestellt, habe im letzten und auch in diesem Monat jedes Mal die Sonntagsschule versäumt. Bei seiner Vernehmung gab er an, er hätte jedes Mal mahlen müssen, da im vorigen Monat der Mahlknecht aus dem Dienst getreten sei und sich der neue Knecht in diesem Monat die Hand gebrochen habe."


Der Konvent, der aus Pfarrer Ströbele und den Herren Weishaupt, Brugger und Pfleger Strobel bestand, beschloss:
„Johann Roth mit der Bemerkung zu entlassen, dass man sich über die Wahrheit seiner Angaben bei seiner Mutter erkundigen werde."

Auf Johann Georg Roth folgte von 1824 bis 1862 sein Sohn Franz Joseph, der mit seiner Frau Kreszenzia geb. Späth acht Kinder hatte.

Mysteriöse Geschichte

Natürlich hat auch die Eichenmühle, wie so viele Mühlen, ihre mysteriöse Geschichte. Eines Tages, so erzählt Josef Kuppel sei während seiner Kindheit ein alter Bauer vorbei gekommen und habe ihn gefragt, wo sich am Haus oder im Flur, der Abdruck einer schwarzen Hand befinde? Denn, so der Bauer, überall wo einst ein Mörder oder Selbstmörder gewohnt habe gebe es ein solches Zeichen. Den Bewohnern, deren Vorfahren die Mühle um die Wende des vorigen Jahrhunderts gekauft hatten, war derartiges nicht bekannt.

Aber der Bauer berichtete, er wisse davon, dass in diesem Haus um 1860 zwei Menschen zu Tode gekommen seien.
Ursache war, so erzählte er, dass der Müllersohn die Tochter eines Söldners aus Spaltenstein liebte und das war zu dieser Zeit für einen Müller nicht standesgemäß. Das so bezeichnete Mädchen war die Tochter eines Taglöhners und der Stand eines reichen Müllers lag wohl weit darüber. Der Sohn aber wollte trotz den Drohungen des Vaters, von der Liebsten nicht ablassen. Als der junge Müller an einem Morgen zum Wehr am Mühlenkanal ging, um dieses für die Tagesarbeit zu öffnen, nahm der Vater das Gewehr aus dem Schrank und erschoss den Sohn. Anschließend begab er sich in die Stube stellte das Gewehr auf den Boden und erschoss sich.

Was sich zunächst wie eine Legende anhörte, entpuppte sich nach ausgiebigen Recherchen in den Kirchenbüchern von St. Vitus als tatsächliches Ereignis. Man findet dort einen Eintrag unter dem Jahr 1862, dass am 17. November, um sieben Uhr, Franz Joseph Roth seinen zwanzigjährigen Sohn Franz Joseph erschossen habe. Wenige Minuten später erschoss sich der einundfünfzigjährige Vater und Müllermeister Franz Joseph Roth selbst.

Roth hinterließ die Witwe Kreszenzia mit sieben Kindern. Nach diesen tragischen Todesfällen trieben seine Witwe Kreszenzia Roth mit dem 1840 geborenen Sohn Georg die Mühle um, bis der 1850 geborene Sohn Heinrich alt genug war, um 1875 die Mühle zu übernehmen. Von 1883 bis 1885 ging die Mühle an Markus Josef Manz über. Von diesem weiter an den Müller Karl Schrott, bis sie schließlich 1902 von Josef Kuppel, dem Großvater des heutigen Besitzers, erworben wurde.


Obwohl die drei geschilderten Fischbacher Mühlen räumlich nicht allzu weit auseinander lagen, konnten die dort lebenden Müllerfamilien, bevor Fischbach 1669 eine eigene Pfarrgemeinde wurde, beim sonntäglichen Kirchgang, bei Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen nie zusammentreffen. Die Vorgänger des Ölmüllers Jehle, links der Brunnisach (von der Quelle her gesehen) wohnhaft, gehörte zur Pfarrgemeinde Schnetzenhausen. Die Fischbacher Mahl- und Sagemühle steht rechts der Brunnisach, deshalb musste die Müllerfamilie genau wie die des Bauers Epple von Hof Hofen ihrer Christenpflicht in Bermatingen genügen. Die Eichenmühle schließlich gehörte zu dieser Zeit zur Kirchengemeinde Kluftern und diese wiederum zu Teuringen.
Um 1900 wurden im Oberamt Tettnang alle 70 im Amtsbereich bestehenden Wassertriebwerke erfasst, durchnummeriert und die ihnen zustehenden Wassermengen dokumentiert.


Das Triebwerk der Eichenmühle erhielt unter seinem damaligen Besitzer Karl Schrott die Bezeichnung T 66. Die Fischbacher Getreide- und Sägemühle von Simon Maier die Nummer T 67 und die Ölmühle von Jodok Knoblauch wurde als Nummer T 68 registriert. Die Wassermengen über die, die drei Fischbacher Mühlen mit je 55 sec/lit. verfügen konnten waren gegenüber von Mühlen an anderen Gewässern relativ gering. So stand den Mühlen an der unteren Rotach mit 500-600 sec/lit. über die zehnfache Wassermenge zur Verfügung.

Jetzt bookmarken:digg.com