Mittwoch, 25. Mai 2022

10 Jahre Einsatz für biologische Vielfalt

2022 feiert das Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ sein zehnjähriges Bestehen. Friedrichshafen gehört zu den 60 Städten und Gemeinden, die bei der Gründung des Bündnisses in Frankfurt bereits mit dabei waren. Denn Städte sind ein Lebensraum, nicht nur für Menschen, sondern auch für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Heute gehören dem Bündnis 335 Städte, Gemeinden und Landkreise an.
Blumenwiese vor Gebäude mit Photovoltaikanlage auf dem Dach.

„Ich gratuliere den Verantwortlichen des Bündnisses herzlich zum Jubiläum. Friedrichshafen war von Anfang an mit dabei, denn das Bündnis bietet allen Partnern die Möglichkeit, ihre Kräfte zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu bündeln und sich besser zu vernetzen. Friedrichshafen legt auf die biologische Vielfalt besonderen Wert, da sie ein wesentlicher Bestandteil für die Lebensqualität in unserer Stadt ist“, so Erster Bürgermeister Fabian Müller.

Derzeit erarbeitet die Stadt eine eigene Biodiversitätsstrategie, die dazu beitragen soll, die Lebensräume und Arten im Stadtgebiet zu bewahren und ihre Vielfalt zu erhöhen. Mit dem Beitritt zum Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ hat sich die Stadt 2012 verpflichtet, den Schutz der biologischen Vielfalt im Rahmen der nachhaltigen Stadtentwicklung verstärkt zu berücksichtigen.

Um das Ziel zu erreichen, wurde in den vergangenen Jahren beispielsweise das Förderprogramm „Mehr Natur für Friedrichshafen“ auf den Weg gebracht. Es unterstützt Grundstückseigentümer und Mieter von privaten und gewerblichen Gebäuden sowie öffentliche Vereine und Institutionen dabei, an und um ihre Gebäude Maßnahmen für die heimische Artenvielfalt umzusetzen. Inzwischen wurden rund 120 Bürgerprojekte wie naturnahe Gärten, Entsiegelungen oder Dachbegrünungen realisiert.

Friedrichshafen wurde für die Jahre 2019 bis 2022 mit dem Label „StadtGrün naturnah“ in Silber ausgezeichnet und gehört damit zu den Vorreitern für mehr Stadtnatur. „Mit unserem Engagement wollen wir unserer Verantwortung für den Erhalt der biologischen Vielfalt gerecht werden. Wir wollen die Grünflächen ökologisch aufwerten, um so einen attraktiven Lebensraum für die Menschen in unserer Stadt zu schaffen und unseren Beitrag für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu leisten“, so Dr. Tillmann Stottele, Leiter der Abteilung Landschaftsplanung und Umwelt im Amt für Stadtplanung und Umwelt.

Dazu werden in Friedrichshafen häufig gemähte Rasenflächen zu blütenreichen Wiesenflächen umgestaltet. Heimische Sträucher und Bäume wurden im Stadtgebiet gepflanzt. In vier Kreiseln im Stadtgebiet wurden darüber hinaus Staudenmischungen als Dauerbepflanzung angepflanzt. Die „Häfler Mischung“, eine speziell für die Stadt zusammengestellte Saatgutmischung mit einer Vielzahl heimischer Arten aus dem Bodenseeraum, sorgt für einen reich gedeckten Tisch für Wildbienen, Schmetterlinge und weitere Bestäuber.

Die Bilanz des Projekts, das im April 2018 begonnen wurde, kann sich sehen lassen: Bisher wurden in der Stadt rund 20.000 Quadratmeter Wiesenflächen, etwa 1.000 Quadratmeter Staudenmischpflanzungen, zahlreiche Insektennährgehölze und rund 10.000 Blumenzwiebeln gepflanzt.

Viele Maßnahmen, die direkt oder indirekt der biologischen Vielfalt dienen, sind im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) als Projektbausteine oder Maßnahmen verankert und stellen dadurch sicher, dass das Thema biologische Vielfalt als wichtiges Thema der Stadtentwicklung dauerhaft im Focus bleibt. Zu diesen Themen gehören insbesondere Maßnahmen zum Leitprojekt 4 „Grüne und blaue Infrastruktur“ sowie zum Leitprojekt 3 „Klimastadt“, wie z. B. das Klimaanpassungskonzept und die Fortschreibung des Energie- und Klimaschutzkonzepts.

Als Teil der vielfältigen Klimaaktivitäten hat die Stadt 2020 an der Aktion des Gemeindetages „1000 Bäume für 1000 Kommunen“ teilgenommen und insgesamt 3.000 Bäume gepflanzt und so ein sichtbares und deutliches Zeichen für den kommunalen Klimaschutz gesetzt. Die Pflanzaktion ist Teil der städtischen Grünflächenstrategie, die auf eine stärkere Durchgrünung der Innenstadt und der Außenbereiche zielt.

Weitere Informationen:
Die „Kommunen für biologische Vielfalt“ sind ein Zusammenschluss von aktuell 335 Städten, Gemeinden und Landkreisen. Seit der Gründung des Bündnisses 2012 engagierte sich Dr. Tillmann Stottele für die Stadt Friedrichshafen als Schriftführer im Vorstand. Gemeinsam setzen sie sich für artenreiche Naturräume im Siedlungsbereich und in der freien Landschaft ein. Das Bündnis wurde vor zehn Jahren in Frankfurt gegründet. Ziel des Bündnisses ist es, Landkreise, Städte und Gemeinden bundesweit dabei zu unterstützen, Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung der biologischen Vielfalt umzusetzen. Auf der Homepage des Bündnisses findet man zahlreiche Praxisbeispiele – von der Blumenwiese im Park, über Artenschutzmaßnahmen für Insekten, Vögel und Amphibien, bis zum grünen Klassenzimmer. Die Aufgaben des kommunalen Naturschutzes sind heute sehr vielfältig, Themen wie Klimaanpassung, Gesundheitsvorsorge oder Lebensqualität haben an Bedeutung gewonnen. Die Verantwortlichen müssen dabei vermitteln können, warum für die Menschen auch die Erhaltung der natürlichen Lebensräume bedeutsam ist.  

Die Geschäftsstelle in Radolfzell hilft den Mitgliedskommunen hierbei mit fachlichen Informationen und vermittelt zudem Kontakte zu Kommunen mit einschlägigen Erfahrungen. Für den Siedlungsraum bietet „Kommbio“ das Label „StadtGrün naturnah“ an. Hierauf können sich Städte und Gemeinden bewerben, die die Pflege ihrer Grünflächen ökologisch optimieren wollen. Die Zahl der Mitglieder hat zuletzt stark zugenommen. Allein 2021 sind 51 neue Kommunen dazu gekommen.  

Weitere Informationen unter www.kommbio.de sowie www.umwelt.friedrichshafen.de