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Das Heizhaus eines Architekten

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Das Heizhaus kündigt die spätere Meisterschaft seines Architekten an

Wäre es nicht Ende 2004 im Zuge der Renovierung in einem kräftigen Rot gestrichen worden, das Heizhaus der Flakkaserne im Fallenbrunnen 12 würde trotz seiner Monumentalität kaum auffallen. Dicht fassen Büsche den Betonbau ein, und hohe Bäume beschatten das Gebäude, in dem sich heute ein Schießstand befindet. Mitten im Herzen der einstigen Kaserne liegt der hoch aufragende Zweckbau, in dem Form und Funktion eine Symbiose eingehen. 1936 wurde das vom damals erst 26-jährigen Stuttgarter Architekten Rolf Gutbrod entworfene Heizhaus gebaut. Gutbrod gehört zu den bedeutendsten Architekten der Nachkriegszeit. Eines seiner bekanntesten Bauwerke ist die Stuttgarter Liederhalle, die 1956 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Der junge Architekt arbeitete damals als Bauleiter der Flakkaserne.

Sein Werkverzeichnis führt das Friedrichshafener Heizhaus als Frühwerk auf.Anfang der dreißiger Jahre wuchs in Friedrichshafen die Bedeutung der kriegswichtigen Industrie. So wurde ab 1933 die Flakkaserne im Fallenbrunnen gebaut, 1937 bezogen die ersten Soldaten die Kaserne. Um die großzügig angelegten Unterkünfte beheizen zu können, entstand das große Heizhaus, dessen Äußeres durchaus von einem Stilwillen des Architekten zeugt – obwohl es sich hier „nur“ um einen technischen Zweckbau an der Peripherie handelt.Außen hat der Architekt „sichtbar“ gemacht, was sich im Innern des Gebäudes abspielt, nach dem Prinzip „Die Form folgt der Funktion“.

Oben im zentralen Gebäudeteil deuten ein Fensterband und der leicht vorkragende Vorbau den einstigen Raum für das Kohleförderband an. Die Schüttbunker werden nach unten konisch zulaufend markiert. Hoch hinauf laufend stemmen sich die Stützpfeiler dagegen. Von „prismenartig gebrochenen Schüttbunkerwänden und Strebepfeilern“ spricht das Landesdenkmalamt in seinem Gutachten. Ein durchaus monumentales, ausdrucksstarkes Linien-, Flächen- und Schattenspiel, das den Blick des Betrachters fängt, entsteht so an der Fassade, die damit sozusagen die Schauseite des Heizhauses markiert.

Rolf Gutbrod hat mit berühmten Kollegen wie Frei Otto, Fritz Leonhardt oder Hermann Kiess zusammengearbeitet. So war er wesentlich beteiligt am Entwurf der Universitätsbibliothek in Köln, der Wohnsiedlung in der Berliner Gropius-Stadt, des Deutschen Pavillons für die Expo ’67 in Montreal oder auch des Konferenzzentrums in Abu Dhabi. Mehrfach wurde er mit dem  Paul-Bonatz-Preis ausgezeichnet und 1980 mit dem Aga-Khan-Preis für Architektur für das Hotel- und Konferenzzentrum in Mekka.

Sein Partner Frei Otto, der selbst für das organische, der Natur nachempfundene Bauen steht, hat über den 1999 verstorbenen Gutbrod gesagt: „Die Qualität seiner Bauten ... liegt in der unübertroffenen Meisterschaft, für Menschen Erlebnisbereiche zu schaffen, sie sanft zu leiten und ihnen dabei größtmögliche Entscheidungsfreiheiten einzuräumen. Insofern praktiziert Gutbrod Demokratie im Bauen.“So machte denn auch das Landesdenkmalamt seine Entscheidung, das Gebäude unter Schutz zu stellen, an architekturgeschichtlichen Gründen und am dokumentarischen wie exemplarischen Wert des Heizhauses fest.

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