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Montag, 11. Dezember 2017

Engagement und Demokratie als Lebensform

Voraussetzungen für eine zivile und zukunftsfähige Gesellschaft: Im Herbst 2017 luden Landratsamt Bodenseekreis und Stadt Friedrichshafen einen Wissenschaftler zur gemeinsamen Veranstaltung ins Graf-Zeppelin-Haus ein. Engagierte, Fachkräfe und Interessierte kamen zum Vortrag von Professor Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg zum Thema „Engagement und Demokratie als Lebensform“ und erfuhren Wissenswertes über aktuelle Entwicklungen und die Wechselwirkung von Bürgerschaftlichem Engagement und Gesellschaft.

Nach einer Darstellung des Status Quo, also unter anderem wie Engagement aussehen kann und wer sich engagiert, sowie einem Exkurs in verschiedene statistische Erhebungen zeigte Professor Klie auf, wie Engagement Sichtweisen verändert. Er führte die rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer durch Informationen über beeinflussende Komponenten und nannte die Indikatoren für zivilgesellschaftliche Strukturen und zivilgesellschaftliches Engagement: Gewaltfreiheit, Rechtsstaatlichkeit, Partizipation, Gerechtigkeit und sozialer Ausgleich sowie Offenheit und Toleranz. Alle diese Indikatoren müssten strukturell vorhanden sein als Grundlage für zivilgesellschaftliches Engagement. Ein Wegfall nur eines dieser Indikatoren würde bedeuten, dass Engagement geschwächt oder gar nicht mehr stattfinden würde.  

Vor allem an die Fachkräfte unter den Zuhörern gerichtet, betonte er, dass man Engagement nicht mit bloßer Vermittlungstätigkeit fördere, vielmehr sei es eine Sozialisationsaufgabe. Es gehe nicht ums Akquirieren, sondern um „Schürfarbeit“. Engagementförderung sollte primär im Quartier angesetzt werden. Er widersprach jedoch einer gängigen Meinung, dass Engagement rückläufig sei, es gebe hingegen eine extreme Zunahme an Vereinsgründungen und auch projektbezogenes Engagement gelte es zu berücksichtigen. Menschen in besonderen Lebenslagen wären schwer für ein Engagement zu gewinnen, da diese Lebenslagen oft mit Demütigungserfahrungen einhergehen, was tödlich für jedes Engagement sei.

Der Vortrag machte deutlich, dass freiwilliges Engagement und politische Partizipation zusammengehören, denn die Auswirkungen von politischen Prozessen bekommt man am unmittelbarsten im eigenen Lebensraum zu spüren, und das umso mehr, wenn man sich – so wie es Engagierte tun – auch mit den Interessen anderer auseinandersetzt und sich Werten bewusst ist, wie Toleranz, Gleichwertigkeit und Menschenrechte. So sind Ausdruck einer guten Gesellschaft Attribute wie: demokratisch, gerecht, offen, rechtsstaatlich und zivil. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, dann haben wir mehr Engagierte, auch anders Engagierte, einen höheren Bildungsstand und ein längeres Leben.

Professor Klie stellte außerdem den Begriff „Sorge“ in den Mittelpunkt und nannte hierzu namhafte Persönlichkeiten, die sich damit auseinandergesetzt haben im Sinne einer Grundhaltung, von der jedes Gemeinwesen lebt:

 

  • Aristoteles: „Von der Sorge um das Leben und das Selbst zur Sorge um die Welt.“ – als  vorausschauende Anteilnahme des Menschen an seiner Umwelt und sich selbst.

  • Albert Camus: „Die einfache Sorge ist aller Dinge Anfang.“ – Also die Sorge um den anderen und das Glück des anderen als zentrale Dimension der Existenz.

  • Hannah Arendt: Die soziale und gesellschaftliche Bezogenheit des Menschen gehört zum Kern menschlicher Existenz.

  • Andreas Kruse: Wer seine Person gestaltet, dessen Leben wird wahr (Selbstverantwortlichkeit). Wer sein Land mitgestaltet, dessen Leben wird ganz (Mitverantwortlichkeit).


Der Referent fasste diese Aussagen mit seinen eigenen Worten zusammen: „Mit Engagement verteidigt man seine eigene Vorstellung von gutem Leben, nicht nur für sich, sondern für alle. In einem Ort, in dem es allen gut geht, geht es mir auch gut.“ Er stellte die Frage in den Raum, ob eine sogenannte „Caring Community“ ein Leitbild sein könnte, und empfahl unter anderem eine örtliche Diskussion über die Gestaltung des demographischen Wandels, eine Offenheit gegenüber neuen zivilgesellschaftlichen Perspektiven der Sorge und ihre kreative und innovative Gestaltung – subsidiär gedacht und politisch verortet. Subsidiarität setze jedoch voraus, „dass eine übergreifende Gesamtaufgabe auf eine Vielfalt von Akteuren und Trägern verteilt ist, die sich ergänzen, um zur Erfüllung der Gesamtaufgabe das ihnen Gemäße beizutragen.“ Er betonte, wie wichtig Engagementförderung vor diesem Hintergrund in den Kommunen sei. Aufgabe der Kommunen sei es, entsprechende Infrastrukturen zu installieren.

Als eine große Herausforderung für das Engagement und für die Gesellschaft nannte Professor Klie die Ökonomisierung, die Interkulturalität, die sozialen Unterschiede und die Digitalisierung.


Der Referent

Prof. Dr. habil. Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg ist Leiter des Zentrums für Zivilgesellschaftliche Entwicklung (zze) in Freiburg und Berlin. Als Kompetenzzentrum für Bürgerschaftliches Engagement unterstützt es Bund, Länder und Kommunen, den Dritten Sektor und andere Organisationen durch unabhängige Forschung.

Weitere Informationen

www.bodenseekreis.de/buergerschaftliches-engagement
www.engagement.friedrichshafen.de


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Service

www.engagement.friedrichshafen.de

Kontakt:

Koordinierungsstelle Bürgerschaftliches Engagement
Adenauerplatz 1
88045 Friedrichshafen
Tel.: +49 7541 203-1006
E-Mail: a.eberhard(at)friedrichshafen.de
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