Montag, 22. März 2021

Peter Fischerkeller geht von der GZH-Bühne

Nach 35 Jahren im Graf-Zeppelin-Haus geht Peter Fischerkeller, Technischer Leiter, Ende März in den Ruhestand.
Mann auf einer Bühne

1984 stand Peter Fischerkeller noch vor der Baugrube am See und schimpfte – wie viele andere – über das Bürgerhaus, dass dort entstehen sollte. Ein Jahr später arbeitete er genau dort und für dieses Haus, das ihn dann doch begeisterte. Und das tut es bis heute: „Das Graf-Zeppelin-Haus ist eines der schönsten Kultur- und Kongresshäuser, die ich kenne. Hier passt einfach alles: Das Team und die Technik, Ambiente und Architektur“, schwärmt er kurz vor seinem Ruhestand. „Ich bin stolz darauf, hier arbeiten zu dürfen.“

Eingestellt wurde Peter Fischerkeller 1985 als Haustechniker, gesucht wurde damals laut Stellenanzeige ein Schreiner, gelernt hat Fischerkeller Zimmermann. Eingestellt wurde er trotzdem, ein halbes Jahr vor der Eröffnung. „Hinterher verriet man mir: Weil ich den wildesten Lebenslauf von allen hatte.“ Man fand wohl, dass so einer gut in den Job passen würde. Eine gute Entscheidung, wie sich rasch herausstellte: Fischerkeller kümmerte sich mit um die Erstausstattung des Hauses, kennt bald jeden Winkel und jedes Möbelstück, jedes Kabel. Und zählt auf: „Wir haben das Haus mit 4.000 Stühlen und 700 Tischen ausgestattet, 900 Schließzylinder eingebaut, Technik und Gastronomie eingerichtet und das Lager aufgebaut.“ 2010 wurde ein komplettes Datennetzwerk eingebaut, rund 600 Kilometer Kabel wurden dafür im Haus verlegt. 2011 kam die Drehbühne, 2015 WLAN im ganzen Haus, 2019 und 2020 wurde die Lüftung erneuert, seit 2020 läuft die Sanierung der Tiefgarage. Schnell wird klar: Fischerkeller ist ein Team-Player: „Das Graf-Zeppelin-Haus war und ist eine Team-Leistung.“ Seit Anfang Januar arbeitet er seinen Nachfolger Christian Raeder ein.

Das Haus und seine vielfältigen Anforderungen hat Fischerkeller immer gefordert, die Stadt hat ihn zudem gefördert: 1996 machte Fischerkeller eine Ausbildung zum Bühnenmeister, 1997 folgte die Ausbildung zum Beleuchtungsmeister. Von 1997 bis 2014 war er stellvertretender Technischer Leiter, ab 2014 schließlich Technischer Leiter. Und als ob das nicht genug wäre, hat er „nebenbei“ noch beim Kulturufer von 2012 bis 2019 die technische Leitung übernommen. Langeweile kennt Fischerkeller also nicht. Betont aber mit Blick auf den nahen Ruhestand: „Und jetzt nehme ich mir mehr Zeit für meine Frau und meine zwei Enkel, ich habe einen Hund, sechs Alpakas auf der Wiese, ein Wohnmobil, das bewegt werden möchte und gehe gerne zum Wandern.“ Langeweile wird es also für den 63-Jährigen auch ab April nicht geben.

Zurückblicken kann er dann nicht nur auf ein erfülltes und erfolgreiches Berufsleben, sondern auch auf viele persönliche Höhepunkte, spannende Entwicklungen des Hauses und unzählige Anekdoten: Er hat große Produktionen mit Stars wie Anne-Sophie Mutter und Nigel Kennedy begleitet. Freddy Quinn hat ihn nach seinem Auftritt in der Garderobe aufgefordert: „Na, Junge, trinken wir noch ein Bier zusammen.“ Es wurden dann zwei oder drei. Es war der letzte Auftritt von Freddy Quinn in Friedrichshafen und einer der letzten in seiner Karriere. Reinhard Mey wollte ohne seinen erkrankten Bodyguard im GZH keine Autogramme geben, stellte dann aber fest: „Wenn Sie sich hinter mich stellen, gebe ich auch Autogramme.“ Also baute sich der rund 2-Meter-Mann Fischerkeller hinter Mey auf und setzte sein grimmigstes Gesicht auf.

Aber auch auf Fasnetsveranstaltungen, Bälle, große Kongresse, Seminare und Messen, Tanzturniere, Eigenproduktionen des Musiktheaters und politische Veranstaltungen blickt Fischerkeller gerne zurück. Angela Merkel und Wolfgang Schäuble waren da, Peter Altmaier, Winfried Kretschmann und viele mehr.

Eigentlich sollte Peter Fischerkeller mit einem schönen Fest aus dem Team verabschiedet werden. Matthias Klingler, Leiter des Graf-Zeppelin-Hauses, will das nachholen, wenn es wieder möglich ist. Und betont: „Peter Fischerkeller hat sich mit dem Haus identifiziert, von unseren Kunden und unserem Team kommt höchste Wertschätzung und Anerkennung. Und er ist dabei bodenständig, charismatisch, professionell und – ganz wichtig in unserer Branche – gelassen.“ Ende März wird er dann also den Stab übergeben. Ganz gelassen.