Fragen und Antworten

Alles Wichtige zur Verunreinigung beim Freizeitgelände Manzell.

Am späten Mittwochnachmittag, 24. Juli, wurde die Stadt Friedrichshafen vom Gesundheitsamt des Landratsamtes Bodenseekreis darüber informiert, dass sich mehrere Anrufer gemeldet hatten, die nach dem Baden im Bodensee vor dem Freizeitgelände Manzell über Durchfall und Erbrechen klagten. Die Stadt hat sofort ein Badeverbot ausgesprochen – zum Schutz der Gesundheit und um weitere Erkrankungen zu verhindern. Das noch am Mittwoch, 24. Juli, ausgesprochene Badeverbot konnte am Freitag, 2. August, aufgehoben werden.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Ein Fremdkörper aus Kunststoff, derwie andere Abfälle nicht über die Kanalisation entsorgt werden darf, hatte einen Kanal beim Regenüberlaufbecken RÜB4 verstopft. Daher konnte das Abwasser und Regenwasser aus dem zugehörigen Mischkanalsystem nicht oder nur stark gedrosselt wie vorgesehen in Richtung Klärwerk abfließen. Als das Becken vollgestaut war, ging das gestaute Abwasser über den Überlauf des RÜB in den Buchenbach und den Bodensee.

Die Stadtverwaltung der Stadt Friedrichshafen wurde am späten Mittwochnachmittag, 24. Juli, vom Gesundheitsamt des Landratsamtes Bodenseekreis darüber informiert, dass sich dort mehrere Anrufer gemeldet hatten, die nach dem Baden im Bodensee vor dem Freizeitgelände Manzell über Durchfall und Erbrechen klagten. Die Stadtverwaltung ist daraufhin sofort tätig geworden und hat die Lage vor Ort geprüft und festgestellt, dass aus dem Buchenbach zu diesem Zeitpunkt dunkles, schlecht riechendes Wasser in den Bodensee floss. Daraufhin haben Mitarbeiter der Feuerwehr Friedrichshafen vorsorglich den Uferbereich des Freizeitgeländes abgesperrt und Wasserproben entnommen.

Die Stadtverwaltung hat sofort am Mittwochabend, 24. Juli, ein Badeverbot für den Bereich Freizeitgelände Manzell ausgesprochen. Die sich dort im Wasser teilweise noch aufhaltenden Menschen wurden aufgefordert, das Wasser zu verlassen. Die Stadt forderte außerdem die Wasserschutzpolizei und das Wasserwirtschaftsamt an, damit diese die Ursachenermittlung gemeinsam mit der Stadt aufnehmen. Noch am späten Mittwochabend weitete die Stadt in Abstimmung mit Landratsamt und Wasserschutzpolizei das Badeverbot auf den angrenzenden Naturstrand und den Strand vor dem Frei- und Seebad in Fischbach aus. Das Badeverbot wurde auch über die Warnapp NINA bekannt gegeben.

Nachdem am Donnerstagvormittag auch Meldungen von Badegästen aus dem Frei- und Seebad Fischbach über gesundheitliche Beschwerden eingingen, wurde vorsorglich das Badeverbot ausgeweitet bis zur Einmündung der Brunnisach im Hafen von Fischbach. Am Montag wurde das Badeverbot verlängert bis Freitag, 2. August. Es galt von der Buchenbach-Mündung bis zur Brunnisach-Mündung in Fischbach und umfasste damit das Freizeitgelände Manzell, den Naturstrand und den Strand des Frei- und Seebades Fischbach sowie weitere öffentlich erreichbare Seezugänge, die als Badeplätze genutzt werden. Stadt Friedrichshafen und das Gesundheitsamt des Bodenseekreises haben außerdem im Bereich Seemooser Horn, in dem auch das PSG-/ZU-Gelände liegt, empfohlen, auf das Baden zu verzichten.

Am Dienstag, 30. Juli und Mittwoch, 31. Juli sind durch das Gesundheitsamt, Landratsamt Bodenseekreis, im betroffenen Uferabschnitt an jeweils vier Stellen Wasserproben entnommen und direkt per Kurier zur Analyse ins Landesgesundheitsamt nach Stuttgart gebracht worden. Untersucht wird dort nach EU-Standard auf die Indikatorkeime E.Coli und iEnterokokken.

Die Laborproben des Badewassers in diesem Bereich vom Dienstag und Mittwoch, 30. und 31. Juli, ergaben Werte deutlich unterhalb der Grenzwerte nach EU-Badewasserrichtlinie. Das Gesundheitsamt des Bodenseekreises bewertet das Badewasser im Umfeld des Buchenbachs deshalb nun wieder als unbedenklich. Die Stadt Friedrichshafen und das Gesundheitsamt haben sich am Freitagnachmittag, 2. August 2019 darauf verständigt, das seit über einer Woche geltende Badeverbot zwischen Hafen Fischbach und Buchenbachmündung aufzuheben.

Am Bodenseeufer bei Friedrichshafen-Manzell und Fischbach kann ab sofort wieder gebadet werden.

Seit wann die Verstopfung vorlag, lässt sich – zumindest derzeit – nicht sagen. Auch nicht, ab welchem Zeitpunkt und in welcher Menge Abwasser in den Buchenbach überlief. Ob aufgrund der polizeilichen Ermittlungen genauere Angaben gemacht werden können, ist noch offen.

Am Mittwochabend gegen 20.30 Uhr wurde der Bereitschaftsdienst der städtischen Baubetriebe über die Probleme der Gewässerverunreinigung im Bereich des Buchenbachs beim Regenüberlaufbecken RÜB4 informiert. Der Bereitschaftsdienst hat daraufhin veranlasst, dass der Kanal gespült wird. Das Kanalspülfahrzeug traf gegen 21.45 Uhr beim RÜB4 ein. Die als Sofortmaßnahme eingeleitete Spülung des Drossel-Auslasskanals sorgte dafür, dass keine weiteren Abwässer mehr über den Überlauf in Buchenbach und See gelangen konnten. Am Donnerstag wurde nach der Ursache gesucht und das Regenüberlaufbecken vollständig entleert, sodass am Freitagvormittag das Kunststoffteil im Drossel-Auslasskanal identifiziert und mit Druckspülung gegen die Fließrichtung herausgespült und von der Polizei sichergestellt werden konnte.

Entsprechend der Eigenkontrollverordnung (EKVO) des Ministeriums für Umwelt und Verkehr wurde das Regenüberlaufbecken alle zwei Monate kontrolliert.  Die letzte Kontrolle vor dem aktuellen Schadensereignis war am 24.06.2019.

Die Stadtverwaltung hat festgelegt, dass bis zum Ende der Badesaison, mindestens bis 13.10.2019, eine wöchentliche Kontrolle des RÜB4 und seiner Zu- und Abläufe stattfindet.  Zusätzlich werden wie bisher nach Starkregenereignissen Kontrollen durchgeführt. Die Kontrollen werden dokumentiert.

Von Starkregen spricht man, wenn es in kurzer Zeit und lokal begrenzt intensiv regnet. Der Deutsche Wetterdienst spricht von Starkregen bzw. auch Starkniederschlag, wenn in einer Stunde mehr als 10 mm bzw. in 6 Stunden mehr als 20 mm Regen fallen (Quelle: https://www.hochwasser.baden-wuerttemberg.de/starkregen)

Laut den Niederschlagsaufzeichnungen am städtischen Betriebshof in der Rheinstraße und auch den Aufzeichnungen der privaten Wetterstation www.seemooswetter.de gab es am 21. Juli 2019 kein Starkregenereignis. Unsere Messung wies 6 mm aus. Seemooswetter verzeichnet 4,3 mm für den 21.07.2019 aus (die dort ausgewiesenen 4,3 Liter/qm entsprechen 4,3 mm).

Mit Baubeschluss des Gemeinderats vom 14.12.2015 wurde von der Stadt die Ausführungsplanung begonnen und im Anschluss ausgeschrieben. Submission (Angebotseröffnung) war am 03.06.2016. Es wurden zwei Gewerke ausgeschrieben: Für Los 1 (u. a. Elektrotechnik) gingen fünf Angebote ein. Das günstigste lag 176 % über der Kostenberechnung. Für Los 2 (Betonarbeiten/Maschinentechnik) lag nur ein Angebot vor, dieses lag 284 % über der Kostenberechnung. Daher wurden zunächst die Regenüberlaufbecken 7 und 5 umgebaut, für die bessere Ausschreibungsergebnisse vorlagen. RÜB7 liegt oberhalb des Strandbades im Bereich des Parkplatzes, RÜB5 liegt im Bereich der Möwenstraße und damit oberhalb des Zeltlagers Seemoos.

Der Umbau von RÜB4 ist für 2020 vorgesehen: Derzeit bereitet die Stadt die erneute Ausschreibung für den Umbau des Regenüberlaufbeckens RÜB4 vor, um diese dann im September – also nach den Handwerkerferien – zu veröffentlichen. Eine Vergabe kann dann im Herbst erfolgen, sodass ein Umbau des RÜB im Frühjahr 2020 erfolgen könnte. Dann sind alle Regenüberlaufbecken der städtischen Kanalisation mit elektronischer Messtechnik ausgerüstet.

Laut der Zeitschrift „Die Gemeinde“ (Heft 13/2019), die der Gemeindetag Baden-Württemberg herausgibt, sind in Baden-Württemberg erst etwa 50 Prozent aller Regenüberlaufbecken mit Messtechnik ausgestattet, eine gesetzliche Pflicht für elektronische Messtechnik gibt es nicht. Aus einem Erlass des Umweltministeriums Baden-Württemberg vom 2. Juli 2018 zitiert „Die Gemeinde“: „Darin werden für die zuständigen Wasserbehörden als Kernpunkte für den wasserwirtschaftlichen Vollzug die Vorgaben festgelegt, 1. dass bis Ende 2020 alle ausstehenden Konzeptionen für die Nachrüstung in Betrieb befindlicher Regenüberlaufbecken mit Messeinrichtungen zur Erfassung des Überlauf- und Einstauverhaltens abgeschlossen werden. (…) 2. dass alle Regenüberlaufbecken stufenweise bis zum 31. Dezember 2024 mit Messeinrichtungen nachgerüstet werden sollen (…)“

In Friedrichshafen sind bereits elf von zwölf Becken mit elektronischer Messtechnik ausgestattet. Leider ist die Verstopfung bei dem einzigen noch nicht mit Messtechnik ausgerüsteten Becken aufgetreten. Wir bedauern das natürlich, weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass auch ohne die elektronische Messtechnik das Regenüberlaufbecken RÜB4 dem derzeitigen Stand der Technik entspricht, eine entsprechende wasserrechtliche Erlaubnis des Landratsamtes bis 31.12.2020 liegt der Stadt vor.

Ein Regenüberlaufbecken dient dazu, die Kläranlage und die nachfolgende Kanalisation vor Überlastung im Regenfall zu schützen. Ein Regenüberlaufbecken stellt also einen Puffer dar. Ist das Becken – in der Regel aufgrund eines Starkregenereignisses – komplett gefüllt, dann kommt es zum sogenannten Entlastungsereignis. Das heißt, dass das dann in der Regel stark verdünnte Abwasser über einen Überlauf direkt in ein Gewässer oder in einen Retentionsbodenfilter zur Versickerung eingeleitet wird.

Der Laborbefund der Wasserprobe, die am Montag, 22. Juli – also zwei Tage vor Bekanntwerden der Verstopfung – am Manzeller Freizeitgelände vom Landratsamt Bodenseekreis turnusgemäß gezogen worden war und am Donnerstag, 25. Juli vorlag, ergab Werte an E.coli oder Enterokokken unterhalb der Grenzwerte nach EU-Badegewässerverordnung.

Die badewasserhygienischen Proben vom Donnerstag, 25. Juli, haben etwa um das zehnfache gegenüber dem Grenzwert erhöhte Werte für E.Coli im Bereich des Manzeller Freizeitgeländes ergeben. Die Wasserwerte am Strandbereich des Frei- und Seebades Fischbach waren am Donnerstag deutlich unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte.

Die Laborergebnisse der chemischen Untersuchung diverser Wasserproben, die Feuerwehr, Wasserschutzpolizei und Amt für Wasser- und Bodenschutz am Mittwoch und Donnerstag, 24. und 25. Juli, im Umfeld des Buchenbachs entnommen lagen am Mittwoch 31. Juli vor. Untersucht wurden die Abwasser-typischen Parameter Ammoniumstickstoff, chemischer Sauerstoffbedarf, Phosphat, Nitrit, Nitrat und anorganischer Stickstoff. Die Ergebnisse zeigen erwartungsgemäß deutlich erhöhte Werte zum Zeitpunkt, als Kanalisationswasser über den Buchenbach in den See geflossen ist. Am Donnerstag, 25. Juli, also nachdem die Verstopfung beseitigt worden und der Bachauslauf gespült worden war, lagen alle Parameter deutlich unterhalb dessen was als Kläranlagenauslauf zulässig ist bzw. sogar im Bereich der Nachweisgrenze.

Die Laborproben des Badewassers vom Dienstag und Mittwoch, 30. und 31. Juli 2019, ergaben Werte deutlich unterhalb der Grenzwerte nach EU-Badewasserrichtlinie. Das Gesundheitsamt des Bodenseekreises bewertet das Badewasser im Umfeld des Buchenbachs deshalb aktuell als gut. Bei allen Proben vom Uferbereich, der vom Badeverbot betroffen war, lagen die Werte deutlich unterhalb der Grenzwerte, teilweise sogar unterhalb der Nachweisgrenze. Gänzlich keimfreie natürliche Badegewässer gibt es jedoch nicht.

Die Proben wurden zusätzlich zu den regelmäßig kontrollierten offiziellen Strandbereichen des Freizeitgeländes Manzell und des Seebades Fischbach auch im unmittelbaren Mündungsbereich des Buchenbachs sowie östlich davon am Strand des Vereins Postsportgruppe am Seemooser Horn entnommen.

Der Grenzwert für E.Coli liegt bei 1.800 MPN/100ml.

Der Grenzwert für iEnterokokken liegt bei 700 MPN/100ml. (MPN steht für Most Probable Number und ist die international gültige Messeinheit für Keime)

Die gemessenen Werte – E.Coli und iEnt. (MPN/100ml):

Dienstag, 30.7.19

  • Seebad Fischbach: 61 und unter 15
  • Freizeitgelände Manzell: 45 und 15
  • Mündung Buchenbach: 251 und 61
  • PSG-Strand, Seemooser Horn: unter 15 und unter 15

Mittwoch, 31.7.19

  • Seebad Fischbach: 61 und 15
  • Freizeitgelände Manzell: 77 und unter 15
  • Mündung Buchenbach: 160 und unter 15
  • PSG-Strand, Seemooser Horn: unter 15 und unter 15

Das Gesundheitsamt hat die Arztpraxen und Krankenhäuser in der Region mit einer Schnellinformation auf die Situation hingewiesen. Die Mediziner wurden gebeten, Verdachtsfälle labordiagnostisch abklären zu lassen. Damit will die Gesundheitsbehörde Hinweise auf den Erreger erhalten.

Bis Donnerstag, 1. August lagen dem Gesundheitsamt etwa 230 Meldungen vor. Die Betroffenen klagen über Erbrechen und Durchfall. Außerdem liegen fünf Norovirus-Befunde vor sowie ein Fall von Salmonellenvergiftung, der aber nicht eindeutig zugeordnet werden kann.

Das Gesundheitsamt des Landratsamtes Bodenseekreis weist darauf hin, dass nach Starkregenereignissen grundsätzlich damit zu rechnen ist, dass die Oberflächengewässer eine erhöhte Keim- und Schmutzfracht haben können. Der Grund ist, dass belastetes Wasser von landwirtschaftlichen Nutzflächen sowie überlaufender Kanalisation in die Bäche, Flüsse und auch den Bodensee gelangen können. Daher raten die Behörden grundsätzlich vom Baden in betroffenen Gewässern innerhalb eines Zeitraums von ein bis zwei Tagen nach solchen Starkregenereignissen ab.

Betroffene können sich an das Gesundheitsamt, Landratsamt Bodenseekreis, wenden, Tel. 07541 204 5841, E-Mail gesundheitsamt@bodenseekreis.de.

Eine Übersicht aller Badeplätze in Baden-Württemberg sowie die Qualität des Badewassers gibt es unter https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/wasser/liste-der-ueberwachten-badestellen