Donnerstag, 07. November 2019

Stadt verbessert Baumstandorte

Bäume liefern einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Grundsätzlich gilt: Je älter und größer ein Baum ist, desto größer ist sein umweltbiologischer Nutzen. Die Stadt will deshalb die Bäume unterstützen, indem sie das Lebensumfeld verbessert.
Baum mit viel Erdreich
Bäume liefern einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Die Stadt will deshalb die Bäume unterstützen, indem sie das Lebensumfeld verbessert.

Auch Bäume brauchen Luft. Deshalb sind derzeit Mitarbeiter einer Fachfirma im Auftrag des Stadtbauamtes der Stadt Friedrichshafen unterwegs, in der Innenstadt Bäume zu belüften. „Die sogenannte „Injektionstechnik“ hilft, dass die Bäume im Wurzelbereich wieder besser atmen und Oberflächenwasser aufnehmen können“, so Werner Leisling. Ihm ist es ein großes Anliegen, Baumstandorte zu vergrößern, die man in der Vergangenheit für den Verkehr mit Beton und Stahlabdeckungen zu sehr versiegelt hat.

„Stadtbäume kämpfen mit einer Vielzahl negativer Einflüsse. Trittbelastung und Fahrzeugverkehr verdichten die oft zu kleinen Baumstandorte in der Stadt, starke Sonneneinstrahlung heizt die Belagsflächen um die Bäume auf und die abstrahlende Hitze bedeutet für den Baum Hitzestress“, erklärt Wolfgang Kübler, Leiter des Stadtbauamtes.

In den verdichteten Wurzelbereichen kann der Baum nicht „atmen“ und nur erschwert Oberflächenwasser aufnehmen. Dadurch ersticken Feinwurzeln, die für die Wasser- und Mineralienaufnahme des Baumes sorgen. Sichtbar wird dies an der Baumkrone durch einen atypischen Kronenaufbau mit einem verkümmernden Leittrieb, stärker wachsenden Seitentrieben und der Bildung einer Art Trichterkrone, eine kahle und vergreisende Krone, sowie der Ausbildung kleinerer Blätter und vorzeitigem Blattfall.

„Dadurch kann sich der Baum weniger anpassen. Der Baum wird zusehends schwächer und anfälliger für Krankheiten. Äste, die nicht mehr versorgt werden können, trocknen ab und müssen entfernt werden“, erläutert Leisling.

Effektive Verbesserung der Lebensbedingungen

„Mit der innovativen Injektionstechnik wollen wir die städtischen Bäume bestmöglich pflegen und schützen, um einen nachhaltig vitalen Baumbestand in Friedrichshafen zu erhalten“, so Werner Leisling.

Um dem Baum zu helfen, wird bei der Injektionstechnik der Wurzelbereich belüftet. Mit einer Druckluft-Injektionslanze werden im Wurzelbereich des Baumes mehrere, etwa 60 Zentimeter tiefe, senkrechte Kanäle erzeugt. Vorsichtig wird Luft in das Wurzelwerk eingeblasen, wodurch verdichtete Schichten aufgelockert werden. Die entstandenen Kanäle werden mit Granulat verfüllt, um sie für die Atmung des Baumes und zur Aufnahme von Wasser offen zu halten. Zusätzlich werden Mineralstoffe, Spurenelemente und wasserspeichernde Stoffe eingebracht.

Für die genaue Berechnung der Düngermenge wird der PH-Wert am Baumstandort bestimmt und werden Bodenproben genommen. Der PH-Wert sollte bei Bäumen für eine optimale Nährstoffaufnahme bei 5,5 bis 6,5 liegen. Dies wird bei der Düngerzusammenstellung berücksichtigt.

Auch die Bäume im Uferpark, deren Wurzelbereiche nach den Uferfesten durch Trittbelastung verdichtet sind, werden durch dieses Verfahren behandelt. Für eine große Buche sind zirka 70 Kavernen (Hohlräume) nötig.

Bereits an 36 Stellen im Stadtgebiet wurde außerdem das direkte Umfeld der Bäume entsiegelt. Leisling nennt hier Bäume in der Charlottenstraße, der Werastraße, beim Lammgarten, beim C&A sowie bei der Commerzbank, auf dem Buchhornplatz, bei der Unterführung „Mausloch“ und in der Seestraße.

Dabei wird der gesamte Beton im Wurzelbereich des Baumes, welcher den Wurzeln das Wasser entzieht, mitsamt der Gussstahlabdeckung entfernt und eine offene, bis oben mit Baumsubstrat verfüllte Baumscheibe hergestellt. Der Baum kann nun wieder atmen und auch Waser aufnehmen. Damit wird auch verhindert, dass wie bisher bei starker Sonneneinstrahlung die Gussstahl-Abdeckungen aufheizen und ihre Wärme an den Wurzelbereich abgeben.

Alle Maßnahmen, die Entsiegelung der Wurzelbereiche, die Verwendung von Baumsubstraten und die regelmäßige Anwendung der Belüftungstechnik mit einer baumspezifischen Düngung sollen den Bäumen in der Innenstadt helfen, sich an die Klimaerwärmung besser anpassen zu können.