Dienstag, 27. April 2021

Rückepferd hilft beim Abtransport der Baumstämme

„Komm Lee“ ruft Forstingenieur Johannes Eisele von der Firma Rossnatour dem Pferd zu. Das mächtige Pferd setzt sich daraufhin in Bewegung.
Pferd zieht zwei Holzstämme, Mann führt Pferd
Ein eingespieltes Team: Rückepferd Lee und Johannes Eisele ziehen Holzstämme aus dem Wald.

Lee wiegt 750 Kilogramm, ist elf Jahre alt und ist ein brauner Schwarzwälder Kaltblüter. Seine Besitzerin, Christel Erz und Johannes Eisele kommen von der Schwäbischen Alb, um mit ihrem Pferd Rückearbeiten im Stadtwald zu erledigen.
Lee zieht die Baumstämme über den unebenen Waldboden weiter bis zur nächsten Gasse, damit sie dort der Forwarder aufsammeln kann. Auch Johannes Eisele, der das Pferd von hinten mit zwei Leinen lenkt, muss aufpassen, dass er sich nicht verletzt. Pro Tag sind Mensch und Tier bis zu sieben Stunden im Einsatz. Dabei achten Christel Erz und Johannes Eisele genau darauf, dass das Pferd nicht überfordert wird. Kleine Pausen nutzte Lee sofort, um ein paar grüne Grashalme zu fressen.

Der Borkenkäfer und das Eschentriebsterben bereiten derzeit vielen Waldbeständen mit hohen Anteilen an Fichte und Esche, wie wir sie häufig im Friedrichshafener Raum antreffen, ein frühzeitiges Ende. „Aus Waldschutzgründen müssen vom Borkenkäfer befallene Fichten frühzeitig aufgearbeitet werden, um die Ausbreitung auf angrenzende Bestände zu verhindern“, erklärt Revierleiterin Karin Beer.

Im Stadtwald lag der Fichtenanteil 2017 noch bei fast 30 Prozent. In den letzten, von Trockenheit geprägten Jahren, musste bereits in viele Waldbestände großflächig eingegriffen werden, wodurch sich der Fichtenanteil reduziert haben dürfte.
„Im Stadtwald sollen ungeplante Eingriffe grundsätzlich so gering wie möglich gehalten werden. Hierfür werden die Restbestände an Fichten besonders häufig und sorgfältig kontrolliert“, so Beer. Der noch bestehende Anteil an Fichten soll so lang wie möglich gehalten werden. Für die Entwicklung der einst gepflanzten Bäume, hin zu stabilen und vitalen Individuen, die einer nachkommenden Generation noch lange Schutz bietet, bedarf es regelmäßig auch der Entnahme einzelner gesunder Bäume.

Im PEFC-zertifizierten Stadtwald Friedrichshafen werden bei der Entnahme von geschädigten Bäumen und regulären Holzentnahmen immer standortangepasste boden- und bestandsschonende Verfahren angewendet.

Für die Beseitigung von Käferholz kommen derzeit Rückepferde in verschiedenen Abteilungen im Stadtwald Friedrichshafen zum Einsatz. Die von der Revierleitung des Stadtwaldes gekennzeichneten Bäume wurden von Forstwirten mit der Motorsäge gefällt, der Transport zum Lagerort erfolgt im Anschluss durch Rückepferde und ein Rückefahrzeug.

Durch die Kombination der Verfahren können tiefe Fahrspuren an den teilweise nassen Rückegassen im Seewald vermieden werden. Durch die Unterstützung des Rückeschleppers wird zudem die Arbeitsbelastung für das Rückepferd auf ein notwendiges Maß reduziert.

„Im Distrikt Weilerholz erproben wir den Einsatz des Rückepferds für den Transport von schwächerem Käferholz mit langem Lieferweg“, erklärt die Revierleiterin.

Die Vorbereitung und Koordination solcher speziellen Verfahren benötigen einen höheren Arbeitsaufwand und bedürfen eines besonderen Geschicks der eingesetzten Unternehmer. Im Sinne einer möglichst nachhaltigen und ganzheitlichen Waldbewirtschaftung wird bei der Bewirtschaftung des Stadtwaldes stets versucht, die Belange des Naturschutzes sowie die besondere Bedeutung des Waldes im Stadtgebiet Friedrichshafen für die Erholung, als auch soziale Aspekte möglichst zu erfüllen.


Information:
Die PEFC-Zertifizierung bestätigt, dass Wälder auf nachhaltige Weise und gemäß strengen Standards bewirtschaftet werden. Sie ist ein Beweis dafür, dass Holz aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt.