Andrea Gebhard: Die Welt befindet sich im Wandel

In der Vortragsreihe „Standpunkte“ sprach Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin zum Thema „Den Wandel gestalten – Starke Strukturen und Aufenthaltsqualitäten“.

Andrea Gebhard ist Gründungsmitglied des 2019 ins Leben gerufenen Beirates für Architektur und Stadtgestaltung der Stadt Friedrichshafen und begleitete die Stadt in dieser Funktion bis 2022.

„Die Welt befindet sich im Wandel. Dies ist gerade besonders spürbar und dürfte für jeden von uns außer Frage stehen“, so Andrea Gebhard. Wie sich dieser Wandel gestalten lässt, so Gebhard, dazu gibt es viele verschiedene Ansätze und nicht immer Einigkeit. In diesem Kontext wird eine Berufssparte, die lange um Akzeptanz kämpfen musste, immer wichtiger: Die Landschaftsarchitektur.

In dem Vortrag „Den Wandel gestalten – Starke Strukturen und Aufenthaltsqualitäten“ beschrieb Gebhard ihre Auffassung von Landschaftsplanung und Stadtarchitektur und wie das Interagieren und Ineinandergreifen von Stadt und Landschaft gestaltet werden kann.

Sie richtete den Blick auf etwas, was schon immer da war: die Landschaft. Unsere Landschaft ist die Basis der Raumentwicklung und allem, was daraus erwächst. Die Landschaftsarchitektur muss deshalb alles, was das menschliche Leben ausmacht, einbeziehen. Andrea Gebhard spannte den Bogen über die Rahmenbedingungen im großmaßstäblichen Bereich bis zur Detailüberlegung, von der Landesplanung bis zur Materialauswahl. Dabei erklärte sie, wie der Wandel in jedem einzelnen Betrachtungsrahmen gestaltet werden kann.

Wie man den vielfältigen Problemen wie zu hoher Flächenverbrauch, Klimawandel, schlechtes Mikroklima und der Überhitzung in den Städten entgegenwirken kann, zeigte sie am Beispiel von Regensburg und München. Durch eine integrative Planung unter Berücksichtigung vieler verschiedener Faktoren entstehen in der Stadt eine höhere Lebensqualität und nutzbare Freiräume. So können auch die Auswirkungen des Klimawandels abgemildert werden.

Grundlegend sei es, Flächenpotentiale zu identifizieren und in Analysen auf verschiedenen Ebenen Konflikte und Defizite des jeweils betrachteten Bereiches auszumachen. Auf diesen Grundlagen können Lösungsansätze über Maßnahmenschemata erstellt werden. Diese gilt es, in konkrete Planungen und Handlungsempfehlungen zu überführen. Eindringlich verweist Gebhard auf die Notwendigkeit einer Begrünungssatzung und Freiflächengestaltungssatzung.

Anhand des sogenannten digitalen Zwillings (des 3D- Stadtmodells) können Vorschläge im digitalen Raum überprüft und angepasst werden. „Alles muss miteinbezogen und vieles muss überdacht werden. Beispielsweise werden Bäume (beste Begrünung) und Tiefgaragen (um oberirdisch Zonen mit mehr Radwegen und Grünflächen zu schaffen) nicht zusammengehen. Die Prioritäten müssen hier sorgfältig abgewogen werden“, so Gebhard.

Als Beispiele guter Baukultur zeigte sie Aufstockungen auf Bestandsgebäude oder ein Recyclinghaus in Hannover, bei dem die lokale „Bauteilernte“ aus dem Umkreis von weniger als zwanzig Kilometern aus verschiedenen abgebrochenen Gebäuden „gewonnen“ wurde. Im „grünen“ Bereich sind es die Konzepte „Urbanfarming“ auf Dachflächen, die mit einer ökologischen Landwirtschaft zusammen die notwendige Agrarwende möglich machen und gleichzeitig die Versorgung sicherstellen könnten. Fassadenbegrünungen leisten einen wichtigen Beitrag für das Mikroklima in Städten, verschatten sich überhitzende Gebäude und sind langfristig auch in den Betriebskosten günstiger als eine klassische, mit Markisen verschattete Fensterfassade. Ein besonderes Augenmerk legt Andrea Gebhard auf die Trockenlegung von Mooren. Hierdurch würde mehr als die doppelte Menge an CO2 im Jahr ausgestoßen als durch die gesamte Zementindustrie in Deutschland.

Im Zusammenspiel aller Maßnahmen auf den verschiedenen Betrachtungsebenen zeigte Gebhard auf, wie es gehen könnte: Moore renaturieren, großflächig auf Photovoltaik setzen, Biomasse produzieren, Urbanfarming zur Unterstützung der landwirtschaftlichen Produktion, Energieproduktion aus erneuerbaren oder zur Verfügung stehenden Energien.