Rotach soll hochwassersicher werden

Die Rotach ist bei extremen Regenfällen von Hochwasser gefährdet, vor allem im Häfler Stadtgebiet drohen dann schwere Überschwemmungen.
Fluss Rotach oberhalb der Mündung
Die Rotach soll hochwassersicher werden

Einer aktuellen Berechnung zufolge könnte ohne Hochwasserschutz bei einem sogenannten hundertjährlichen Hochwasser ein Schaden von rund 92 Millionen Euro entstehen – sowohl in Wohn- als auch in Gewerbegebieten. 

Im Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt der Stadt Friedrichshafen stand am Dienstag, 6. November, ein Zwischenbericht zum aktuellen Planungsstand und zum weiteren Verfahren für einen hochwassersicheren Ausbau der Rotach auf der Tagesordnung. In dem Zwischenbericht wurden die verschiedenen Varianten zum Hochwasserschutz dargestellt und gezeigt, welche Maßnahmen in welchen Bereichen der Rotach machbar sind. Geprüft wurde etwa, ob Hochwasserrückhaltebecken möglich sind, ob eine Tieferlegung der Gewässersohle, eine Verbreiterung oder Dammerhöhungen in den einzelnen Flussabschnitten möglich und sinnvoll sind.

Auch Alternativen im Bereich des Oberlaufs, also in den Rotachgemeinden Deggenhausertal, Horgenzell und Oberteuringen wurden untersucht. Während Deggenhausertal und Horgenzell kaum von einem Rotach-Hochwasser gefährdet sind, kann Oberteuringen durchaus betroffen sein. Deshalb werden die dort vorgesehenen Planungen für Friedrichshafen mitberücksichtigt.

Bei allen Maßnahmen, die untersucht wurden, werden die Belange des Naturschutzes, aber auch Kosten-Nutzen-Verhältnis berücksichtigt und auch Abstimmungsgespräche  mit Landratsamt, Regionalverband und Nachbarkommunen geführt. Ein großes Rückhaltebecken im Bereich des Oberlaufs wurde bei den Untersuchungen und Gesprächen als nicht sinnvoll im Vergleich mit einem Ausbau im Stadtgebiet eingestuft: Der für ein Rückhaltebecken notwendige Grunderwerb wäre kaum umsetzbar, die Eingriffe in naturschutzfachliche Schutzgebiete, in land- und forstwirtschaftliche Flächen werden als kritisch bewertet: Nach den Berechnungen wäre ein Rückhalteraum mit einem Fassungsvermögen von 1,5 Millionen Kubikmetern notwendig. Die Eingriffe in Natur und Umwelt wären bei so einer Maßnahme enorm und schneiden im Vergleich mit anderen Maßnahmen schlecht ab.

Die Untersuchung der weiteren möglichen Maßnahmen konzentriert sich daher auf den Verlauf der Rotach im Stadtgebiet. Dabei wurden die jeweiligen Voraussetzungen des Geländes und der Örtlichkeiten, der Baumbestand, die Belange des Natur- und Artenschutzes und die Eigentumsverhältnisse für jeden Rotach-Abschnitt geprüft.

Da eine Verbreiterung der Rotach aufgrund der Straßen und der Bebauung in der Regel nicht möglich ist, wurden verschieden Varianten der Erhöhung der Ufer untersucht: Dazu zählt beispielsweise eine Erhöhung der Uferböschung durch das Aufschütten von Erde, wobei entlang der Böschung verlaufende Wege ebenfalls höher gelegt werden sollen. Auch Erdwälle in einiger Entfernung der Uferböschung sind in einigen Abschnitten denkbar, ebenso Spundwände, die etwa durch Trockenmauern oder Erdanschüttungen verkleidet werden, sind unter den vorgeschlagenen Maßnahmen, ebenso wie Betonwände oder auch mobile Wände, die etwa im südlichsten Bereich der Rotach zum Einsatz kommen könnten. Im Bereich der Schreieneschschule wird vorgeschlagen, eine Beton-Wand durch einen treppenartigen Vorbau zu ergänzen, der im Alltag dann als Tribüne und Sitzmöglichkeit dienen kann.

Der erhaltenswerte Baumbestand und die Allee wurden von den Planern in dem nun vorgestellten Entwurf besonders berücksichtigt: Beispielsweise wurde die Trasse für die Hochwassermaßnahmen so geplant, dass sie in bestimmten Bereichen landeinwärts, also hinter dem Baumbestand liegt. Auf diese Weise kann die Allee entlang der Rotach erhalten bleiben, voraussichtlich müssen nur vereinzelt Bäume gefällt werden.

Insgesamt haben die Planer 2.700 Meter Flusslauf der Rotach untersucht, beide Uferseiten zusammen betrachtet ergibt eine Länge von 5.500 Metern. Davon müssen etwa 4.350 Meter durch Hochwasserschutzmaßnahmen gesichert werden. An den übrigen rund 1.200 Metern hat das Ufergelände ausreichend Höhe oder kann überflutet werden. Die grob geschätzten Kosten für den reinen Ausbau liegen laut Planern bei etwa 20 Millionen Euro, wobei eine konkrete Aussage erst mit detaillierter Planung möglich ist. Zu den Ausbaukosten kommen noch Ausgaben für Gestaltung, Naturschutz und für die Erfüllung von Genehmigungsauflagen hinzu. Es wird mit einer Gesamtbauzeit von zwei bis drei Jahren gerechnet.

Vor der Umsetzung der Maßnahmen ist – wie bei anderen Vorhaben auch – zunächst ein Planfeststellungsverfahren notwendig, bei dem auch die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern vorgesehen ist. Neben einer vorgezogenen Öffentlichkeitsbeteiligung nach Umweltverwaltungsgesetz ist im weiteren Verfahren zudem eine weitere Bürgerinformation und -beteiligung geplant. Das Planfeststellungsverfahren ist Aufgabe des Landratsamts Bodenseekreis als „Untere Wasserbehörde“. Den Plan und damit Grundlage für das Verfahren erstellt die Stadt Friedrichshafen als sogenannter Vorhabenträger. Von der Stadt sind dann auch die Kosten für den Ausbau einzuplanen und zunächst zu finanzieren. Die Stadt rechnet jedoch mit einem Zuschuss des Landes, das nach der Förderrichtlinie Wasserwirtschaft Kommunen bei Maßnahmen des Hochwasserschutzes unterstützt. Ein entsprechender Zuschussantrag kann nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens gestellt werden.

Info: Auf www.hochwasser.baden-wuerttemberg.de stellt das Land Hochwassergefahrenkarten zur Verfügung, die beispielsweise Überflutungsfläche, Überflutungstiefen und Risikogebiete zeigen. Im Ratsinfosystem der Stadt sind zudem alle Sitzungsunterlagen für den Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt zu finden unter www.sitzungsdienst.friedrichshafen.de.