Dienstag, 18. September 2018

Es lebt auf der Wiese der Jugendherberge

Förderprogramm „Mehr Natur in Friedrichshafen“ unterstützt verschiedene Maßnahmen, die Insekten und anderen Tierarten ein Zuhause und Nahrung bieten
Sand, Steine, Grün, ein kleines Wasserbecken und Totholz bilden zusammen ein Eidechsenbiotop.
Mit nur wenig Mühe, etwas Sand, einigen Steinen, Totholz, einem kleinen Wasserbecken und etwas Grün ist viel für Insekten und Eidechsen getan. Außerdem entsiegelt das Eidechsenbiotop die Steinplattenfläche.

Barbara Heldele war die allererste, die sich für das seit 2018 neue Förderprogramm „Mehr Natur in Friedrichshafen“ angemeldet hat. Die Leiterin der Graf-Zeppelin-Jugendherberge Friedrichshafen wurde durch einen Zeitungsartikel auf die Förderung aufmerksam und nutzte die Gelegenheit, um einen kleinen Teil gegen das Insektensterben in Friedrichshafen beizutragen.

Den Gedanken hatte Barbara Heldele schon länger. Sie war auf der Suche, wie sie Teile des Jugendherbergsgeländes in der Lindauer Straße etwas insektenfreundlicher gestalten konnte. Die große Spiel- und Sportfläche hinter dem Haus muss nämlich kurz gehalten werden, damit niemand beim Spielen gestochen wird. Wenn keine Blumen wachsen, werden auch keine Wespen und Bienen angelockt. Vor dem Gebäude, zur Lindauer Straße hin, gibt es eine etwa 240 Quadratmeter große Fläche, die sich für eine Umgestaltung eignete. „Und dann haben wir explizit gesagt, hier wollen wir die Alternative“, so Barbara Heldele.

Nachdem sie den Zeitungsartikel über das Förderprogramm gelesen hatte, entstand der Kontakt zur Stadtverwaltung relativ schnell und die Zuschüsse wurden genehmigt. Und dann ging es mit der Arbeit los: Auf der Fläche säte das Team der Jugendherberge die mehrjährige Häfler-Mischung aus, mit heimischen Pflanzen, typisch für den Friedrichshafener Raum. Jetzt brauchen sie, ihr Team und die Gäste nur noch etwas Geduld, da es etwas dauert, bis die Blumen richtig wachsen. Dafür dauert die Blütezeit dann viele Jahre.

Neben der Blühmischung wurde auch ein Eidechsenbiotop gebaut. Jetzt ersetzen eine Sandfläche, eine kleine Wasserstelle, Totholz und einige Pflanzen eine platte Fläche aus Rasensteinen. „Es ist interessant, was hier alles kreucht und fleucht. Es lebt richtig“, sagt Barbara Heldele und freut sich über die Fördermittel. Und Naomi Barker von der Abteilung Umwelt und Naturschutz ergänzt: „Hier sieht man schon den Erfolg. Etwas Struktur, ein bisschen Sand und schon hat man ein Öko- und Bienenparadies.“  Auf der kleinen Fläche tummelten sich zehn verschiedene Arten von Wildbienen und Käfern.

Bis ein Ökoparadies fertig ist, kann es durchaus etwas Arbeitsaufwand kosten, vor allem, wenn man wie das Team der Jugendherberge etwas Schönes gestalten will. Alle die ihr Zimmer zur Straße hin haben, sehen auf die Fläche. Gerade das Eidechsenbiotop war etwas zeitintensiver, da dafür erst Steine aus dem Boden geholt werden mussten. Aber auch die Arbeitsleistung wird mit dem Ehrenamtssatz gefördert. „Wir sind mit der Unterstützung sehr zufrieden“, sagt Barbara Heldele, es sei eine gute Kooperation.

Was jetzt noch fehlt, ist ein Insektenhotel, das für etwa 20 Prozent der Insektenarten ein Zuhause bietet. Die restlichen 80 Prozent, also der Großteil, lebt im Boden, wie zum Beispiel die Sandbiene. Die findet stattdessen gute Bedingungen und einen Unterschlupf im Eidechsenbiotop.

Bis im April sollen auch noch Mehlschwalben- und Fledermauskästen aufgehängt werden. Solange hat die Graf-Zeppelin-Jugendherberge Zeit, alle Maßnahmen umzusetzen – ein Jahr ab der Zuteilung der Fördermittel. Das Dach wird sowieso teilweise saniert und das Haus eingerüstet, da bietet es sich gerade an. Insgesamt fünf Jahre müssen die geförderten Maßnahmen dann bestehen bleiben.

Jetzt Förderung beantragen

Wer sich vorstellen kann, im Garten oder am Haus etwas für die Tiere oder für mehr Grün in Friedrichshafen zu tun, kann verschiedene Maßnahmen bezuschussen lassen. „Jetzt ist eine gute Zeit, um die Förderung zu beantragen, weil Herbstzeit auch Pflanzzeit ist“, sagt Naomi Barker. Dabei ist ganz wichtig: Erst die Förderung beantragen und dann mit den Arbeiten loslegen, wenn die Förderung bewilligt ist. Ansonsten klappt es mit den Zuschüssen nicht.

Bezuschusst werden eine naturnahe Bepflanzung von Gärten, Dachbegrünung und Entsiegelung, Fassadenbegrünung sowie die Anlage von Biotopen für unterschiedliche Tierarten, wie zum Beispiel Stadtvögel, Fledermäuse oder Frösche, Kröten und Libellen.

Alle Informationen und die Unterlagen zum Beantragen sind unter www.förderprogramme.friedrichshafen.de zu finden.

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