Mittwoch, 22. Juli 2020

Unfallkommission: Mehr Sicherheit auf Häfler Straßen

Unaufmerksamkeit, zu hohe Geschwindigkeit, fehlender Überblick – jedes Jahr kommt es auf den Straßen in Friedrichshafen zu Verkehrsunfällen. Dort, wo sich Unfälle häufen, nimmt die Unfallkommission mit Vertretern des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung, des Stadtbauamtes, der Polizei, des Regierungspräsidiums und des Straßenbauamtes des Landratsamtes die Stellen unter die Lupe.

Die Unfallstatistik der Polizei macht deutlich: 2019 gab es einen Rückgang an Schwerverletzten bei Unfällen, jedoch ist die Zahl der Unfälle, an denen Radler beteiligt waren, gestiegen. Erfreulich ist, dass die Zahl der Unfallhäufungsstellen, also der Stellen, an denen sich besonders viele oder schwere Unfälle ereignen, weiter zurückging. Waren es 2018 noch 11 Stellen, verringerte sich die Zahl in 2019 auf zehn Stellen. Dabei sind zwei Örtlichkeiten neu hinzugekommen, drei Örtlichkeiten sind weggefallen. Ziel der Prüfung der Unfallpunkte durch die Kommission ist es, die Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer zu verbessern. Um dies festzustellen, erfasst und wertet die Polizei die Verkehrsunfälle aus. Einberufen wird die Unfallkommission einmal pro Jahr von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde im Amt für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung.

In der Sitzung der Kommission analysieren die Fachleute gemeinsam anhand der Unfalldaten, Ursache und Hergang der Unfälle, prüfen die Situation und beraten, ob durch straßenbautechnische und verkehrsrechtliche Maßnahmen der Unfallschwerpunkt entschärft werden kann.

Die beschlossenen Maßnahmen werden mit hoher Priorität von der Verkehrsabteilung des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung und den jeweiligen Straßenbaubehörden umgesetzt. Aufgrund der schnellen Umsetzung der Maßnahmen in der Vergangenheit ist es gelungen, die Unfallschwerpunkte weiter zu verringern. „Dieser Erfolg ist auf die kontinuierliche Begleitung und Umsetzung von Verbesserungen sowie die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten zurückzuführen.“, sagt Hans-Jörg Schraitle, Leiter des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung. 2019 ist es gelungen, die Unfallschwerpunkte in Friedrichshafen auf zehn Örtlichkeiten zu reduzieren. 2018 waren es noch 11 Unfallhäufungsstellen.

Folgende Abschnitte gelten nach 2018 auch 2019 weiterhin als Unfallhäufungsstellen:

Ailinger Straße/Ekkehardstraße: Im Februar 2018 wurde in diesem Bereich der letzte Unfall aufgenommen. Grund dafür ist wohl, dass die Beschilderung am Fußgängerüberweg deutlicher gemacht wurde. Auch 2020 wurde von der Polizei bisher kein Unfall aufgenommen. Es handelt sich um einen sehr stark frequentierten Straßenabschnitt in unmittelbarer Nähe zum Bodensee-Center, deshalb soll der Abschnitt auch weiterhin beobachtet werden, um schnell auf etwaige Veränderungen reagieren zu können.

Albrechtstraße/Glärnischstraße: Es verunglückten überwiegend Radfahrer. Im Kreuzungsbereich besteht eine lange Radfurt und bedingt durch das Gefälle, sind die Radfahrer an dieser Stelle sehr schnell unterwegs. Fahrzeugführer, die aus der Albrechtstraße nach links in die Glärnischstraße abbiegen, können bei Stau durch sichtbehindernde Fahrzeuge Radfahrer nicht rechtzeitig erkennen. Zudem besteht aufgrund der vielen Einmündungsmöglichkeiten eine zusätzliche Ablenkung für Fahrzeugführer. Durch bauliche Maßnahmen im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Kreuzungsbereiches im Rahmen der B 31 neu könnte hier eine Verbesserung erreicht werden. Dies soll bei der künftigen Planung berücksichtigt werden. Sobald die B 31-neu im 2. Quartal 2021 für den Verkehr freigegeben wird, wird sich das Verkehrsaufkommen hier stark verändern. Bis zu Eröffnung der B 31-neu wird der Bereich weiter beobachtet, um auch hier schnell mit Maßnahmen reagieren zu können.

Colsmanknoten: Die Anwesenden sind sich einig, dass die Unfälle im Zusammenhang mit der hohen Verkehrsmenge in diesem Knotenpunkt zu betrachten sind. 2020 gab es an dieser Stelle bisher sechs Verkehrsunfälle – ohne dass Personen verletzt wurden. Auch hier gehen die Experten davon aus, dass sich das Verkehrsaufkommen mit der Öffnung der B 31-neu verändern wird.

Kreisverkehr Ehlersstraße/Mühlöschstraße/ Flugplatzstraße: Alle registrierten Unfälle passierten in Richtung Ehlersstraße. Zu Unfällen kam es immer dann, wenn Fußgänger oder Radler den Fußgängerüberweg querten. Um diese Problematik zu entschärfen, wurde das Hinweisschild „Radfahrer frei“ in der Mühlöschstraße entfernt. Radler in Richtung Flugplatzsstraße wurden auf die Fahrbahn geleitet. In Richtung Flugplatzstraße fahrende Radler werden im Kreisel über die Fahrbahn ausgeleitet. Als sichtbares Zeichen wurde ein Piktogramm aufgebracht.

Beim jetzigen Treffen der Kommission wurde deutlich, dass die Verbesserungen mehr Sicherheit gebracht haben. 2019 gab es dort nur noch einen Unfall. Bislang kam es 2020 zu keinem Verkehrsunfall. Auch wenn zu erkennen ist, dass die Unfälle zurückgegangen sind, wird die Unfallkommission die Entwicklungen weiter beobachten.

Kreisverkehr Meistershofener Straße/Am Riedlewald: 2018 wurden sechs Unfälle verzeichnet, hauptsächlich waren es Unfälle mit Radfahrern. Im ersten Halbjahr wurden bisher zwei Verkehrsunfälle am südwestlichen Ast registriert, an denen Radler beteiligt waren. Es soll nun geprüft werden, ob weitere Markierungen die Situation verbessern können.

Maybachplatz/Radunterführung: In diesem Bereich wurden von der Polizei zahlreiche Unfälle aufgenommen. Ein Grund für die Häufigkeit der Unfälle sieht die Kommission in den komplexen Verkehrsbeziehungen. Den Radlern, die aus der Unterführung kommen und nach links abbiegen wollen, muss Vorfahrt gegenüber den von rechts kommenden Radfahrern gewährt werden. Um dies zu erreichen wurde der Spiegel umgestellt. 2019 verunglücken an dieser Stelle größtenteils Radfahrer. Im ersten halben Jahr 2020 wurde bisher noch kein Unfall registriert. Die Kommission spricht sich dafür aus, die Verkehrsbeziehungen in der Unterführung nach Inbetriebnahme der B 31neu zu entflechten. Diese Lösung soll in den zukünftigen Planungen berücksichtigt werden.

B 30/Löwenunterführung/Kreuzung: Die Kreuzung wurde von den Vertretern der Unfallkommission begutachtet. Dabei wurde festgestellt, dass insbesondere die Führung des Radverkehrs sehr kompliziert und für ortsunkundige Radfahrer an manchen Stellen unverständlich ist. Zudem spielt das hohe Verkehrsaufkommen ebenfalls eine Rolle. Für mehr Sicherung wurden in der Montfortstraße Verkehrszeichen (vorgeschriebene Fahrtrichtung geradeaus, Linienverkehr frei und oberhalb der Ampel rechtsweisend) aufgestellt. Als Erfolg aus dieser Maßnahme sieht die Polizei den Umstand, dass seither keine Unfälle mehr zwischen Rechtsabbiegern und geradeausfahrenden Radfahrern passiert sind. 2020 plant die Stadt Markierungen zur Führung der Radler aufzubringen.

B 30 | Ravensburger Straße/Dietostraße/Am Seewald: Auffällig ist, dass sich die Unfälle meist in den Abend- und Nachtzeiten ereignen. Die Örtlichkeit wird nochmals gesondert begutachtet.

Bei der Prüfung der Unfallpunkte kamen neue Unfallhäufungsstellen hinzu:

Kreisverkehr Riedleparkstraße / Charlottenstraße / Eugenstraße: Es handelt sich um einen sehr belebten Kreisel. 2018 war dieser Abschnitt bereits Unfallhäufigkeitsstelle, 2019 jedoch nicht mehr. Aktuell gab es im ersten Halbjahr 2020 drei Verkehrsunfälle.  In diesem Bereich fahren sehr viele Zweiräder und es herrscht ganztags sehr viel Verkehr. Die Kommission entschied, das Unfallvorkommen weiter zu beobachten.

Zeppelinstraße / Schützenweg: Der Abschnitt wurde als Unfallschwerpunkt eingestuft, da bei einem Unfall 2019 ein Fußgänger ums Leben kam. 2020 kam es bisher zu keinem Unfall. Es ist vorgesehen, 2021 eine Querungshilfe mit Mittelinsel zu errichten.

Als auffällige Unfallstelle sehen Stadt und Polizei den Kreisel auf der Eugenstraße/Olgastraße. Der provisorische Kreisverkehr ist nun seit fünf Monaten in Betrieb. Die Kommission sieht die Ursachen für mehrere Unfälle in der kurzen Zeit, in der die Verkehrsführung neu geregelt wurde und sich die Verkehrsteilnehmer erst an die neue Regelung gewöhnen müssen. Einen weiteren Grund sieht die Kommission darin, dass der Kreisel optisch nicht als Kreisverkehr ersichtlich ist. Es ist vorgesehen, die Örtlichkeit gemeinsam mit Verkehrsplanern zu begutachten. Außerdem sollen die Ampelmasten abgebaut und der Kreisel farblich markiert werden.

Stadt, Polizei und Unfallkommission werden die Verkehrssituation in Friedrichshafen weiterhin aufmerksam im Auge behalten und in dringenden Fällen auch kurzfristig nach einer Lösung suchen.