Dienstag, 28. Januar 2020

Gemeinsam für mehr Klimaschutz

Stadt, Jugendparlament und Fridays for Future tauschen sich aus.

Zum ersten Mal trafen sich die Jugendlichen des Jugendparlaments und der Bewegung Fridays for Future (FFF) mit Ersten Bürgermeister Dr. Stefan Köhler und Vertretern der Stadtverwaltung zu einem Workshop über den Klimaschutz in Friedrichshafen. Am Ende des Workshops war klar: Die Motivation, den Klimaschutz in Friedrichshafen voranzubringen, besteht auf allen Seiten. Jetzt müssen die Ideen und Anregungen umgesetzt werden. Auf den Wunsch der Jugendlichen nach weiteren Gesprächen mit der Stadt erklärte Oberbürgermeister Andreas Brand: „Diesem Wunsch kommen wir gerne nach“.

Dem Workshop ging im Oktober 2019 ein Treffen mit Oberbürgermeister Andreas Brand im Rathaus voraus.  In diesem Gespräch dankte OB Brand den engagierten Jugendlichen des Jugendparlaments und der Bewegung Fridays for Future für ihr Engagement und sagte ihnen zu, sie bei den weiteren Beratungen um das Häfler Klima-Budget einzubinden. Am Freitag, 17. Januar trafen sich die Mitglieder des Jugendparlaments und die Unterstützer der Fridays for Future Bewegung im Jugend- und Kulturzentrum MOLKE, um ihre Ideen und Anregungen für mehr Klimaschutz in Friedrichshafen zu formulieren. Weiterhin waren Vertreter der Überlinger FFF-Gruppe und des Gemeinderates mit dabei, um sich Anregungen und Ideen für ihre eigenen Gespräche mit der Stadt Überlingen zu holen.

Zum Beginn des vierstündigen Workshops begrüßte Erster Bürgermeister Dr. Stefan Köhler die Jugendlichen und erläuterte ihnen die Eckpunkte des Entwurfs des städtischen Doppelhaushaltes für die Jahre 2020 und 2021. Positiv aufgenommen wurde der Wille der Stadt, in den nächsten Jahren jährlich 100 Euro pro Einwohner zusätzlich in den Klimaschutz zu investieren.

Dr. Tillmann Stottele, Abteilungsleiter Landschaftsplanung und Umwelt, stellte Maßnahmen vor, die die Stadt bisher in den Klimaschutz investiert hat und gab einen Ausblick auf die geplante Einführung eines Klimaanpassungskonzepts und einer Klimaanpassungsstrategie für die Stadt Friedrichshafen. Die Vertreter der Bewegung Fridays for Future machten deutlich, dass die Erreichung der Klimaschutzziele für sie nicht verhandelbar sei. Eine ihrer Kernforderungen besteht für ein klimaneutrales Friedrichshafen bis 2035. Die Gelder, die zusätzlich im Haushalt zur Verfügung gestellt werden, seien ein richtiger Schritt, um die Erderwärmung zu stoppen.
Dann ging es in die eigentliche Gruppenarbeit, in der die 13 teilnehmenden Jugendlichen ihre Ideen sammelten. Der Katalog der erarbeiteten Ideen ist vielfältig. Dazu gehören beispielsweise wirtschaftliche Anreize für Photovoltaik-Anlagen zu schaffen, offene Geschosse von Parkhäusern für Photovoltaik-Anlagen zu nutzen und die Umwandlung von Sonnenenergie in nutzbare thermische Energie (Solarthermie) stärker voranzubringen.
In Bezug auf das Flächenmanagement in Friedrichshafen sollten städtischen Landwirtschaftsflächen mit nachhaltigen Auflagen neu verpachtet und die Biodiversität und die Bio-Landwirtschaft gefördert werden. Ein weiterer Vorschlag geht dahin, die Vergabekriterien für Gewerbeflächen anzupassen mit Blick auf die CO2-Freundlichkeit. Friedrichshafen soll „Klimastadt“ werden und deshalb künftig auf fossile Brennstoffe verzichten und die Grünanlagen ausbauen. Auch regten die Jugendlichen an, dass sich die Häfler Schulen als Fair-Trade-Schulen bewerben sollen.

Beim Thema Verkehr forderten die Jugendlichen weitere Fahrradstraßen, Bushaltestellen grüner zu gestalten und Anreize für Firmen zur klimafreundlichen Mobilität zu schaffen. Es soll mehr Stadtgrün geschaffen werden, um so die Aufenthaltsqualität für die Menschen zu erhöhen. Auch regen die Jugendlichen nachhaltiges Bauen mit recyceltem Material und Bauen mit Holz an. Im Fokus der Überlegungen stand auch das Thema Ernährung. Hier regten sie an, das Angebot in den Kantinen zu ändern und regionale und fleischarme Speisen anzubieten sowie das Angebot bei öffentlichen Veranstaltungen auf vegetarisch und vegan umzustellen.

„Der Workshop brachte viele Ideen und Anregungen hervor, die wir nun an den Gemeinderat weiterleiten werden“, so Erster Bürgermeister Dr. Stefan Köhler. Der Gemeinderat kann die Ideen des Workshops aufgreifen und bis zum 13. Februar 2020 Anträge zum Doppelhaushalt stellen. Dem Workshop in der MOLKE sollen weitere Gespräche zwischen Jugendparlament, Fridays for Future und Stadtverwaltung folgen.