Wohnen bleibt zentrale Aufgabe

Als Putin vor sieben Wochen seinen Angriffskrieg auf die Ukraine startete, lebten in Friedrichshafen 104 Ukrainerinnen und Ukrainer. Seither wurden 625 Geflüchtete aus der Ukraine neu in Friedrichshafen registriert, von denen aktuell 565 in Friedrichshafen gemeldet sind und hier leben (Stand 19.04.2022).
Kinder beim Spiel auf dem Charlottenhof
Wohnraum in Friedrichshafen ist weiterhin gesucht, gleichzeitig beginnt die Integration der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen – wie bei einer Spielaktion des Spielehauses im Charlottenhof.

„Wir gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der in Friedrichshafen untergekommenen Geflüchteten noch höher ist, da sich vermutlich nicht alle bei uns registriert haben“, sagt Bürgermeister Dieter Stauber, in dessen Dezernat auch die Ausländerbehörde angesiedelt ist. „Grundsätzlich empfehlen wir allen, die bei uns neu ankommen, die Registrierung, denn dann können konkrete weitere Hilfen genutzt und angeboten werden“, betont Stauber.

Ukrainerinnen und Ukrainer haben nach derzeitigem Stand Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Diese umfassen Hilfe zum Lebensunterhalt, Kosten der Unterkunft und eingeschränkte Krankenhilfe. Außerdem kann die Stadt nach der Registrierung bei der Unterbringung und Integration unterstützen. Bei der Registrierung erhalten alle erwachsenen Ukrainerinnen und Ukrainer eine sogenannte Fiktionsbescheinigung, mit der es möglich ist, sofort Arbeit zu suchen und aufzunehmen. Ab 1. Juni sollen dann alle aus der Ukraine Geflüchteten Grundsicherung erhalten, damit verbunden sind höhere Geldleistungen und eine bessere Gesundheitsversorgung.

Die Unterbringung in Unterkünften, Wohnungen und in privaten Gästezimmern stellt weiterhin eine der größten Herausforderungen dar: Allein in städtischen Unterkünften und von der Stadt bereitgestellten Wohnungen leben aktuell rund 200 Geflüchtete. Im städtischen Wohnungsbestand für Geflüchtete befinden sich auch einige Wohnungen der größeren Wohnbaugesellschaften, die die Stadt direkt kontaktiert und um Unterstützung gebeten hatte.

Ein großer Teil der Geflüchteten konnte bisher in privaten Unterkünften unterkommen – dank des großen Engagements aus der Häfler Bevölkerung. Unter www.friedrichshafen.de/ukraine hat die Stadt bereits Ende Februar ein Wohnraumformular eingerichtet, über das Zimmer und Wohnungen an die Stadt gemeldet werden können.  Mit Beginn der Urlaubssaison, aber auch aus privaten Gründen stehen viele der bisher vermittelten privaten Zimmer und Ferienwohnungen aber nur für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung. „Die ersten Gastgeber kommen bereits auf uns zu und bitten um Vermittlung von Wohnungen für die bei ihnen untergekommenen Geflüchteten“, berichtet Bürgermeister Stauber. Das sei zum einen verständlich und nachvollziehbar, zum anderen sei aber auch klar: „Wir benötigen weiter die Unterstützung der Häflerinnen und Häfler, die jetzt noch freien Wohnraum anbieten können. Die Vermieter von Wohnraum tun damit Gutes und auf Antrag beim Bodenseekreis können auch Kosten der Unterkunft bis zu bestimmten Mietobergrenzen übernommen werden. Dies gilt auch für anteiligen Wohnraum, wenn Geflüchtete beispielsweise in den eigenen Haushalt aufgenommen werden.“

Darüber hinaus kümmert sich die Stadt Friedrichshafen auch um alle Fragen, die das Leben der Geflüchteten in Friedrichshafen prägen: Aktuell lernen mehr als 90 Schülerinnen und Schüler an Häfler Schulen in Vorbereitungsklassen die deutsche Sprache oder werden direkt in Grundschulklassen unterrichtet. Für jüngere Kinder werden derzeit Spielgruppen vorbereitet. Derzeit leben in Friedrichshafen 139 Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 16 Jahren, 77 Kinder sind 6 Jahre alt oder jünger.

An der vhs Friedrichshafen wiederum können erwachsene Ukrainerinnen und Ukrainer in Deutschkursen die Sprache lernen. Bürgermeister Andreas Köster, in dessen Dezernat die Bereiche Integration, vhs, Schule und Kita-Betreuung angesiedelt sind, betont: „In Summe erleben wir gemeinsam mit den vielen Ehrenamtlichen, die uns tatkräftig bei der alltäglichen Flüchtlingsarbeit betreuen: Wohnen bleibt eine zentrale Aufgabe – hinzu kommen allen Fragen und Aufgaben der Integration.“

Für alle, die die Stadt bei der Flüchtlingsarbeit finanziell unterstützen möchten, sind Spenden möglich unter
Stadt Friedrichshafen
IBAN: DE88 6905 0001 0020 1050 94
BIC: SOLADES1KNZ
Verwendungszweck: Ukraine-Hilfe Friedrichshafen
Bisher sind rund 4.500 Euro an Spenden auf das Konto eingegangen.

Alle Infos zur Ukraine-Hilfe der Stadt Friedrichshafen und das Wohnungsangebotsformular sind zu finden unter www.friedrichshafen.de/ukraine.