Freitag, 16. August 2019

Weniger Barrieren in Friedrichshafen

Langsam aber stetig wird die Stadt besser befahr- und begehbar
Mann steht auf Rampe neben Mann und Frau jeweils im Rollstuhl
Die neue Rampe der Unterführung zwischen Kitzenwiesenweg und Steinbeisstraße ist flacher als die alte mit sechs Prozent Steigung. Erster Bürgermeister Dr. Stefan Köhler, Behindertenbeauftragter Freddy Pfleiderer und Sandra Mailänder (von rechts) freuen sich über die Verbesserung.

Manchmal machen Kleinigkeiten einen großen Unterschied. Kleine Steine auf einem Parkplatz können den Weg für einen Rollstuhl sehr erschweren oder sogar ganz versperren und eine schwere Türe wird zum unüberbrückbaren Hindernis. Deshalb versucht die Stadt, die Wege in Friedrichshafen möglichst barrierefrei zu gestalten und setzt seit 2017 auf die Erfahrung und das Wissen eines ehrenamtlichen Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderungen im Hinblick auf Barrierefreiheit.

Die neuesten Verbesserungen, die er vor allem gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen des Dezernat IV umgesetzt hat, sind mobile Rampen um Stufen zu überbrücken sowie einen zusätzlich flacheren Weg an der Unterführung zwischen Kitzenwiesenweg und Steinbeisstraße.

Eine der neuen mobilen Rampen hängt hinter der Eingangstür im Verwaltungsgebäude des Hauptfriedhofs an der Wand. Bei Bedarf wird die mobile Rampe aufgebaut. Bisher versperrten mehrere Stufen die Zufahrt. Außen wurden die Stufen baulich durch eine flache Rampe aus Stein ersetzt und innen überbrückt die mobile Rampe den Höhenunterschied. Wer die Rampe braucht, kann mit der neuen Klingel Hilfe anfordern.

Ganz geschickt ist, dass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Rampe auch an anderen Stellen einsetzen können, zum Beispiel bei den Stufen zur Aufbahrungshalle. Außerdem wurde an einer Ecke der Hauswand ein Geländer installiert, ein zweites auf der gegenüberliegenden Seite folgt, wenn der andere Teil des Gebäudes saniert wird. Freddy Pfleiderer, der selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist, freut sich: „Ich habe schon die ersten Leute gesehen, die das Geländer benutzen. Vor allem ältere Menschen brauchen bei den Treppenstufen etwas zum Festhalten. Die recht einfachen Änderungen, sind doch eine große Hilfe.“

Auch beim Tafel-Laden in der Keplerstraße überbrückt eine mobile Rampe seit Kurzem die Stufe. Angeschafft wurde sie mit Unterstützung der Zeppelin-Stiftung.

Praktische und kostensparende Lösung

Das Konzept mit den mobilen Rampen hat Freddy Pfleiderer auch mit Thomas Goldschmidt, Geschäftsführer der Stadtmarketing Friedrichshafen GmbH, entwickelt. Die Aluschienen können nämlich eine einfache Lösung für Geschäfte sein, um die Ladenräume für alle erreichbar zu machen.

Um auf eine mobile Rampe aufmerksam zu machen, hat die Stadt Aufkleber drucken lassen. Die zeigen an, dass es eine Rampe gibt – bei Bedarf auch in welche Richtung, denn manchmal befinden sich die geeigneten Eingänge um die Ecke.

Wer sich eine mobile Rampe anschaffen möchte, bekommt fachliche Unterstützung beim Stadtmarketing oder auch direkt bei Freddy Pfleiderer, die beide auch die Aufkleber kostenfrei ausgeben.

Bauliche Veränderung in der Kitzenwiese

Nicht ganz so einfach wie die Alurampen war die Verbesserung an der Unterführung vom Kitzenwiesenweg in die Steinbeisstraße zum Berufsschulzentrum, die eine Steigung von mehr als sechs Prozent hat. Das kostet bei Handrollstühlen nicht nur sehr viel Kraft, sondern es besteht auch die Gefahr, nach hinten zu kippen. Auch für Eltern mit Kinderwagen und manche Fahrradfahrer können die sechs Prozent Steigung sehr anspruchsvoll sein. Jetzt gibt es eine zusätzliche flachere Rampe, die sich in einer Kurve am Hang entlangschlängelt. Zusätzlich gibt es einen Handlauf an der weiterhin bestehenden alten Rampe, um mehr Sicherheit beim Gehen zu gewährleisten. Außerdem wurden Bodenindikatoren, Leitstreifen und Aufmerksamkeitsfelder für blinde oder sehbehinderte Menschen eingebaut. Und es wurde der Bodenbelag von zwei Zwischenwegen im Kitzenwiesenweg in Richtung Lindenstraße erneuert.

„Wir sind noch lange nicht da angekommen, wo wir hinmöchten, sodass sich alle in Friedrichshafen ohne Hindernisse bewegen können. Wir sind aber auf dem richtigen Weg und bauen Stück für Stück Barrieren in der Stadt ab“, sagt Erster Bürgermeister Dr. Stefan Köhler. „Dazu sind wir nicht nur auf die Arbeit unseres Beauftragten, Freddy Pfleiderer, angewiesen, sondern auch auf Hinweise und Vorschläge aller anderen Betroffenen – das schließt Eltern mit Kinderwagen mit ein.“

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