Freitag, 08. Oktober 2021

Weniger Aufregung, mehr Respekt

Oberbürgermeister Andreas Brand
Porträt Andreas Brand

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

haben Sie das zuletzt auch wahrgenommen? Die Aufgeregtheit nimmt zu, man selbst und die anderen scheinen immer öfters und schneller „an die Decke“ zu gehen und die Schärfe in den Debatten nimmt zu. Manche schreiben diese Entwicklung den „Sozialen Medien“ zu, andere sehen die Vereinzelung in der Gesellschaft als Trend und dann gibt es ja immer noch Corona, das sicher in vielen Bereichen als „Verstärker“ gewirkt hat. Und Corona selbst liefert als Thema ja auch genug Stoff für hitzige Debatten. Aber es gibt auch so noch genügend andere Aufregerthemen in Stadt, Land, Bund und in der Welt.

Gut ist diese Aufgeregtheit in den meisten Fällen nicht, auch nicht angebracht. Denn die Aufgeregtheit verhindert das genaue Zuhören, das Verstehen und Verstehenwollen des anderen Arguments, das Nachdenken darüber und den Austausch. Nur mit weniger Aufregung in der Debatte wird vielleicht auch das leise, das sachliche oder das schüchtern vorgetragene Argument gehört und kann abgewägt werden. Am Ende kann dann ein Kompromiss stehen, eine ganz andere Lösung, als alle Beteiligten am Anfang gesehen haben oder eine Entscheidung für oder gegen etwas. Ich glaube aber: Entscheidend für die Qualität des Ergebnisses ist der Weg dorthin.

Was ich mir wünsche: Dass wir alle wieder lernen, mehr zuzuhören, dass wir öfters mal verbal abrüsten und weniger Recht haben müssen. Dass wir weniger in schwarz-weiß denken und auch mal gelassen bleiben können. Und dass wir wieder Respekt entwickeln vor dem anderen – genauso wie Respekt vor dem jeweils anderen Argument. Das ist das Wesen unserer Demokratie, das zeichnet sie aus – und das sollten wir pflegen. Im Alltag, in der Familie, mit Freunden, im Ehrenamt und im Beruf.  

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund und gelassen,

Ihr

Andreas Brand
Oberbürgermeister