Stadt hält an dezentraler Unterbringung fest

Über das Konzept zur Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen beraten am Donnerstag, 16. Juli in einer gemeinsamen, öffentlichen Sitzung die Ortschaftsräte Ailingen, Ettenkirch, Kluftern und Raderach. Der Gemeinderat berät und entscheidet dann am Mittwoch, 22. Juli, ebenfalls in öffentlicher Sitzung.

 „Die Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen ist eine dauerhafte und fordernde Aufgabe für alle Städte und Gemeinden, auch für Friedrichshafen“, sagt Bürgermeister Dieter Stauber. „Der Bedarf ist weiterhin hoch, gleichzeitig sind die geeigneten Unterkünfte und Wohnungen alle belegt.“ Die Stadt ist gesetzlich verpflichtet, sich um Obdachlose und Flüchtlinge in der sogenannten Anschlussunterbringung zu kümmern. Im Bodenseekreis bedeutet das für die Stadt Friedrichshafen aufgrund ihres Bevölkerungsanteils, dass 28 Prozent der Flüchtlinge im Kreis von der Stadt untergebracht werden müssen.

In den vergangenen fünf Jahren ist es gelungen, die betroffenen Menschen, im Schnitt jährlich 200 bis 250 Personen, überwiegend dezentral unterzubringen. An diesem Weg wollen Stadt und Gemeinderat festhalten, das bisherige Konzept fortschreiben und anpassen, um weiter den notwendigen Wohnraum für Flüchtlinge und wohnungslose Haushalte sicherstellen zu können. Aktuell sind rund 900 Personen von der Stadt in einer Unterkunft untergebracht, davon sind knapp 700 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung. Für das Jahr 2020 rechnet die Stadt mit 115 Flüchtlingen, wobei bereits über 50 untergebracht werden können. Hinzu kommen noch sonstige obdachlose Personen, von denen allein im Jahr 2019 40 Personen untergebracht wurden. Zwölf von diesen 40 haben inzwischen wieder den Weg aus der Obdachlosigkeit gefunden.

„Unser Ziel ist dabei weiterhin eine dezentrale Unterbringung, also eine Verteilung über das gesamte Stadtgebiet einschließlich der Ortschaften – und im besten Fall sollen aus der Unterbringung eines Tages ganz normale Mietverhältnisse werden“, betont Stauber. Daher sollen zur Unterbringung möglichst Wohnungen genutzt werden, auch um die Integration zu fördern. Große Gemeinschaftsunterkünfte mit Mehrfachnutzung von sanitären Anlagen sollen dagegen möglichst vermieden werden.

Derzeit verfügt die Stadt über vier Notunterkünfte, die eine zentrale Wohnraumversorgung darstellen, außerdem werden rund 220 Wohnungen für die dezentrale Unterbringung genutzt. Darüber hinaus sind in der Konzeption Wohnungen der Städtischen Wohnbaugesellschaft und der Zeppelin Wohlfahrt berücksichtigt. „Die dezentrale Unterbringungsform zeichnet sich dadurch aus, dass sich die untergebrachten Personen in einem normalen Wohnumfeld eingliedern können“, betont Stauber. Da bisher nur wenige Wohnungen zur Unterbringung in den Ortschaften genutzt werden, dort aber die Chancen für eine erfolgreiche Integration größer als in einem verdichteten, städtischen Wohnquartier seien, sollen nun auch die guten Rahmenbedingungen in den Ortschaften in die Konzeption aufgenommen und stärker genutzt werden. Als Potenziale werden in der Sitzungsvorlage für Kluftern die Immenstaader Straße, für Ailingen die Ittenhauser Straße 7, Ittenhausen-Nord, Reinachweg und Bodenseestraße in Wiggenhausen aufgeführt.

Wo sich trotz des dezentralen Ansatzes Häufungen nicht vermeiden lassen, wie etwa bei den Planungen für den Wachirweg, legt die Stadt besonderes Augenmerk auf einen ersten Ansprechpartner vor Ort in Form eines Quartiersmanagers: : „Eine fortlaufende Beratung und Begleitung der Personen in dem zugewiesenen Wohnraum ist Voraussetzung für ein gutes Miteinander in dem sich entwickelnden Quartier (…) Durch die direkte intensive Betreuung ergibt sich außerdem die Chance für die Personen, sich wieder in der Gesellschaft zurecht zu finden.“, heißt es in der Sitzungsvorlage. In den vorhandenen größeren Unterkünften, wie der Keplerstraße 7, sollen Verbesserungen der sanitären Anlagen und die Nutzung nur noch von Einzelzimmern, die Situation insgesamt verbessern.

Kurzfristig sollen auch die Gebäude Ailinger Straße 10 und Eckenerstraße 11 instandgesetzt und umgebaut werden, weitere Gebäude und Grundstücke werden geprüft. Die soziale Begleitung der Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung durch das städtische Integrationsmanagement, das 2018 eingerichtet wurde, ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die gelingende Integration. Mittlerweile wurden fast 6.000 Beratungsgespräche geführt. Auf der Basis von Integrationsplänen zu allen wichtigen Lebensbereichen konnten bereits rund 70 Prozent der betreuten Flüchtlinge in Kindertagesstätten, Schulen, Arbeit, Ausbildung, Sprachkurse oder eine Qualifizierungsmaßnahme vermittelt werden.

Info: Weitere Informationen und alle Vorlagen zu den aktuellen öffentlichen Sitzungen des Gemeinderates und der Ortschaftsräte sind im Internet unter www.sitzungsdienst.friedrichshafen.de zu finden.