OB richtet dringenden Aufruf an Landesregierung

In einem Brief an Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann appelliert Oberbürgermeister Andreas Brand, so schnell wie möglich, den vollständigen Regelbetrieb in den Kindertagesstätten in Baden-Württemberg aufzunehmen.

Darin drückt er seine Sorge aus, dass sich die Lage bei den Eltern und Kindern zunehmend zuspitzt. Seit nahezu drei Monaten gehen die Kinder nicht mehr in die Kindertagesstätten, wenn die Eltern nicht in systemrelevanten Berufen arbeiten und auch sonst keinen Anspruch auf die Notbetreuung haben. Konkret geht es um die Forderung an das Land, den vollständigen Regelbetrieb wiederaufzunehmen.

Aufgrund der aktuellen Infektionszahlen wurden in den letzten Tagen und Wochen schrittweise Lockerungen und Wiedereröffnungen möglich. Das ist richtig und angezeigt. Deshalb können Versammlungen von bis zu 99 Personen wieder durchgeführt werden, die Bäder haben wieder geöffnet und der Schulbetrieb wird wieder möglich.

„Ich sehe es deshalb für sehr wichtig an, dass auch der vollständige Regelbetrieb in den Kindertagesstätten so schnell wie möglich wieder anläuft. Ich bin besorgt darüber, dass sich die Lage bei den Eltern und Kindern zunehmend zuspitzt. Die Kinder waren teilweise seit Mitte März nicht mehr in ihren Kindertagesstätten“, schreibt Oberbürgermeister Brand. Endlich wieder mit Freunden im Kindergarten spielen – darauf müssen viele Mädchen und Jungen teilweise seit 17. März warten.

Die Wiederaufnahme des eingeschränkten Regelbetriebes ab 18. Mai, so Brand, half den Eltern und Kindern nur bedingt. Viele der insgesamt 44 Kindertagesstätten in Friedrichshafen kommen allein aufgrund der Notbetreuung zwischenzeitlich an die Kapazitätsgrenze der maximal möglichen Belegung von 50 Prozent der regulären Platzzahl. „Damit ist ein rollierendes System für alle anderen Kinder der Einrichtungen nicht mehr möglich und die Kinder müssen nach wie vor zuhause bleiben“, schreibt Brand.

Der fehlende Kontakt zu Gleichaltrigen kann sich negativ auf die Kinder auswirken. Und auch die Eltern sind mit ihren Kräften zwischenzeitlich am Ende. „Seit Tagen erreichen uns verzweifelte Briefe, E-Mails und Anrufe von Eltern, in denen sie die prekären Situationen in den Familien eindrücklich darstellen“, so Brand. Sie alle fordern uns als Stadt auf, zu handeln.

„Wir können aber erst handeln, wenn uns die erforderlichen Rahmenbedingungen gegeben werden. Bis dahin müssen wir die Eltern vertrösten“. Nachdem in den letzten Tagen und Wochen eine ganze Reihe von Lockerungen und Wiedereröffnungen möglich waren, ist das Unverständnis bei den Eltern umso größer.

„Ich bitte Sie deshalb eindringlich, die Wiederaufnahme des vollständigen Regelbetriebes der Kindertagesstätten nicht erst Ende Juni, sondern so schnell als möglich umzusetzen und uns die erforderlichen Rahmenbedingungen an die Hand zu geben“, appelliert OB Brand an die Kultusministerin Eisenmann. Nur so sei es möglich, den Eltern und Kindern den Schritt in die Normalität zu ermöglichen.