Mittwoch, 04. März 2020

Integrationsbeirat will Aufgaben anpacken

Der neue Integrationsbeirat der Stadt Friedrichshafen hat seine Arbeit aufgenommen. Erste Projekte hat der Beirat jetzt schon vor Augen. Auf Grundlage eines breiten Beteiligungsprozesses wurde die Integrationspolitik der Stadt Friedrichshafen 2018/19 auf neue Füße gestellt und besteht jetzt aus drei Gremien: dem Integrationsbeirat, dem Forum der Kulturen und dem Forum der Religionen.
Zwei Frauen und zwei Männer stehen vor Gebäude
von links: Bürgermeister Andreas Köster, Natascha Garvin (Leiterin der Abteilung Integration im Amt für Soziales, Familie und Jugend), Jasmina Brancazio und Martin Kunze (sachkundige Einwohner im Integrationsbeirat).

„Angesichts des wachsenden Rassismus und der damit verbundenen Gefahren für den Zusammenhalt der Gesellschaft und für die Demokratie brauchen wir den Integrationsbeirat als ein wichtiges Instrument zur Stärkung der demokratischen Partizipation dringender denn je. Mit seinen zahlreichen Aktivitäten und Kooperationen setzt er sich für Chancengleichheit der in Friedrichshafen lebenden Menschen mit Migrationshintergrund ein“, so Bürgermeister Andreas Köster im Rahmen des Pressegespräches im Rathaus.

Das neue Modell mit drei Gremien sorgt für effiziente Arbeitsabläufe und transparente Zuständigkeiten und stärkt sowohl die politische Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund als auch die Orientierung am Gemeinwohl.

Der Integrationsbeirat hat eine strategische Funktion und berät den Gemeinderat in allen integrationspolitischen Fragen in Friedrichshafen. Er setzt Expertenwissen ein, um neue Entwicklungen, Trends und Tendenzen aufzufangen und ihnen zu begegnen.

Der Integrationsbeirat setzt sich wie folgt zusammen: acht Sitze für sachkundige Einwohnerinnen und Einwohner mit Migrationshintergrund, sechs Sitze für professionelle Träger der Integrationsarbeit (Caritas Bodensee-Oberschwaben, Christliches Jugenddorfwerk (CJD) Bodensee-Oberschwaben, Diakonisches Werk des Evangelischen Kirchenbezirks Ravensburg, Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Bodenseekreis, Johanniter-Unfall-Hilfe Bodenseekreis und vhs Friedrichshafen), ein Sitz für die geschäftsführende Schulleitung, ein Sitz für die Verwaltung sowie Vertreter des Gemeinderates und Vertreter des Jugendparlaments.

Der Beirat kann – je nach Handlungsfeld und Thema – für konkrete Sitzungen weitere Akteure zur Beratung hinzuziehen, wie zum Beispiel die Agentur für Arbeit, den Stadtsportverband, die Zeppelin-Universität, das Gesundheitsamt oder die Polizei.
„Wir haben mit einer sehr erfolgreichen Plakatkampagne im vergangenen Sommer um sachkundige Einwohner geworben. Eine Jury hat dann ausgewählt, wer dem Integrationsbeirat angehören soll. Ein Kriterium dabei war das persönliche Engagement der Bewerber. Zudem achteten wir darauf, dass der Beirat mit Blick auf Alter, Geschlecht, Vorerfahrungen und Herkunftsregion durchmischt war“, erklärt Natascha Garvin, Abteilungsleiterin der Abteilung Integration im Amt für Soziales, Familie und Jugend.
Die Amtszeit des Integrationsbeirats ist an die des Gemeinderates gekoppelt. Die Sitzungsleitung liegt beim Amtsleiter des Amtes für Soziales, Familie und Jugend, die Geschäftsführung bei der städtischen Integrationsbeauftragten. Der Integrationsbeirat tagt in der Regel dreimal bis viermal im Jahr.

Bei einem Workshop im November 2019 legten sich die Mitglieder des Integrationsbeirates auf mehrere Schwerpunkte für die kommenden fünf Jahre fest. Ein Kernpunkt ist es, das „Wir-Gefühl“ zu entwickeln und Identität zu schaffen, indem Begegnungen gefördert, die Vielfalt und die Teilhabe gestärkt werden und der Beirat sich gegen Diskriminierung positioniert.

Eine weitere Aufgabe sieht der Integrationsbeirat darin, durch mehr Öffentlichkeitsarbeit transparenter zu sein und sich eng untereinander zu vernetzen. Ein Ziel für die nächsten fünf Jahre ist es auch, die Demokratie zu stärken. Außerdem legen die Mitglieder des Integrationsbeirates ein hohes Augenmerk auf das Thema Bildung, um so Zugewanderte besser zu integrieren.

Angelehnt an den Integrationsplan im Bodenseekreis, wird der Integrationsbeitrat im Laufe des Jahres einen Integrationsplan für die Stadt Friedrichshafen entwickeln und darin seine Ziele und Maßnahme festlegen. Im Herbst 2020 ist ein Treffen mit den Mitgliedern des Forums der Kulturen und des Forums der Religionen geplant, um sich gegenseitig kennenzulernen und zu vernetzen.

Dem Integrationsbeirat gehören an:
Hans-Jürgen Bauer (Stadtrat, CDU), Elke Bott-Eichenhofer (CJD), Jasmina Brancazio (sachkundige Einwohnerin), Lisa Czok (sachkundige Einwohnerin), Ömer Demircan (sachkundiger Einwohner), Hassan Enadifi (sachkundiger Einwohner), Stephanie Glatthaar (Stadträtin Bündnis 90/Die Grünen), Angelika Hipp-Streicher (Caritas), Dr. Dagmar Höhne (Stadträtin FW), Karl-Heinz Jaekel (DRK), Larissa Kazungu-Igumba (sachkundige Einwohnerin), Christine Krämer (sachkundige Einwohnerin), Martin Kunze (sachkundiger Einwohner), Marlene Löffler (Jugendparlament), Dr. Marion Morcher (Stadträtin ÖDP/parteilos), Babette Reitz (vhs Friedrichshafen), Steffen Rooschüz (geschäftsführender Schulleiter), Simona Sohm (Stadträtin Netzwerk für Friedrichshafen), Thaddiana Stübing (Diakonie), Hüda Tuzlu (sachkundiger Einwohner), Yannick Wiest (Johanniter) und Lutz Zindel (Jugendparlament).

Termine der öffentlichen Sitzungen:
Donnerstag, 19. März 2020, 17 Uhr – 20 Uhr, Rathaus Adenauerplatz
Donnerstag, 2. Juli 2020, 17 Uhr – 20 Uhr, Rathaus Adenauerplatz
Donnerstag, 19. November 2020, 17 Uhr – 20 Uhr, Rathaus Adenauerplatz

Informationen:
In Friedrichshafen leben derzeit 12.243 ausländische Bürgerinnen und Bürger aus 133 unterschiedlichen Nationen. Das sind rund 20 Prozent der Friedrichshafener Bevölkerung (Stand: 03.03.2020 = 62.586 Einwohnerinnen und Einwohner). Die zehn meistvertretenen Nationalitäten in Friedrichshafen sind: Türkei, Italien, Kroatien, Syrien, Rumänien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Polen. Derzeit leben 915 geflüchtete Menschen in der Anschlussunterbringung in Friedrichshafen.