Montag, 11. Juli 2022

Gutes Gewissen beim winterlichen Eisstockspaß

Die Häfler Stadtmeisterschaften im Eisstockschießen sind für viele Teams ein großer Spaß. Andererseits verbraucht eine Eisbahn viel Strom und Wasser. Angesichts der Diskussionen um Energiesparen und Klimaschutz haben Stadt und Stadtmarketing nach einem Weg gesucht, den Spaß zu erhalten und trotzdem auf die aktuellen Herausforderungen zu reagieren. Sie sind fündig geworden: Es wird zukünftig eine reine Eisstockbahn aus Synthetik-Eis geben.
Eisstock auf einer Synthetikeis-Eisstockbahn

Wintersport in der Häfler Innenstadt soll es weiterhin geben – aber anders als bisher: Stadtmarketing Friedrichshafen GmbH und das Amt für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung haben sich für zwei Synthetikeis-Eisstockbahnen aus Kunststoff entschieden: So kann es weiterhin die beliebten Stadtmeisterschaften im Eisstockschießen geben – und das klimafreundlich und energiesparend.

„Vereins- und Firmenteams können sich freuen“, kündigt Thomas Goldschmidt, Geschäftsführer der Stadtmarketing Friedrichshafen GmbH, an. Trotz Energiekrise und der Diskussion um den Klimawandel wird es im kommenden Winter während des Weihnachtsmarktes die Möglichkeit zum Eisstockschießen und die beliebten Stadtmeisterschaften im Eisstockschießen geben. „Einen Wermutstropfen gibt es allerdings“, erläutert Goldschmidt. „Schlittschuhlaufen wird nicht mehr möglich sein, bei den Bahnen handelt es sich um reine Eisstockbahnen.“

Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen, vor allem aber mit Blick auf Energiekrise und Klimaschutz sei dieser Schritt unausweichlich gewesen. Der Stadtmarketing-Beirat, in dem auch Vertreter des Gemeinderats und des Stadtforums sitzen, unterstützt die Entscheidung einstimmig und sieht in den Eisstockbahnen die beste Lösung. Eine Kunststoff-Eisfläche zum Schlittschuhlaufen wurde vom Beirat in der Diskussion übrigens vorerst verworfen: „Vor einigen Jahren war eine Eislauffläche aus Kunststoff auf dem Buchhornplatz im Einsatz, die jedoch bei den Eisläufern glatt durchgefallen ist – vor allem wegen der anderen Laufeigenschaften“, erläutert Goldschmidt.

„Mit den beiden Eisstockbahnen können wir auf das Dilemma reagieren, dass die bisherige Eisbahn auf dem Romanshorner Platz durch die warmen Winter immer mehr Strom zum Kühlen und Herstellen des Eises benötigt und die rasant wachsenden Strompreise die Kosten für das Schlittschuhlaufen zusätzlich in die Höhe treiben“, sagt Goldschmidt. Zuletzt verbrauchte die Häfler Eisbahn auf dem Romanshorner Platz von Mitte November bis Anfang Januar über 60.000 Kilowattstunden Strom. Lag in früheren Jahren der Anteil der Kosten für Strom an den Gesamtkosten der Eisbahn bei unter 15 Prozent, drohte im kommenden Winter der Anteil auf rund 25 Prozent anzusteigen. Immer mehr Städte stellen daher aktuell mobile Eisbahnen auf den Prüfstand. Auch das Team aus Stadtmarketing und Amt für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung schaute sich nach Alternativen um. Schnell wurden sie fündig: Was vielen beim Schlittschuhlaufen Schwierigkeiten macht, fällt beim Eisstockschießen dank der sehr guten Gleitfähigkeit kaum auf: Synthetikeis ersetzt das energieintensive Eis aus Wasser.

Die Energiebilanz der beiden Eisstockbahnen aus Synthetikeis kann sich dabei sehen lassen: Gegenüber einer mobilen Eisbahn gleicher Größe wird durch die beiden zusammen 96 Quadratmeter großen Eisstockbahnen so viel Strom eingespart, wie 96 Haushalte in der Saison verbrauchen. Pro Betriebsmonat bedeutet dies eine Einsparung von 2,4 Tonnen Kohlendioxid. Außerdem werden noch knapp 5.000 Liter Wasser eingespart. Um die Nachhaltigkeit zu steigern, pflanzt der Hersteller zum Ausgleich aller CO2-Emissionen im Zusammenhang mit der Herstellung und dem Transport der Kunststoffbahn zudem 48 Bäume.

Die zwei 16 x 3 Meter großen Eisstock-Bahnen werden vom 25. November bis 22. Dezember im Rahmen des Weihnachtsmarktes auf dem Romanshorner Platz aufgebaut. Durch den platzsparenden Aufbau besteht zudem die Möglichkeit, den Romanshorner Platz besser in den Weihnachtsmarkt zu integrieren und dort einige Stände zu platzieren. „Dadurch wird die Bodenseeweihnacht noch attraktiver“ freut sich Cathrin Batzner, die Marktverantwortliche bei der Stadtverwaltung. Wie gewohnt wird es wieder Stadtmeisterschaften im Eisstockschießen geben. Für Kinder von 10 bis 15 Jahren wird ein Kids-Cup angeboten und Schulklassen bekommen die Möglichkeit zur Austragung von Klassenmeisterschaften. Die Anmeldung für die Turniere wird am Montag, 16. September starten. Nachmittags kann in Zukunft jede Familie oder Kleingruppe eine Eisstockbahn günstig mieten, um das Eisstockschießen auszuprobieren und Spaß beim gemeinsamen Spiel zu haben.