Freitag, 16. April 2021

Den Trauernden eine Stimme geben

Oberbürgermeister Andreas Brand
Porträt Andreas Brand

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

am Sonntag werden wir, wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin und in vielen Städten und Gemeinden auch in Friedrichshafen der Opfer der Corona-Pandemie gedenken.

Wir wollen an diesem Tag den Menschen, die sogar in ihrer Trauer gezwungen sind, Einschränkungen hinzunehmen, Trost zusprechen und der Verstorbenen würdevoll gedenken. Zu oft mussten und müssen Angehörige von ihren Liebsten Abschied nehmen, ohne die Anteilnahme durch Freunde, Bekannte und Nachbarn.

Die Glocken der Kirchen in Friedrichshafen tragen in ihrem Klang in sich, was uns in diesen Tagen bewegt: Die Trauer um die Opfer der Pandemie. Die Verbundenheit mit den Hinterbliebenen. Die Hoffnung, dass wir diese Jahrhundertherausforderung gut meistern. Das Unbehagen und die Ungeduld, die wir angesichts von Kontaktbeschränkungen, der notwendigen Einschränkungen unserer Freiheitsrechte und der Geschwindigkeit der Impfungen empfinden. Die Unsicherheit, was diese Pandemie an politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Folgen noch für uns bereithält.

Wir wollen uns an die Verstorbenen in unserer Stadt erinnern. Deshalb entzünden wir für jeden Menschen eine Kerze. Es sind Menschen aus unseren Familien, aus unserem Freundeskreis, aus der Nachbarschaft, aus dem Verein, es sind Arbeitskolleginnen oder -kollegen, es sind Menschen jeden Alters, aller Glaubensrichtungen, aller Nationalitäten und aus allen Stadtteilen. Das Virus macht keinen Unterschied.

Eine Trauerfeier darf wegen der Corona-Beschränkungen nur im kleinen Rahmen und ohne Öffentlichkeit stattfinden. Deshalb bitte ich Sie: Stellen Sie als ein ganz besonderes Zeichen Ihrer Verbundenheit mit den Opfern und den Angehörigen eine leuchtende Kerze zuhause in Ihr Fenster.

Dies kann für uns alle ein Licht sein, das Mut macht. Viele Menschen geben an unterschiedlichen Stellen ihr Bestes. Ich danke allen, ob Hauptamtlichen oder Ehrenamtlichen, die sich für das Gemeinwohl engagieren und täglich für uns da sind. Wenn ich mir dieses große Engagement der Menschen in unserer Stadt vor Augen führe, dann bin ich zuversichtlich, dass wir diese Krise gemeinsam meistern.

Der amerikanische Dichter Robert Frost hat einmal gesagt: „In drei Worten kann ich zusammenfassen, was ich über das Leben gelernt habe: Es geht weiter.“ Die Kerzen und das Glockenläuten am Sonntag sind ein Zeichen der Hoffnung für die Hinterbliebenen der Opfer.

Ihr

Andreas Brand
Oberbürgermeister