Baukulturpreis: Wohnbebauung Allmand Carré gewürdigt

Die Kreisbaugenossenschaft eG Friedrichshafen, die Architektengemeinschaft Hirthe- Lanz Schwager BDA sowie das Landschaftsarchitekturbüro 365° freiraum + umwelt wurden für das Projekt Wohnbebauung Allmand Carré mit dem Baukulturpreis Friedrichshafen 2020 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde erstmals vergeben.
Männer stehen auf der Treppe und halten Urkunden
(von links) Nicolas Schwager, Lanz Schwager Architekten, KN, Christian Seng, 365° freiraum + Umwelt, Überlingen, Bernhard Küchle, Kreisbaugenossenschaft eG, Thomas Hirthe, Hirthe Architekten, FN, Thomas Linse, Kreisbaugenossenschaft eG, Dr. Wolfgang Sigg, Kreisbaugenossenschaft eG.

Er soll künftig alle zwei Jahre verliehen werden. Eine Anerkennung für die vorbildliche Sanierung von Fallenbrunnen 1 erhielten die Bauknecht Projekt Fallenbrunnen GmbH als Bauherr sowie die Architekten Hildebrand + Schwarz Architekten und das Büro 365° freiraum + umwelt.

Am Mittwoch, 30. September wurde zum ersten Mal der Baukulturpreis der Stadt Friedrichshafen im Hugo-Eckener-Saal verliehen. Unter den geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen war nur eine begrenzte Zahl an Gästen im Hugo-Eckener-Saal des Graf-Zeppelin-Haus zur Verleihung zugelassen. Trotz der Einschränkungen war es ein festlicher Rahmen, in dem der erste Baukulturpreis 2020 übergeben wurde. Begrüßt wurden die Gäste von Ersten Bürgermeister Dr. Stefan Köhler. Die Festrede zum Thema Baukultur hielt Rainer Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur. Hinzu kamen Videobotschaften von Schirmherrn und Oberbürgermeister Andreas Brand, von der Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg, Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, vom Präsidenten der Architektenkammer Baden-Württemberg, Markus Müller und von Stefan Behnisch von Behnisch Architekten in Stuttgart.

„Wir wollen mit dem Baukulturpreis Anreize schaffen, qualitätsvoll zu bauen. Gleichzeitig wollen wir die lokale Baukultur stärken und das öffentliche Bewusstsein für Baukultur im Alltag schärfen sowie das Stadtgrün fördern und die stadtbildprägende Bausubstanz erhalten. Um qualitätsvolle Bauwerke zu schaffen, müssen alle am Bau Beteiligten zusammenwirken. Deshalb würdigt der Preis auch die Leistung der Planer und Planerinnen sowie der Bauherrinnen und Bauherren“, sagte Erster Bürgermeister Dr. Stefan Köhler.

Erster Baukulturpreis geht an die Kreisbaugenossenschaft und die Architektengemeinschaft Hirthe- Lanz Schwager BDA
Mit dem Baukulturpreis ausgezeichnet wurde die Kreisbaugenossenschaft eG Friedrichshafen und die Architektengemeinschaft Hirthe- Lanz Schwager BDA für ihre gelungene Wohnbebauung Allmand Carré. Für die Tragwerksplanung zuständig waren Baustatik Relling und die gelungene Außenanlage wurden gestaltet vom Landschaftsarchitekturbüro 365Grad freiraum + umwelt. Zusätzlich war Diether F. Domes für die Kunst am Bau verantwortlich.

Im Allmand-Carré hat die Kreisbaugenossenschaft Bodenseekreis 97 Wohnungen geschaffen, darunter 38 betreute Seniorenwohnungen und eine Seniorenwohngemeinschaft. In der Begründung der Jury heißt es: Die vier senkrecht zur inzwischen attraktiv umgebauten und verkehrsberuhigten Allmandstraße angeordneten Wohn- und Geschäftshäuser leiten mit ihrer städtebaulich kammartigen, offenen Parallelstruktur in überzeugender Weise vom Straßenraum im Westen in den Grünraum im Osten des Areals über.

Die Bauzeilen bilden entlang der Allmandstraße und gegenüber der Pestalozzi-Schule mit ihren im Erdgeschoss gewerblich genutzten Köpfen eine klare Bauflucht aus, während sie am anderen Ende – spielerisch in ihrer Länge differenziert – im Grünen enden. Das Ensemble fügt sich gekonnt in den Kontext der bestehenden Umgebungsbebauung ein. Die Gartenbereiche überzeugen durch halböffentliche und private Grünzonen, Wege und Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität, nicht zuletzt auch durch die vielfältige Staudenbepflanzung.

Alle vier Bauzeilen weisen zwischen dem (kleineren) öffentlichen Vorhof und dem (größeren) Grünbereich im Osten einen Flächenversprung auf, der auch mit einem Geschossversatz (alternierend vier bzw. fünf Geschosse nach vorne bzw. hinten) einhergeht – dadurch entsteht eine angenehme und spannungsreiche Differenzierung der insgesamt sehr dichten (aber nicht als solche empfundenen) Bebauung.

Die unterschiedlichen Wohnungstypologien der 97 preisgedämpften Wohnungen durchmischen sich in der Anlage vorbildhaft, alle Wohnungen sind konsequent nach Süden ausgerichtet. Beispielhaft ist auch das Angebot eines Veranstaltungsraums mit Mittagstisch im Erdgeschoss, der zugleich als Begegnungsstätte für Bewohner aller Altersgruppen genutzt wird. Die durchgängige, hellbeige Klinkerfassade vermittelt in Verbindung mit einer großzügigen Durchfensterung einen wertigen und zeitlos-nachhaltigen Charakter mit hohem architektonischem Anspruch.

Als erster Preis aus einem offenen Architektenwettbewerb hervorgegangen entspricht das „Allmand-Carré“ in prototypischer Weise der Zielsetzung und dem Anspruch des Baukulturpreises der Stadt Friedrichshafen.

Anerkennung geht an Bauknecht Projekt Fallenbrunnen GmbH und Hildebrand+Schwarz Architekten
Darüber hinaus sprach die Jury eine Anerkennung aus, und zwar für die Sanierung des Gebäudes in Fallenbrunnen 1. Diese ging an den Bauherrn Bauknecht Projekt Fallenbrunnen für die vorbildliche Sanierung eines alten Kasernengebäudes, in dem die Swiss International School untergebracht ist. Architekten waren Hildebrand+Schwarz Architekten GmbH aus Friedrichshafen. Die Außenanlagen dieses Projekts wurden ebenfalls vom Landschaftsarchitekturbüro 365Grad freiraum + umwelt gestaltet.

Das Areal der ehemaligen Flakkaserne Fallenbrunnen, ab 1936 etwas außerhalb der Stadt Friedrichshafen erbaut, sollte laut Wunsch der Stadt zu einem "Wissensstandort" adaptiert und ausgebaut werden. Dazu sollten einerseits die sechs U-förmigen Bestandsgebäude in ihrer Charakteristik erhalten werden und andererseits durch zeitgemäße Neubauten auf dem mehrere Hektar großen Gelände das Bildungsangebot entsprechend erweitert werden.

Die Ansiedlung der bereits in Friedrichshafen ansässigen SIS - Swiss International School - auf dem Areal bot die Gelegenheit, eines dieser mächtigen Bestandsgebäude entsprechend zu transformieren. Dabei sollen, so die Vorgabe der Stadt, die prägenden Elemente der Lochfassade und das riesige Dach erhalten bleiben. Dem Planungsteam gelang es durch und trotz schonendem Umgang mit dem Bestand ein Gebäude mit völlig neuen Qualitäten zu generieren. Erwähnt werden im Besonderen der Ausbau des Dachraumes in eine lichtdurchflutete Mensa mit sichtbarem Holztragwerk durch die gezielte Setzung von Dachgaupen und Dachflächenfenstern sowie die Verbesserung der Flächennutzung durch eine Abgrabung auf der Südseite des Gebäudes mit barrierefreien Ausgängen in den sorgfältig gestalteten Außenraum. Wie bereits beim Preisträger des Baukulturpreises war bei der Anerkennung ebenfalls ein Landschaftsarchitekturbüro beteiligt, was die Jury bei beiden Projekten als großen Gewinn für das Gesamtprojekt wertete.

Auch die teilweise Schließung des Hofbereiches mit einem niedrigen Erweiterungsbau für die notwendige Turnhalle und die damit verbundene "Privatisierung" des Hofes für die Schule, die räumliche Aufweitung der strengen Flurzonen zu qualitativ hochwertigen Unterrichtszonen sowie die Ertüchtigung des Gebäudes für eine behindertengerechte Nutzung müssen genannt werden. Zusammen also eine Vielzahl an geglückten Interventionen im Bestand, ohne seine Qualitäten zu schmälern und seine Historie vergessen zu lassen.

Überreicht wurden die Urkunden und die Plakette für den Baukulturpreis an die Preisträger des Baukulturpreis Friedrichshafen 2020 sowie die Urkunden für die Anerkennung von Ersten Bürgermeister Dr. Stefan Köhler und dem Vorsitzenden des Preisgerichtes Wolfgang Riehle.

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