Montag, 17. Dezember 2018

2.200 Kilometer mit dem Klapprad nach Polozk

Größtes Erstaunen erntete der Radsportbericht beim diesjährigen Heldenabend des Freundeskreis Uphill (kurz FkU).
Mann, Fahrrad, Tafel
Roland Hecht: 2.200 Kilometer mit dem Klapprad bis in die weißrussische Partnerstadt Polozk

Nach den Bildvorträgen der vergangenen zwei Jahre, bei denen die Vereinsmitglieder Martin Abt und Hartwig Plath mit Radsportausfahrten in die Pyrenäen und in den Himalaya bereits für Furore gesorgt hatten, und damit die Maßlatte für Nachfolgende deutlich nach oben gehängt hatten, durfte sich der Vorsitzende des FkU, Roland Hecht, selbst mit einer radsportlichen Reise zu einem zuvor nicht veröffentlichtem Ziel ankündigen.

Sein Arbeitgeber, die ZF Friedrichshafen AG hatte ihm eingangs des Jahres nach 37 Jahren Betriebszugehörigkeit einen zweiwöchigen Erholungsurlaub geschenkt. Diesen Sonderurlaub wollte er nutzen, um sich den lange gehegten Wunsch nach einer einsamen Abenteuertour zu erfüllen. Nachdem Hecht bereits 2001 in der ersten Häfler Radgruppe nach Sarajevo geradelt war, Saint Dié schon mehrfach mit dem Rad bereist wurde und er 2017 mit einer 612-Kilometer-Non-Stop-Tour nach Imperia einen städtischen Rekord gesetzt hatte, sollte nun das bis dato nie befahrene Polozk  Ziel einer radsportlichen Herausforderung werden.

Trotz sechsmonatiger Planungsphase für Visabeschaffungen, GPS-Streckenplanung, Fahrradoprtimierungen und Konfektionierung selbstentwickelter Kleinstpacktaschen (in der Radszene bekannt als Bike-Packing) gelang es Hecht das Ziel der Reise unter Verschluss zu halten. Schließlich sollte der Erholungsurlaub nicht durch Druck von aussen getrübt sein.

So fanden sich rund 50 Gäste auf dem Höchsten in der vereinseigenen Berghütte und dem eigens dafür aufgebauten beheizten Festzelt ein, um mit einer Verkostung selbstgebrauten Bieres den im Verein alljährlich organisierten „Heldenabend“ zu starten und in netter Atmosphäre über das immer noch unbekannte Ziel der Reise zu diskutieren.

Über Italien, Frankreich oder Griechenland war spekuliert worden, Weißrussland jedoch hatte keiner auf dem Schirm. Um so überraschter fielen dann die Reaktionen über die sportliche Höhe der Reise und das von Hecht gewählte Fahrrad aus. Mit einem Faltrad (besser bekannt als Klapprad) war der Vorsitzende des FkU am 2. August zu seinem „RusslandFALTzug“ in Friedrichshafen gestartet , um mit einer Tagesleistung von 220 Kilometern über Bayern, Österreich, Tschechien, Polen nach Weißrussland sportlich anspruchsvoll zu radeln.

Neben durchgehend starkem Ostwind setzte ihm der schlechte Zustand der Straßen in den ehemaligen Staaten des Warschauer Paktes deutlich zu. Bereits nach 1.100 Kilometer verabschiedete sich der erste Reifen mit beängstigetem Höhenschlag, zu heftig waren die vielen Schlaglöcher und die ab und an vorgefundenen Schotterpassagen. Bei nur einem mitgenommenen Ersatzreifen schien das Erreichen Polozks nun in Frage gestellt.

Am 12. August erreichte Hecht nach 2.200 Kilometer und der Überschreitung der Dwina kurz vor der russischen Grenze Polozk, die weißrussische Partnerstadt Friedrichshafens.  Als erster Häfler beendete er die überwaltigende Radtour sichtlich erschöpft und ca. sieben Kilogramm leichter. Wie richtig die Entscheidung für das sonst eher unhandliche Klapprad war, erwies sich nun bei der Fahrt im Nachtzug nach Sankt Petersburg. Denn Fahrräder nimmt die russische Eisenbahn nicht mit. Ebenfalls hilfreich war bei der komplett ungeplanten Rückreise die Entscheidung  nahezu ohne Gepäck zu fahren. Neben einem Ersatzreifen und Schlauch, einer Regenhose und Regenjacke, einer Zahnbürste und einem Stückchen Kernseife bemerkte Hecht bei seiner Bildpräsentation humorvoll speziell an die Adresse der zahlreich erschienene Radsportdamen, dass er ein T-Shirt, eine kurze Hose und nur einen einzige Unterhose für die Radsportreise über zwei Wochen benötigte.

Abgerundet wurde der Abend beim anschließenden Erfahrungsaustausch mit der zur Präsentation ebenfalls erschienen Delegation des Freundeskreis Polozk. Voller Freunde wurde den Vereinsmitgliedern mitgeteilt, dass die obligatorische Vereinskollekte des FkU komplett für das nächste soziale Projekt des Städtepartnerschaftsvereins für Polozk gespendet werde.