Mittwoch, 14. Dezember 2016

Unterbringung gelingt – Integration bleibt Herausforderung

Die Unterbringung und Integration von geflüchteten Menschen in der Stadt Friedrichshafen ist eine tägliche Herausforderung.

Mit Blick auf das Jahr 2016 kann die Stadt bei der Unterbringung eine vorsichtig positive Bilanz ziehen: Allen Flüchtlingen, die vom Landratsamt an die Stadt zur sogenannten Anschlussunterbringung übergeben wurden,  konnte die Stadt Wohnraum bieten. „Unterbringung ist die erste Aufgabe, die wir erfüllen müssen – auf die dann die nächste Herausforderung folgt: die Integration“, betont Bürgermeister Andreas Köster im Pressegespräch.

Mit Stand zum 30. November waren insgesamt 466 Menschen in der Stadt Friedrichshafen in der sogenannten Anschlussunterbringung. Aus Syrien stammen 332 Menschen, gefolgt von 41 Menschen aus dem Irak, 21 aus Nigeria und 20 aus Pakistan sowie vereinzelt aus weiteren Ländern. „Insgesamt waren im Jahr 2016 bisher – Stand 13. Dezember – 323 Flüchtlinge nicht in der Lage, selbst eine Unterkunft zu finden – diese Menschen wurden daher von der Stadt untergebracht“, erläutert Hans-Jörg Schraitle, Leiter des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Umwelt.

Bei der Unterbringung verfolge die Stadt von Anfang an das Konzept der dezentralen Unterbringung, betont er im Mediengespräch: „Wir versuchen, die Menschen vor allem in Wohnungen, also möglichst verteilt in Wohngebieten, unterzubringen, denn wir wissen, dass dann Integration leichter gelingen kann.“ Im Bereich der Anschlussunterbringung gebe es nur zwei Unterkünfte mit einmal 40 und einmal12 Plätzen, die nicht als dezentrale Unterbringung gelten.

Im Jahr 2016 gab es von Monat zu Monat starke Schwankungen bei den Zuweisungen in die Anschlussunterbringung: Waren es im September nur fünf und im Juni neun Menschen wurden vom Landratsamt im April 40, im Juli 52 und im November 48 Flüchtlinge der Stadt zur Unterbringung zugewiesen. „Die Schwankungen fordern uns stark“, so Schraitle. Trotz allem gibt Schraitle eine vorsichtig positive Prognose ab: „Wir gehen davon aus, dass die Unterbringung auch im Jahr 2017 gelingt.“ Nach derzeitigen Prognosen rechnet die Stadt in den nächsten Monaten mit knapp 200 Menschen, für die Wohnraum benötigt werden wird.

„Unterbringung bleibt eine Herausforderung – Integration damit erst recht“, sagt Bürgermeister Andreas Köster. Damit diese gelingt, habe die Stadt in den letzten Monaten vieles geleistet, Strukturen und Angebote aufgebaut: Das reicht von der Einführung eine Beschwerdemanagements für Nachbarn von Unterkünften, über die systematische Erhebung der beruflichen Qualifikation der Geflüchteten, um sie schneller in den Arbeitsmarkt integrieren zu können bis hin zur Unterstützung von geflüchteten Familien beim Schul- und Kitabesuch ebenso bei der Freizeitgestaltung. Dabei könne die Stadt auf viel ehrenamtliches Engagement zählen, betont Köster: Insgesamt gibt es in Friedrichshafen 14 aktive Helferkreise, deren Arbeit und gegenseitige Vernetzung sowie Fortbildung durch die Netzwerkstelle der Stadt unterstützt. Für die Betreuung und Begleitung der geflüchteten Menschen hat die Stadt außerdem das DRK beauftragt, das zwei Sozialarbeiter vor Ort einsetzt.

„Integration ist eine Gemeinschaftsaufgabe – als Stadt verfolgen wir daher das Ziel, möglichst alle ehrenamtlich Engagierten, die professionellen Träger und Organisationen zusammenzubringen und zu vernetzen“, sagt Köster. Neu aufgebaut wurde daher innerhalb der Stadtverwaltung die Stabsstelle Integration, die seit 1. Dezember besetzt ist mit Natascha Garvin. Die Stabsstelle ist direkt Bürgermeister Andreas Köster zugeordnet. Natascha Garvin kümmert sich als Integrationsbeauftragte und Sachgebietsleiterin Integration darum, dass die Geflüchteten und andere Zugewanderte am gesellschaftlichen Leben teilhaben können – und damit Integration gelingen kann. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen in den Bereichen Integration durch Spracherwerb und Bildung, Arbeitsmarktintegration, Einbindung des Ehrenamts sowie Maßnahmen zur Förderung der Sicherheit.

Unterstützt wird die Integrationsbeauftragte von Ramin Moin, der sich seit 15. August als Flüchtlingsbeauftragter direkter Ansprechpartner für Geflüchtete und Helferkreise ist. Er ist auch Ansprechpartner, wenn es im Umfeld von Unterkünften zu Missverständnissen oder Beschwerden kommt, nimmt diese im Sinne eines Beschwerdemanagements auf und kümmert sich um Lösungen. Zudem koordiniert er die städtischen Maßnahmen zur Integration und unterstützt Geflüchtete bei der Arbeitsmarktintegration. Für Bürgermeister Köster ist die Aufgabe der Arbeitsmarktintegration besonders herausfordernd: „Wir sehen, dass der Bildungsstand der Menschen, die bei uns ankommen, sehr unterschiedlich ist, insgesamt aber vor allem niedriger als wir das erwartet hatten.“ Die Stadt setze daher verstärkt auf Maßnahmen zur Alphabetisierung und zum Erlernen der deutschen Sprache insgesamt.