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Mittwoch, 4. Januar 2012

Kinderkino: Eberhard Baier hört auf

Seit 1973 führte Eberhard Baier Kinderfilme in Friedrichshafen vor. Jetzt ging er in den verdienten Ruhestand. Margret Rücker-Beck dankte ihm für seine jahrzehntelange hervorragende Arbeit.

Als er 1972 als Lehrer an das Karl-Maybach-Gymnasium kam, war seine Leidenschaft für den Film schon sehr groß. Deshalb war es nahe liegend, dass sich Eberhard Baier für das Thema Film auch in Friedrichshafen interessierte, sowohl in der Schule als auch in der Filmclubarbeit. Schnell gab es erste Kontakte mit den Verantwortlichen des Films der Jugend (JUFI) und 1973 ging es los. Eberhard Baier übernahm die Aufgabe der Programmgestaltung: Neben Filmangeboten für die Jugendlichen wurden auch die ersten Kinderfilme gezeigt. Ab 1978, dem Jahr des Kindes, wurde vom JUFI zusammen mit dem Spielehaus Kinderkino gemacht. Neben den Vorführungen im Spielehaus selbst, entstand die Idee in die Stadtteile zu gehen. Gesagt  - getan. Jeweils für eine Woche wurde ein Film bestellt, der dann an den fünf Wochentagen an den verschiedenen Spielorten gezeigt wurde.

 

Zu den Spielorten für die 6 bis 8 Filme im Laufe eines Jahres gehörten die Mehrzweckhalle Kluftern, die Hauptschule Ailingen, das Karl-Maybach-Gymnasium, der Evangelische Gemeindesaal in Manzell, die Schreienesch-Grundschule und natürlich das Spielehaus. Im Verlauf der Jahre wurden die Spieleorte auch gewechselt. Sei es, weil das Interesse zurückging oder weil man auch in anderen Stadtteilen das Angebot machen wollte.

 

Eberhard Baier war die „gute Seele“ des Kinderkinos in Friedrichshafen. 1983 wurden das 1. Kinderfilmfestival ins Leben gerufen. Bis 2003 gab es jährlich in den Herbstferien das Kinderfilmfestival zu Themen wie Astrid Lindgren, Erich Kästner, Fantastische Filme, Krimis für Kinder oder Freundschaften im Film. 2004 endete dieses Angebot, da in den Herbstferien von den Mitarbeitern des Spielehauses eine offene Ferienbetreuung angeboten werden musste und keine Kapazitäten mehr für Aktivitäten wie Filmfestivals vorhanden waren.

 

In den vielen Jahren, in denen Baier sein „Geschäft“ machte, hat sich einiges verändert. Früher wurden 16mm-Filme vorgeführt. Die Filme wurden bei der Landesfilmstelle oder der Club-Filmothek der Jugendfilmclubs bestellt, wurden per Express versandt und mussten am Express-Schalter des Bahnhofs abgeholt werden. Da nicht alle Vorführorte einen Filmprojektor stellen konnten, mussten die Verantwortlichen oft Projektor und Lautsprecher mibringen.  Heute werden die Filme meist als DVD angeboten und

verliehen.

 

Die Hits unter den Kinderfilmen waren Verfilmungen von Kinderbüchern wie „Emil und die Detektive“, „Pippi Langstrumpf“

und „Michel von Löneberga“ oder Märchen wie „Dornröschen“ oder „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, letzterer lange bevor das Fernsehen ihn als idealen Weihnachtsfilm entdeckt hat. Aber nicht nur die bekannten Kinderfilme zeigte Eberhard Baier. Vielmehr war es ihm wichtig, weniger bekannte Werke zu zeigen.

 

Hier waren immer wieder interessante Kinderfilme aus den skandinavischen Ländern im Angebot, wie „Ikingut“ oder „Tsatsiki“, in denen die Häfler Kinder das Leben von Kindern in anderen Ländern und Kulturen kennen lernen konnten. Früher wurden im Fernsehen kaum Kinderfilme gezeigt. Heute hat sich das geändert und die meisten Kinderfilme werden früher oder später im Fernsehen gezeigt, was aber den Zuspruch der Kinder beim Kinderkino  kaum verminderte.

 

Zum Jahresende 2011 beendete Eberhard Baier seine ehrenamtliche Tätigkeit als Mitarbeiter beim Kinderkino. „Sie waren die gute Seele dieses Projektes“, dankte ihm Margret Rücker-Beck vom Spielehaus. Baier versprach aber, dass er auch weiter mit Tipps und Ratschlägen zur Verfügung stehe. Seine Aktivitäten als Verantwortlicher des Vereins „Der besondere Film, Friedrichshafen“, der vor kurzem sein 10jähriges Bestehen feierte,

will der Filmverrückte aber noch eine Weile fortsetzen.

 

Der „Kinderfilm“ im Spielehaus ist eine Erfolgsgeschichte. „Jeden Freitag kommen zwischen 50 und 90 Kinder in das Spielehaus, um die Filme anzuschauen“, erklärt Margret Rücker-Beck. Diese Erfolgsgeschichte wird auch 2012 fortgesetzt.


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