Rund 150 Geschichts- und Kunstinteressierte folgten der Einladung. Der Veranstalter hatte in guter Voraussicht diesen Vortrag in Kooperation mit dem Zeppelin-Museum veranstaltet, denn diesem großen, interessierten Teilnehmerkreis wäre in Fischbach keine Räumlichkeit gewachsen gewesen.
Ernst Haller selbst als Vorsitzender des Geschichtsvereins Fischbach-Bodensee hat in den vergangenen Monaten über das Leben und Wirken des Künstlers recherchiert und konnte dank umfangreicher Unterstützung ausführliches Informationsmaterial zusammentragen, das später auch ausführlich im neuen Heimatbuch zum Jubiläumsjahr "1250 Jahre Fischbach" seinen Platz finden wird.
Eine große Hilfe war die 91-jährige, in Manzell wohnhafte Maria Straub, die im Wohnhaus der ehemaligen Domäne Manzell wohnte und dort zusammen mit Toni Schneider aufwuchs. Sie konnte viel Interessantes erzählen und Ernst Haller auf der "Spurensuche" wesentlich unterstützen. Im Haus der Domäne wohnten im Obergeschoss die Familie des landwirtschaftlichen Betreuers Anton Schneider und im Erdgeschoss die Familie von Johann Wagner, Vater von Maria Straub. Toni Schneider hatte vier Geschwister. Die jüngste Tochter Theresia lebte bis vor wenigen Jahren noch in Friedrichshafen.
Maria Straub verwies auch auf Hilde Schnell, geborene Rittler, deren Eltern bis zur Bombardierung 1944 einen Hof direkt neben der Domäne hatten. Frau Schnell kann sich heute noch gut an den Toni erinnern und konnte auf Grund von Bildern von Alois Stemmer und Siegmund Hertkorn auf weitere Informanten hinweisen.
Der in der Nachbarschaft der Manzeller "Kapelle" geborene Alois Stemmer (1921-2005) und Jugendfreund von Toni Schneider, hat sich noch zu Lebzeiten sehr um die Bewahrung der Geschichte von Manzell und der Firma Dornier bemüht und dazu ein Archiv angelegt, das von seiner Witwe freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.
Weitere wichtige Unterlagen und Bilder zu Toni Schneider konnte Philipp Neher beisteuern. Sein Vater Josef Neher (1921-1992) war sein Schulkamerad und mit ihm in der katholischen Jugendbewegung "Neu Deutschland". Die Fischbacher trafen sich öfters mit der Gruppe aus Ravensburg und nachdem es in den beiden Jugendgruppen mehrere Schneider gegeben habe, bestimmte Jugendkaplan Kästle: "Des isch ab jetzt der Toni Schneider-Manzell, dann kennen wir sie besser auseinander". Später hat er dann diese Bezeichnung als seinen Künstlernamen angenommen.
Toni Schneider besuchte die Volksschule in Fischbach und anschließend das Gymnasium in Friedrichshafen. Danach studierte er zwischen 1930 und 1933 an den Universitäten Innsbruck und Wien Philosophie und Theologie. Von Wien ging er nach Loretto im Burgenland und trat in den Serviten-Orden ein. Der strenge klösterliche Tagesablauf erfüllte ihn und gab ihm Zeit zu eigenen Dichtungen. Allerdings erkrankte Toni Schneider-Manzell dort schwer und eine spontane Situation ließ ihn nach der Genesung den Klosteraustritt erklären.
In der Folge studierte Schneider-Manzell in München Bildhauerei und Kunsterziehung. 1940 erhielt er den Berufstitel „Professor“ an der Akademie für angewandte Kunst in München.
Durch die kriegsbedingte Zerstörung seiner Arbeitsstätte in München übersiedelte Schneider-Manzell 1944 nach Salzburg. Hier lebte er als typischer Künstler, der - immer noch tief gläubig - nur noch seiner Berufung nachging. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Bronzeportal im Kaiserdom von Speyer, welches als das größte Bronzetor in Europa gilt.
Auch in unserer Region hinterließ Toni Schneider-Manzell seine künstlerischen Spuren. So findet man in der Ravensburger Liebfrauenkirche eine von ihm geschaffene Bronzekanzel. Und die Christusfigur in der Friedrichshafener Canisius Kirche stammt ebenfalls aus seiner Hand. An Wasserburg's Uferpromenade begrüßt als "weltlicher Abstecher" der "liebe Augustin" die Besucher.
Die Kunsthistorikerin vom Zeppelin Museum, Maren Walke, stellte anschließend die elf ausgestellten Werke von Toni Schneider-Manzell im Einzelnen vor.
Bürgermeister Peter Hauswald begrüßte nicht nur die Gäste zum Beginn der Veranstaltung, sondern lud im Anschluss im Namen der Stadt Friedrichshafen noch zu einem Stehempfang ein.
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