500 Besucher beim Neujahrsempfang in Fischbach -- OB ist „erwartungsvoll“ und hofft auf Fortschritte bei B 31
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FISCHBACH / sig „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt so ist, wie sie ist, doch es wäre deine Schuld, wenn sie so bliebe.“ Mit diesen Worten, einer Anleihe aus dem Liedertext einer Band, hat beim Neujahrsempfang gestern Abend in der Fischbacher Mehrzweckhalle der Sprecher der Fischbacher Runde, Dr. Christian Stenzel, an die Bürger appelliert. Pfarrerin Kerstin Vogel-Hinrichs wünschte sich in Fischbach nicht „Wutbürger“, sondern „Gutbürger“, und hoffentlich als „Mutbürger“ das neue Jahr begonnen zu haben hoffte schließlich OB Andreas Brand.
In einer brechend vollen Halle (als Hinweis für die Notwendigkeit eines Neubaus?) trafen sich über 500 Fischbacher, Manzeller und Spaltensteiner, um sich ein gutes neues Jahr zu wünschen und zu unterstreichen, dass die Gemeinschaft lebt. Örtliche Sponsoren hatten erneut dafür gesorgt, dass Speis und Trank nicht ausgingen, und die Vereine des Westends präsentierten auf Stellwänden ihre Lebendigkeit. Tosenden Applaus erhielt zum Auftakt der Männerchor Fischbach für die Kostproben seines internationalen Repertoires.
„Verändern kann ich immer nur mich selbst“, sagte Pfarrerin Kerstin Vogel-Hinrichs in ihren Gedanken zum neuen Jahr, in denen sie dazu aufrief, das Böse zu überwinden, mit den eigenen bösen Neigungen keine Kompromisse einzugehen und stattdessen Gutes zu tun.
Christian Stenzel bemerkte zum Thema Ortsumfahrung, in Friedrichshafen werde schon als Erfolg gefeiert, wenn ein Staatssekretär zur Schadensbegrenzung geschickt werde, der sich zuvor nassforsch in die Nesseln gesetzt habe. Tatsächlich sehe es um das Straßenvorhaben FN-West „düster“ aus, seien nicht einmal Planungsgelder bewilligt. Man wolle „keine Schaukämpfe“, sondern endlich, dass die Straße auf den Weg gebracht werde.
In Fischbach habe man sich aus der Not heraus auf die Dinge konzentriert, die vor Ort beeinflusst werden könnten. Dazu zähle der Versuch einer nächtlichen Lärmminderung, in dem die Geschwindigkeit auf 30 km/h gedrosselt werden soll. „Skurril“ nannte Stenzel es, wie dieses Thema von manchen im Gemeinderat diskutiert worden sei.
Stenzel berichtete von Ermittlungen in Hagnau, wo 40-Tonner nachts häufig auf die linke Fahrbahn wechselten, um nicht geblitzt werden zu können. Er bat deshalb, die Verkehrslast in Fischbach und in der Nachbarschaft auf mehrere Schultern zu verteilen.
Das Thema seenaher Fußweg in Richtung Stadt ist ins Stocken geraten, bedauerte Stenzel. Konkret passiere nichts. In Richtung Westen (zwischen Fildenplatz und alter Ziegelei) zeichne sich dagegen eine Lösung ab. So habe für eine Brücke über die Brunnisach ein Fischbacher Hotelier einen privaten Zuschuss in Aussicht gestellt und habe der OB vorgeschlagen, den Weg dorthin mit Unterstützung der Bürger zu schultern. Dies sei, so der Sprecher des Leitungsteams, der „einzig richtige Weg“, das Vorhaben in Gang zu bringen. Außerdem würden so „keine Wutbürger“ produziert.
Christian Stenzel sprach die Themen Ortsmitte und Fußgängerüberquerung in Manzell sowie die gewünschte neue Halle an. Dabei erinnerte er an die Vorteile der Ortsteile Ailingen und Kluftern mit einer eigenen Ortschaftsverfassung. Die kommunale Struktur befinde sich in einer Schieflage, wenn dort aufgrund von Verwaltung und Ortschaftsrat Vorteile entstünden, drängte er auf Veränderungen, indem etwa ein Mitglied des Leitungsteams der Fischbacher Runde in den Gemeinderat entsendet werden könnte.
Stenzel lobte den Geschichtsverein mit Ernst Haller an der Spitze mit seinem enormen Zulauf, die ebenfalls in die Fischbacher Runde aufgenommenen Johanniter und den Senioren-Internet-Club, für deren Zuspruch die PCs in der Grundschule nicht ausreichten.
„Erleichtert“ zeigte sich OB Andreas Brand, dass ihm im Vergleich zum vergangenen Sonntag in Friedrichshafen niemand entgegenkam (weil er im GZH keinen Platz bekommen hat). In Sachen B 31-neu bat er die Fischbacher und andere noch um Geduld. Er ist „erwartungsvoll“, 2011 einen Schritt hin zur Realisierung machen zu können, denn „jeden Tag 28 000 Fahrzeuge, davon zehn Prozent Lkws, ertragen zu müssen und kein Fenster aufmachen zu können, bedeutet weniger Lebensqualität“, die ein Ende haben müsse.
Beim Thermalbad liege die Entscheidung bei Kurt Eicher, der angeblich fest entschlossen ist, nach Ende der Badesaison noch in diesem Jahr mit dem Bau zu beginnen. Ein „sehr gutes Gefühl“ hat der OB, dass sich in Sachen Ortsmitte durch den österreichischen Investor Rhomberg bald etwas tue, auch mit Blick auf einen Supermarkt. Der Dank des OB galt der Fischbacher Runde, die ehrenamtlich eine „klasse“ Arbeit leiste.
Für seine Verdienste um das Zusammenwachsen im Ort und seine Versuche, die Menschen zusammenzubringen, ehrte Fischbach den Rektor der Schule, Franz Schmid. Christian Stenzel erinnerte unter anderem an das Projekt „Afrika-Tage“, das Franz Schmid umgehend mit der Kolpingsfamilie ins Schulprogramm aufgenommen habe. Er wirke immer im Stillen – und erfolgreich, lobte Stenzel den ob der Ehrung überraschten Franz Schmid, dem OB Andreas Brand mit einem Geschenk dankte.
(Quelle: Schwäbische Zeitung vom 24.01.2011)
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