Im 2. Weltkrieg wurden große Teile unserer Stadt durch Bombenangriffe zerstört. Die Phase des Wiederaufbaus prägten Firmen wie die ZF Friedrichshafen AG, die Motoren- und Turbinen Union Friedrichshafen GmbH, die Zeppelin GmbH und die Dornier-Gruppe.
Der Gegensatz könnte nicht krasser sein: während die Nachbarstädte vom Kriegstreiben fast gänzlich verschont blieben und weiterhin ihren beschaulichen Alltag genießen konnten, verwandelte sich Friedrichshafen in nur zwei Jahren in eine geisterhafte Wüsten- und Kraterlandschaft.
Vom 21. Juni 1943 bis zum 25. Februar 1945 mußte die alte Bodenseestadt elf Luftangriffe über sich ergehen lassen. Die Bilanz der systematischen Bombardierungen: Etwa 1 000 Tote, 1 000 Verwundete und unzählige Obdachlose, die ein elendes Leben in Notquartieren führen mußten.
Friedrichshafen ist wegen seiner Industrie zum Ziel alliierter Bomber geworden. Großbetriebe, wie der Luftschiffbau Zeppelin, Dornier oder die Zahnradfabrik, hatten im Laufe der Kriegsvorbereitung auf die Produktion wichtiger Rüstungsgüter umgestellt. Im Luftschiffbau sollte im Juni 1943 sogar die Teilefertigung der V2 anlaufen. Davon ahnten die Briten jedoch nichts, als sie am 21. Juni und am 8. Oktober 1943 den Industriebetrieb weitgehend lahmlegten. Für sie galt der Luftschiffbau als größter deutscher Produzent von mechanischen Teilen für die sogenannten "Würzburger" Radargeräte, die den Einsatz der Nachtjagd bedeutend verbessert hatten.
Der Nachtangriff vom 28. April 1944 verfolgte dahingegen völlig andere Ziele. Gezielt wurden nun die Wohngebiete ins Visier genommen. Von 2.00 Uhr bis 2.50 Uhr fiel unentwegt Bombe auf Bombe. Dieser Einsatz reiht sich ein in die Zermürbungstaktik von Luftmarschall Harris.
Dem Abwurf von rund 170 Luftminen und 580 Sprengbomben, die die Häuser in den Wohngebieten aufrissen, folgten ganze 185 000 Brandbomben, die Friedrichshafen in ein einziges Flammeninferno aufgehen ließen. Laut offizieller Statistik sind in dieser Brandnacht 136 Menschen ums Leben gekommen, 375 wurden verwundet. Tausende verloren ihr Zuhause. Die Strom- und Wasserversorgung wurde unterbrochen. Überall Brände, Trümmer und Bombentrichter.
Zeitzeugen berichten von diesem Erlebnis:
"Diese 45 . . . Minuten, die wir wartend im Keller sitzend verbrachten, waren das Schrecklichste, was ich je in meinem Leben mitmachte. Wir saßen zusammengekauert im Keller, jede Sekunde gewärtig, daß auch uns das Schicksal unerbittlich und unausweichlich auslöschen würde. Die Erde dröhnte von Bombeneinschlägen, dumpfe Erschütterungen ließen auch den Keller erbeben. Näher kamen die Einschläge. Erst entfernter, eins, zwei, drei Bomben - die nächste wird uns treffen! Gott - sie blieb aus! Ein kurzes Aufatmen. Aber schon begann das Entsetzliche von neuem. Wieder lauschten wir mit angespannten Nerven. Einschlag auf Einschlag. Der Mörtel fiel bedenklich von den Wänden. Die Eisentüren zu den Luftschutzkellern flogen hin und her. Es war unheimlich ruhig. Kein Mensch regte sich mehr. Alles war mehr oder minder mit dem Gedanken beschäftigt: Jetzt mußt du unerbittlich abschließen.
Ich hatte innerlich mit allem abgeschlossen. Nun ist dein Leben vollendet. In aller Ruhe sagte ich mir das immer wieder vor. Dabei zitterte ich am ganzen Körper. Es ist verdammt schwer, sein Leben bewußt abschließen zu müssen. Selbst wenn man es sich hundert Male nüchtern vorredet, man lebt eben doch!"
"Was in Kellern, Bunkern und Erdlöchern nicht erschlagen oder verletzt wurde, kroch erschöpft, verdreckt, verrußt und verängstigt zutage. Hier aber schlug den Überlebenden die Beize des Rauchs entgegen, der es auch noch zu entkommen galt.( . . . ) Als der Morgen des 28. April fahlgrau heraufdämmerte, loderten noch überall Feuersäulen empor; schwelender Rauch lag über der zerschlagenen Stadt. Im Trümmerschutt, in zerborstenen Kellern wurde verzweifelt nach vermißten Angehörigen gegraben, Kreuze wurden auf Trümmerbergen errichtet, Nachrichten hinterlassen."
"Was wir auf dem Zug durch die Stadt sahen, war grauenvoll. Überall Trümmer, die Leute liefen durcheinander und viele standen ganz einfach nur da und weinten. Diesen Anblick hab ich nie vergessen können."
Die Stadt des 19./20. Jahrhundert besteht aus drei alten Bestandteilen: dem westlich gelegenen Kloster (jetzt Schloss) Hofen an der Stelle des namensgebenden alten Buchenhorns (Horn = Landvorsprung) nebst dem nördlichen landeinwärts gelegenen Dorf Hofen, dann der erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts entstehenden Neustadt, welche nach Osten den Anschluss an die alte Reichsstadt Buchhorn bildet.
Die Stadt ist ebenfalls aufe inem Horn (Landvorsprung) des Bodenseeufers erbaut und bildet so das östlichen Gegenstück zum alten namengebenden "Buchhorn". Der Grundriss der Altstadt Buchhorn zeigt die Form eines Trapezes mit auswärts gebogener Grundlinie (das Horn); er umfasst eine Fläche von nur 3,67 ha.
Die Hauptstraße, die frühere sog. Vordere Gasse, durchzog die Stadt vom Unteren Tor zum See-Tor. Die Hintere Gasse und die Goldschmidgasse bildeten die zweite, den nördlichen der Stadt parallel durchziehende Gassenreihe. Auf die Hintere und Vordere Gasse stieß die vom 3. Stadttor, dem im Norden gelegenen Obertor, herkommende Obertorgasse und führte zum "Gredhaus" am See, der Zoll- und Kontrollstätte für den Schiffsgüterverkehr. Der viereckige Marktplatz lag an der Vorderen Gasse in der Nähe des Unteren Tores. Er wurde umschlossen von der Kirche und dem alten Kornhaus (wo Getreide gelagert und in die Schweiz verkauft wurde).
Die Mauern, die 3 Tore und Türme (Pulverturm an der Nordwestecke der Stadt) sind verschwunden, doch zeigen die Gebäude am Westende der Altstadt noch deutlich die Linie des ehem. Befestigungsrings. Die Entfernung vom Oberen zum Unteren Tor beträgt etwas über 300 m. Dagegen beträgt die Länge der von König Friedrich von Württemberg nach 1810 in der Neustadt nördlich der Altstadt angelegten schnurgeraden in die Nähe des Schlosses führenden Friedrichstraße, über 1 km.
Von Altbuchhorn bis zur Auseinanderentwicklung von Buchhorn und Hofen
Friedrichshafen im Wandel bis 1700
Friedrichshafen von 1700 bis 1900
Friedrichshafen im Wandel ab 1900
Aufschwung durch Handel und Fremdenverkehr
Friedrichshafen und der Zweite Weltkrieg

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Download:
Broschüre Sanierung Altstadt und nördliche Innenstadt 1986-2006 (11 MB)