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Aufschwung durch Handel und Fremdenverkehr

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Aufschwung durch Handel und Fremdenverkehr

Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs waren der Beginn der Bodenseedampfschifffahrt in Friedrichshafen (1824), der nach Stuttgart führende erste Bahnanschluss am See (1847) und die Eisenbahnfährverbindung in die Schweiz (1869). Am Ende des 19. Jahrhunderts kennzeichneten lebhafter Handel und Fremdenverkehr die 1824 zur königlichen Sommerresidenz erklärte Stadt.

Zu einer grundlegenden Veränderung der Stadtentwicklung führte erst der politische Umbruch am Beginn des 19. Jahrhunderts. Sobald Württemberg hier im Zuge der napoleonischen Länderzuteilungen Fuß gefaßt hatte (Ende 1805), setzte ein Kampf um Handelsanteile auf dem See und damit eine zielstrebige Förderung des württembergischen Bodenseehafens ein. Das galt zunächst nur für Hofen, denn Buchhorn war 1802 an Bayern übergegangen, mußte aber hinter dem ebenfalls bayerisch gewordenen, weitaus wichtigeren Lindau zurücktreten. Die für die Stadtfinanzen verheerende Münchner Politik hätte Buchhorn vollends in den Ruin getrieben, wäre die Stadt nicht im Zuge einer Grenzverschiebung bis Kreßbronn 1810 an Württemberg gefallen. Im Juli 1811 traf König Friedrich die Entscheidung, die Siedlungen Buchhorn und Hofen unter dem neuen Namen Friedrichshafen zusammenzufassen und zu einem leistungsfähigen und attraktiven Warenumschlagplatz am nördlichen Bodenseeufer auszubauen. Er gewährte nicht nur Vergünstigungen für den Durchgangshandel, er veranlaßte auch die räumliche Zusammenfügung der alten Ortsteile mittels einer Neustadt, deren Neusiedler, wie man hoffte, zum wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt ebenfalls beitragen sollten. 

Das 19. Jahrhundert war geprägt von einer anhaltenden handels- und verkehrspolitischen Förderung der jungen Stadt Friedrichshafen. Hier nahm unter persönlicher Einflußnahme Königs Wilhelms I. die Bodenseedampfschiffahrt 1824 ihren Anfang, hier entstand 1847 der erste Bahnanschluß am See, so daß der von Zürich herbeigeführte Schweizer Bahnanschluß 1855 folgerichtig im gegenüberliegenden Romanshorn endete und 1869 ein Eisenbahnfährverkehr zwischen beiden Städten aufgenommen werden konnte.
Die vorteilhafte Lage der Stadt am See wußte auch das Königshaus zu schätzen, das 1824/28 das vormalige Kloster Hofen als Sommerresidenz herrichten ließ und fortan fast jährlich nutzte. Illustre Besucher folgten. Nach dem Bahnanschluß nahm der Fremdenverkehr einen raschen Aufschwung; mehrere teils ärztlich betreute Badeanstalten verliehen der Stadt bald den Ruf einer Kurstadt.

Charakteristisch für den im 19. und frühen 20. Jahrhundert empfundenen Aufschwung der Stadt ist ihre fast euphorische Schilderung durch Artur Schöninger in der 1915 erschienenen "Beschreibung des Oberamts Tettnang": "Friedrichshafen, eine neue und doch alte Stadt am Schwäbischen Meer, das hier wirklich fast meeresartig vor dem Beschauer sich ausbreitet, hat eine der schönsten Lagen am See. Es hat vor den anderen Seestädten die zentrale Lage voraus, es hat den gewaltigen Gebirgszug der Ostschweizer und Vorarlberger Alpen vor sich, es hat um und hinter sich ein fruchtbares Vorland, es ist Endpunkt einer württembergischen Hauptbahn, es ist in steigender Entwicklung begriffen und hat Platz zu dieser Entwicklung, und es hat in neuester Zeit" - Schöninger meinte den noch jungen Luftschiffbau - "Weltruhm erlangt und dadurch all die alten Schwesterstädte überflogen."

Luftschiffbau und Industriestandort

Im Lauf des 19. Jahrhunderts hatte sich nur wenig Industrie in Friedrichshafen angesiedelt, wo ein lebhafter Warendurchgang, eine starke Beamtenschaft bei Staatsbahn und Zoll, die königliche Sommerresidenz und der Fremdenverkehr das Bild prägten. Der Präsenz des Königshauses war es auch zu verdanken, daß die Stadt am Beginn des 20. Jahrhunderts noch Gelegenheit zu einer Spätindustrialisierung erhielt. Die im Besitz des Königshauses befindliche Domäne Manzell durfte vom Grafen Zeppelin ab 1898 als Ausgangsort für die Erprobung seiner lenkbaren Luftschiffe genutzt werden. Als nach zehn harten Jahren die Voraussetzungen für eine industrielle Fertigung der Luftschiffe geschaffen waren, entschied der Graf sich im September 1908 für ein Standortangebot der Stadtgemeinde Friedrichshafen am Riedlewald gegen ein interessantes Konkurrenzangebot der großen und verkehrsgünstiger gelegenen Industriestadt Mannheim.

Im nun folgenden industriellen Auf- und Ausbau entstanden im wesentlichen die Strukturen der heutigen Industrielandschaft Friedrichshafen mit den Firmen Luftschiffbau Zeppelin, Maybach Motorenbau, Zahnradfabrik Friedrichshafen und Dornier Metallbauten, die sich in zwei Wachstumsschüben des Ersten Weltkriegs und der Jahre 1933-1945 zu den heutigen Großbetrieben Zeppelin Metallwerke, MTU Friedrichshafen, ZF und Dornier fortentwickelten. Aus dem großen, weit über Friedrichshafen hinauswirkenden Zeppelinkonzern sind die Tochterfirmen Dornier 1932 und Maybach 1952 ausgeschieden.

In der Entwicklung zur Industriestadt sind die vorher charakteristischen Elemente verblaßt, aber nicht verschwunden: das frühere Königshaus ist bis heute im Schloß und in der Stadt präsent, der Fremdenverkehr hat zwischen den beiden Weltkriegen und nach 1950 neue Blütezeiten erlebt. Der an der letzten Jahrhundertwende gültige Ruf einer beschaulichen Kur- und Rosenstadt, die auf den Bad-Titel hoffte und diesen in ihren Werbemaßnahmen bereits vorweg verwandte, war freilich dahin.

Nach der Bildung und Entfaltung des Zeppelinkonzerns mußte die Stadtgemeinde immer stärker - z.B. im Siedlungsbau oder im Ausbau des Verkehrsnetzes - auf die Bedürfnisse der Industrie und der zu Tausenden zuziehenden Arbeitnehmer Rücksicht nehmen. Erstaunlich ist aber, daß die Bildung des großen Industriekonzerns nur am Ende des Ersten Weltkriegs zu einer monatelang führenden Rolle der Arbeiterbewegung beigetragen hat. Wie in den 20er Jahren beherrschen seit dem Zweiten Weltkrieg wieder bürgerliche Strömungen in wechselnder Intensität das kommunalpolitische Geschehen.

Weil die industrielle Entfaltung der Stadt mit der Bildung zahlreicher Tochterfirmen der Stammunternehmen im wesentlichen zwei Rüstungsschüben zu verdanken ist, kam es im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg zu Luftangriffen auf die Stadt und ihre Industriebetriebe. Haben die Angriffe von 1914 bis 1918 noch geringen Schaden angerichtet, ging die Stadt mit ihren Großbetrieben in den Jahren 1943-1945 in einem schrecklichen Zerstörungswerk weitgehend unter. Die Konversion der Industrie auf Zivilprodukte gelang zwischen den beiden Weltkriegen nur mühsam; nach 1945 dauerte es geraume Zeit, bis die Großbetriebe sich neu entfalten konnten.

Die Entwicklung der Stadt ist seit rund 50 Jahren ganz wesentlich durch den Umstand geprägt, daß die 1908 errichtete, ursprünglich rechtsfähige Zeppelinstiftung im Überlebenskampf der Nachkriegsjahre 1947 auf die Stadt Friedrichshafen übertragen wurde; ihre Erträge werden seither satzungsgemäß für soziale und gemeinnützige Vorhaben eingesetzt.Die Stadt des 19./20. Jahrhundert besteht aus drei alten Bestandteilen: dem westlich gelegenen Kloster (jetzt Schloss) Hofen an der Stelle des namensgebenden alten Buchenhorns (Horn = Landvorsprung) nebst dem nördlichen landeinwärts gelegenen Dorf Hofen, dann der erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts entstehenden Neustadt, welche nach Osten den Anschluss an die alte Reichsstadt Buchhorn bildet.
Die Stadt ist ebenfalls aufe inem Horn (Landvorsprung) des Bodenseeufers erbaut und bildet so das östlichen Gegenstück zum alten namengebenden "Buchhorn". Der Grundriss der Altstadt Buchhorn zeigt die Form eines Trapezes mit auswärts gebogener Grundlinie (das Horn); er umfasst eine Fläche von nur 3,67 ha.
Die Hauptstraße, die frühere sog. Vordere Gasse, durchzog die Stadt vom Unteren Tor zum See-Tor. Die Hintere Gasse und die Goldschmidgasse bildeten die zweite, den nördlichen der Stadt parallel durchziehende Gassenreihe. Auf die Hintere und Vordere Gasse stieß die vom 3. Stadttor, dem im Norden gelegenen Obertor, herkommende Obertorgasse und führte zum "Gredhaus" am See, der Zoll- und Kontrollstätte für den Schiffsgüterverkehr. Der viereckige Marktplatz lag an der Vorderen Gasse in der Nähe des Unteren Tores. Er wurde umschlossen von der Kirche und dem alten Kornhaus (wo Getreide gelagert und in die Schweiz verkauft wurde).
Die Mauern, die 3 Tore und Türme (Pulverturm an der Nordwestecke der Stadt) sind verschwunden, doch zeigen die Gebäude am Westende der Altstadt noch deutlich die Linie des ehem. Befestigungsrings. Die Entfernung vom Oberen zum Unteren Tor beträgt etwas über 300 m. Dagegen beträgt die Länge der von König Friedrich von Württemberg nach 1810 in der Neustadt nördlich der Altstadt angelegten schnurgeraden in die Nähe des Schlosses führenden Friedrichstraße, über 1 km.m 2. Weltkrieg wurden große Teile unserer Stadt durch Bombenangriffe zerstört. Die Phase des Weideraufbaus prägten Firmen wie die ZF Friedrichshafen AG, die Motoren- und Turbinen Union Friedrichshafen GmbH, die Zeppelin GmbH und die Dornier-Gruppe.

Der Gegensatz könnte nicht krasser sein: während die Nachbarstädte vom Kriegstreiben fast gänzlich verschont blieben und weiterhin ihren beschaulichen Alltag genießen konnten, verwandelte sich Friedrichshafen in nur zwei Jahren in eine geisterhafte Wüsten- und Kraterlandschaft.

Vom 21. Juni 1943 bis zum 25. Februar 1945 mußte die alte Bodenseestadt elf Luftangriffe über sich ergehen lassen. Die Bilanz der systematischen Bombardierungen: Etwa 1 000 Tote, 1 000 Verwundete und unzählige Obdachlose, die ein elendes Leben in Notquartieren führen mußten.

Friedrichshafen ist wegen seiner Industrie zum Ziel alliierter Bomber geworden. Großbetriebe, wie der Luftschiffbau Zeppelin, Dornier oder die Zahnradfabrik, hatten im Laufe der Kriegsvorbereitung auf die Produktion wichtiger Rüstungsgüter umgestellt. Im Luftschiffbau sollte im Juni 1943 sogar die Teilefertigung der V2 anlaufen. Davon ahnten die Briten jedoch nichts, als sie am 21. Juni und am 8. Oktober 1943 den Industriebetrieb weitgehend lahmlegten. Für sie galt der Luftschiffbau als größter deutscher Produzent von mechanischen Teilen für die sogenannten "Würzburger" Radargeräte, die den Einsatz der Nachtjagd bedeutend verbessert hatten.

Der Nachtangriff vom 28. April 1944 verfolgte dahingegen völlig andere Ziele. Gezielt wurden nun die Wohngebiete ins Visier genommen. Von 2.00 Uhr bis 2.50 Uhr fiel unentwegt Bombe auf Bombe. Dieser Einsatz reiht sich ein in die Zermürbungstaktik von Luftmarschall Harris.

Dem Abwurf von rund 170 Luftminen und 580 Sprengbomben, die die Häuser in den Wohngebieten aufrissen, folgten ganze 185 000 Brandbomben, die Friedrichshafen in ein einziges Flammeninferno aufgehen ließen. Laut offizieller Statistik sind in dieser Brandnacht 136 Menschen ums Leben gekommen, 375 wurden verwundet. Tausende verloren ihr Zuhause. Die Strom- und Wasserversorgung wurde unterbrochen. Überall Brände, Trümmer und Bombentrichter.
Zeitzeugen berichten von diesem Erlebnis:


"Diese 45 . . . Minuten, die wir wartend im Keller sitzend verbrachten, waren das Schrecklichste, was ich je in meinem Leben mitmachte. Wir saßen zusammengekauert im Keller, jede Sekunde gewärtig, daß auch uns das Schicksal unerbittlich und unausweichlich auslöschen würde. Die Erde dröhnte von Bombeneinschlägen, dumpfe Erschütterungen ließen auch den Keller erbeben. Näher kamen die Einschläge. Erst entfernter, eins, zwei, drei Bomben - die nächste wird uns treffen! Gott - sie blieb aus! Ein kurzes Aufatmen. Aber schon begann das Entsetzliche von neuem. Wieder lauschten wir mit angespannten Nerven. Einschlag auf Einschlag. Der Mörtel fiel bedenklich von den Wänden. Die Eisentüren zu den Luftschutzkellern flogen hin und her. Es war unheimlich ruhig. Kein Mensch regte sich mehr. Alles war mehr oder minder mit dem Gedanken beschäftigt: Jetzt mußt du unerbittlich abschließen.

Ich hatte innerlich mit allem abgeschlossen. Nun ist dein Leben vollendet. In aller Ruhe sagte ich mir das immer wieder vor. Dabei zitterte ich am ganzen Körper. Es ist verdammt schwer, sein Leben bewußt abschließen zu müssen. Selbst wenn man es sich hundert Male nüchtern vorredet, man lebt eben doch!"

"Was in Kellern, Bunkern und Erdlöchern nicht erschlagen oder verletzt wurde, kroch erschöpft, verdreckt, verrußt und verängstigt zutage. Hier aber schlug den Überlebenden die Beize des Rauchs entgegen, der es auch noch zu entkommen galt.( . . . ) Als der Morgen des 28. April fahlgrau heraufdämmerte, loderten noch überall Feuersäulen empor; schwelender Rauch lag über der zerschlagenen Stadt. Im Trümmerschutt, in zerborstenen Kellern wurde verzweifelt nach vermißten Angehörigen gegraben, Kreuze wurden auf Trümmerbergen errichtet, Nachrichten hinterlassen."

"Was wir auf dem Zug durch die Stadt sahen, war grauenvoll. Überall Trümmer, die Leute liefen durcheinander und viele standen ganz einfach nur da und weinten. Diesen Anblick hab ich nie vergessen können."

Die Stadt des 19./20. Jahrhundert besteht aus drei alten Bestandteilen: dem westlich gelegenen Kloster (jetzt Schloss) Hofen an der Stelle des namensgebenden alten Buchenhorns (Horn = Landvorsprung) nebst dem nördlichen landeinwärts gelegenen Dorf Hofen, dann der erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts entstehenden Neustadt, welche nach Osten den Anschluss an die alte Reichsstadt Buchhorn bildet.
Die Stadt ist ebenfalls aufe inem Horn (Landvorsprung) des Bodenseeufers erbaut und bildet so das östlichen Gegenstück zum alten namengebenden "Buchhorn". Der Grundriss der Altstadt Buchhorn zeigt die Form eines Trapezes mit auswärts gebogener Grundlinie (das Horn); er umfasst eine Fläche von nur 3,67 ha.
Die Hauptstraße, die frühere sog. Vordere Gasse, durchzog die Stadt vom Unteren Tor zum See-Tor. Die Hintere Gasse und die Goldschmidgasse bildeten die zweite, den nördlichen der Stadt parallel durchziehende Gassenreihe. Auf die Hintere und Vordere Gasse stieß die vom 3. Stadttor, dem im Norden gelegenen Obertor, herkommende Obertorgasse und führte zum "Gredhaus" am See, der Zoll- und Kontrollstätte für den Schiffsgüterverkehr. Der viereckige Marktplatz lag an der Vorderen Gasse in der Nähe des Unteren Tores. Er wurde umschlossen von der Kirche und dem alten Kornhaus (wo Getreide gelagert und in die Schweiz verkauft wurde).
Die Mauern, die 3 Tore und Türme (Pulverturm an der Nordwestecke der Stadt) sind verschwunden, doch zeigen die Gebäude am Westende der Altstadt noch deutlich die Linie des ehem. Befestigungsrings. Die Entfernung vom Oberen zum Unteren Tor beträgt etwas über 300 m. Dagegen beträgt die Länge der von König Friedrich von Württemberg nach 1810 in der Neustadt nördlich der Altstadt angelegten schnurgeraden in die Nähe des Schlosses führenden Friedrichstraße, über 1 km.

 

 

Von Altbuchhorn bis zur Auseinanderentwicklung von Buchhorn und Hofen


Friedrichshafen im Wandel bis 1700

 

Friedrichshafen von 1700 bis 1900

 

Friedrichshafen im Wandel ab 1900

 

Aufschwung durch Handel und Fremdenverkehr

 

Friedrichshafen und der Zweite Weltkrieg

 

Friedrichshafen ab 2000

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Download:
Broschüre Sanierung Altstadt und nördliche Innenstadt 1986-2006 (11 MB)


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