Grundlage für die Beurteilung der Luftgüte in Friedrichshafen ist die Messstation des Zentrums für Umweltmessungen, Umwelterhebungen und Gerätesicherheit (UMEG) an der Ehlersstraße. Seit Beginn der Messungen im Jahr 1987 blieben die Konzentrationen der Luftschadstoffe Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid, Stickoxide und Staub und Feinstaub unter den gesetzlichen Grenzwerten (A03-Luftschadstoffe).
Von 1997 bis 1998 wurden umfangreiche Immissions- und Wirkungsuntersuchungen im Auftrag des Umwelt- und Verkehrsministeriums Baden-Württemberg im Raum Friedrichshafen/Ravensburg von der UMEG, Karlsruhe durchgeführt. Diese Untersuchung ergab, dass der Luftverunreinigungsindex für den Raum Friedrichshafen sich auf einem insgesamt niedrigen Belastungsniveau befindet. Lediglich in Straßennähe wurden Ende der Neunziger Jahre an manchen Standorten einzelne Luftschadstoffkonzentrationen über den Grenzwerten gemessen. Ein Luftreinhalteplan war im Stadtgebiet bislang nicht erforderlich.
Auf der Grundlage der Krebsrisikostudie des Länderausschusses für Immissionsschutz (LAI) wurde auch das durch Luftverunreinigungen verursachte Krebsrisiko berechnet. Mit 0,92 : 2.500 liegt unser Raum sogar unter dem vom LAI als Ziel angestrebten Risiko von 1 : 2.500. Auch die langjährigen Messreihen (seit 1987) der Luftmessstation im Bereich Ehlersstraße zeigen, dass die dort ermittelten Schadstoffe allgemein niedrig und tendenziell stagnierend oder rückläufig sind.
Informationsmöglichkeiten über die Luftgüte in Friedrichshafen:
Das Ozontelefon der Stadt Friedrichshafen mit automatischer Ansage der in Friedrichshafen gemessenen Werte wurde aus Kostengründen im Dezember 2009 stillgelegt. Die dort angesagten Messwerte können weiterhin unter http://mnz.lubw.baden-wuerttemberg.de/messwerte/aktuell/statDEBW038.htm für Friedrichshafen abgerufen werden.
Einteilung der Staubfraktionen
Schwebstaubteilchen sind luftgetragene feste und/oder flüssige Teilchen, die nicht sofort zu Boden sinken, sondern in der Atmosphäre über einige Strecken transportiert werden. Dabei wird zwischen großem Staub und kleinen Staubpartikeln, so genanntem Schwebstaub, unterschieden. Die großen Staubpartikel setzen sich aufgrund ihres Gewichtes rasch ab, d. h. sie werden in der Luft nur über kurze Strecken transportiert. Hingegen können die kleinen Schwebstaubpartikel, der so genannte Feinstaub, über größere Entfernungen verfrachtet werden.
Schwebstaub 10 µm Filterung durch Nasen-Rachenraum
PM10 <10 µm Partikel gelangen bis tief in die Lungen
PM 2,5 <2,5 µm in die stark durchbluteten Lungenbläschen
Ultrafeine PM < 0,1 µm durchdringen Lungenschleimhaut und gehen ins Blut
Feinstaub wird als gesundheitsschädlich eingestuft. Dieselruß als Bestandteil von Feinstaub ist sogar als krebserregend eingestuft, Teile des Feinstaubs (PM2,5) weisen durch ihre Lungengängigkeit und die anhaftenden Stoffe wie Schwermetalle ebenfalls ein krebserregendes Potential auf. Atemwegsinfektionen und andere Erkrankungen der Atemwege durch die übrigen Schadstoffe sind ebenfalls zu nennen.
Grenzwerte und Überschreitungen
Verschärfte Immissionswerte bei Feinstaub haben die Diskussion um Luftschadstoffe erneut entfacht. Seit 1. Januar 2005 gelten nach der Luftqualitätsrahmenrichtlinie und ihren Tochterrichtlinien ein Kurzzeit-Grenzwert für Feinstaub (PM 10) von 50 µg/m³ (Tages-Mittel) sowie ein Jahresgrenzwert von 40 µg/m³. Dieser Wert darf nur an 35 Tagen im Jahr überschritten werden. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat beispielhaft für Stuttgart einen Aktionsplan mit einem 40 Punkte-Katalog erarbeitet.
Im Regierungsbezirk Tübingen erstellt das Regierungspräsidium (RP) Tübingen nur für Reutlingen, Tübingen und Ulm Aktionspläne, weil das RP Tübingen und die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW), Karlsruhe, nicht erwarten, dass in anderen Kommunen (z.B. Friedrichshafen) des Regierungsbezirkes Tübingen der Tagesgrenzwert mehr als 35mal im Jahr überschritten wird.
Bei einer gleich bleibenden Feinstaubbelastung wie in der Vergangenheit, ist in den nächsten zwei Jahren nicht mit der Einrichtung einer Umweltzone in Friedrichshafen zu rechnen.
Feinstaub-Konzentrationen der Messstation Friedrichshafen, Ehlersstraße
Die Feinstaubkonzentrationen werden in Friedrichshafen an der Luftmessstation in der Ehlersstraße von der LUBW, Karlsruhe, erfasst. In der Vergangenheit wurden in Friedrichshafen folgende Feinstaub-Konzentrationen gemessen.
Jahr | Überschreitungen Tagesmittelwert | Jahresmittelwert in µg/m³ |
2000 | 14 | 21 |
2001 | 9 | 20 |
2002 | 19 | 22 |
2003 | 27 | 26 |
2004 | 11 | 21 |
2005 | 13 | 23 |
2006 | 24 | 23 |
2007 | 11 | 18 |
2008 | 9 | 17 |
2009 | 10 | 19 |
2010 | 18 | 20 |
2011 | 4 | - |
31.03.2012 | 7 | - |
Quelle: Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW)
Ab dem Jahr 2002 hat sich der Verkehr an der Messstation in der Ehlersstraße um 50% reduziert und dort zusätzlich ein Verbot für Lkws >7,5 to eingerichtet. Dennoch gab es mehr Überschreitungstage als in den zwei Jahren davor. Viele nicht voraussagbare Parameter wie die Anzahl austauscharmer Wetterlagen, die Zahl der Regentage oder die Anzahl von Großbaustellen können bei den Überschreitungen des Tagesgrenzwertes eine Rolle spielen.
Die Erfahrungen der UMEG mit straßennahen Messstationen in stärker verkehrsbelasteten Städten zeigen bisher: Liegt der Jahresmittelwert unter 30 µg/m³ (wie bisher in Friedrichshafen), dann wird auch der Tagesgrenzwert an weniger als 35 Tagen überschritten. Zudem dürfte auf Grund des lokalen Land-See-Windsystems in Friedrichshafen der lokale Luftaustausch besser sein als in Städten wie in Stuttgart und München, die bereits oft schon im April die zulässigen 35 Überschreitungen erreichen.
Im Jahr 2006 gab es in der Ehlersstraße insgesamt noch 23 Überschreitungen. Ab 2007 wurden immer weniger als 20 Überschreitungen des Tagesgrenzwertes registriert. Im Jahr 2008 bzw. 2011 wurden nur 9 bzw. 4 Überschreitungen des Tagesgrenzwertes gemessen.
Orientierende Feinstaubuntersuchungen in der Maybachstraße
(Februar bis Mai 2006)
Im Juli 2006 hat die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) der Stadt Friedrichshafen die Ergebnisse der Messungen von Stickstoffdioxid und Ruß in der Maybachstraße mitgeteilt. Diese beiden Substanzen werden als Indikator für die Feinstaubbelastung verwendet. Im Rahmen des Vollzugs der 22. Bundesimmissionsschutz-Verordnung wurde im Messzeitraum Anfang Februar bis Anfang Mai 2006 auch an 104 anderen Straßenabschnitten in Baden-Württemberg gemessen. Mit dem in der Maybachstraße ermittelten Rußmittelwert von 4,7 µg/m³ liegt Friedrichshafen auf dem 50. Platz der Rangliste (Ergebnisse sortiert nach Höhe der Rußmittelwerte). Für Stickstoffdioxid wurde ein Mittelwert von 60 µg/m³ für den oben genannten Zeitraum ermittelt.
Auf Grund des mittleren Ranglistenplatzes wird die Stadt Friedrichshafen im nächsten Jahr keine weitere Feinstaubmessstation von der LUBW zur Verfügung gestellt bekommen, weil andere Straßenabschnitte im Land deutlich stärker belastet sind. Für spezielle Feinstaub-Spotmessungen hat die LUBW nur 25 Messanlagen außerhalb des Messnetzes für das ganze Land Baden-Württemberg zur Verfügung.
Laut den Aussagen der Experten der LUBW ist aus heutiger Sicht erst zwischen 5 und 7 µg/m³ Ruß oder zwischen 60 und 70 µg/m³ Stickstoffdioxid mit mehr als 35 Überschreitungen des Feinstaub-Tagesgrenzwertes (50 µg/m³) zu rechnen. Somit ist davon auszugehen, dass in Friedrichshafen nur an den höchstbelasteten Straßenabschnitten in extrem strengen Wintern die Feinstaubwerte in den Bereich von 35 Überschreitungstagen kommen können. In der Vergangenheit gab es in der zweiten Jahreshälfte in Friedrichshafen nur wenige Überschreitungen des Feinstaub-Tagesgrenzwertes.
Dipl.-Agrar-Biologe
Umwelt- und Immissionsschutz, Umweltmanagement, stellv. Abteilungsleitung
Amt für Bürgerservice, Sicherheit und Umwelt
(Abteilung Umwelt und Naturschutz)
Tel.: (07541) 203 21 92
Fax: (07541) 203 8 21 92
j.schock(at)friedrichshafen.de
Aktuelle Feinstaubkonzentrationen im Internet:
Baden-Württemberg:
www.umeg.de/messwerte/index.html
Bodenseeraum:
http://www.bodenseekonferenz-luft.org/fdiPM10.htm
Bundesrepublik Deutschland:
www.env-it.de/luftdaten/trsyear.fwd