Friedrichshafen hat eine alte Tradtion als Obstbauregion im Bodenseegebiet. Früher wurden Streuobstwiesen durch Ackerbau und Grünland mit Beweidung bewirtschaftet und die Bäume regelmäßig gepflegt, um Tafelobst, Dörrobst, Brände, Saft, Most und Marmelade herzustellen. Heute sind überwiegend niedrige Plantagen mit Hagelnetzen in der Nutzung und die früheren Hochstammobstwiesen werden fast nicht mehr wirtschaftlich genutzt.
Die Bedeutung der alten Hochstammobstwiesen wurde durch die Stadtbiotopkartierung 1998/99 dokumentiert und untersucht sowie für Kluftern im Jahr 2010 aktualisiert. Die einmal etwa 1000 ha großen Bestände vor 50 Jahren sind bis zum Jahr 2000 auf knapp unter 200 ha zurückgegangen. Im Zeitraum der letzten 12 Jahre ging der Hochstammobstwiesenbestand von über 250 ha einzeln kartierten Flächen auf ca. 160 bis 165 ha und damit nochmals um fast 20% zurück.
Der zunehmende Verlust von Hochstammobst-bäumen mindert die Vielfalt an Lebensräumen für seltene Tierarten in der Kulturlandschaft, die z.B. als Höhlenbewohner in Obstwiesen leben (z.B. Siebenschläfer, Bechsteinfledermaus, Grünspecht, Wendehals, Steinkauz) sowie die Wohn- und Erholungsqualität der Siedlungen. Jedes Jahr gehen in Friedrichshafen etwa 200 alte Obstbäume durch Rodung, mangelnde Pflege, Vergreisung und Mistelbefall verloren.
Ziel des Programms ist es, in den nächsten 10 Jahren mindestens 10% des bekannten Bestandes and Obsthochstämmen (Stadtbiotopkartierung Friedrichshafen) pflegen zu lassen, um damit deren Erhalt zu sichern und wieder eine Nutzung zu ermöglichen (Konzeption siehe Sitzungsvorlage).
Insbesondere alte ungepflegte Bäume sollten fachgerecht geschnitten werden, um ihre Stabilität, Vitalität und Nutzbarkeit zu verbessern. Auch die Stadt Friedrichshafen geht mit gutem Beispiel voran und hat seit 2008 auf einzelnen städtischen Obstwiesen Modellprojekte der Sanierung umgesetzt (Beispiele siehe Präsentation).
Weitere Informationen finden Sie in unserem Flyer.
a) Pflege und Revitalisierung von Obsthochstämmen (Apfel, Kirsche, Zwetschge, Birne, Walnuss; Erst -und Folgepflege, Bsp. 40 Euro für Pflegeschnitt eines großen Obstbaumes von > 8 m Kronendurchmessers, 25 Euro bei mittelgroßem Obstbaum mit 5-8 m Kronendurchmesser, max. 1500 Euro pro Antragsteller und Jahr)
b) Pflanzung von Obsthochstämmen (Förderung von max. 15 Bäumen pro Jahr, Stammhöhe 180 cm)
c) Lokale Vermarktung (max. 500 Euro pro Antragsteller und Jahr)
d) Ehrenamtliche Initiativen, die Obstwiesenprojekte umsetzen und Bäume pflegen (max. 1000 Euro pro Antragsteller und Jahr)
Die Förderung für Projekte in 2012 und 2013 kann ab dem 15.12.2011 beantragt werden.
Mit den Maßnahmen kann erst begonnen werden, wenn der Förderantrag bewilligt wurde.
Es werden nur Maßnahmen auf der Gemarkung Friedrichshafen gefördert.
Die genauen Förderbedingungen und die Förderhöhe sind der Richtlinie zu entnehmen. Alle geplanten Maßnahmen müssen schriftlich mit dem Antrag eingereicht werden. Alle Pflegemaßnahmen an Obstbäumen (Fördergruppe A) sind im Vorfeld mit der Umweltabteilung bei einem Ortstermin abzustimmen. Informationen erhalten sie bei Herrn Schmidt unter 07541 203-2193.
Landwirte, ehrenamtliche Umweltinitiativen und Privatpersonen, die auf eigenen oder gepachteten Flächen Obsthochstämme pflegen.
Dipl.-Biologe Umwelttechnik
Natur- und Gewässerschutz, Umweltverträglichkeit
Amt für Bürgerservice, Sicherheit und Umwelt
(Abteilung Umwelt und Naturschutz)
Tel.: (07541) 203 21 93
Fax: (07541) 203 8 21 93
b.schmidt(at)friedrichshafen.de