Ein unverwechselbarer Geruch alter Schulzimmer liegt in der Luft. Das Schulmuseum repräsentiert mit seinen Räumen die unterschiedlichen Epochen der Schulgeschichte. Im Untergeschoss sucht man zuerst den Strafenraum auf. Für die heutige Jugend ist das eine spaßige Angelegenheit. Bei den Älteren tauchen aber weniger gute Erinnerungen auf. Körperliche Strafen gehörten jahrhundertelang zum Schulalltag. Aber Schüler mussten auch mit anderen und manchmal sonderbaren Strafen rechnen. Dazu gehörten das Strafsitzen auf einem hölzernen Esel und das Tragen einer Eselsmütze. Unverfälschte Großfotos zeigen dazu seltene Schulszenen.
Mit der Klosterschule beginnt die eigentliche Schulgeschichte. Dass dabei "St. Gallen" und die "Reichenau" durch Schriften und Großbilder bevorzugt erwähnt werden, liegt nahe. Klosterschulen waren ursprünglich allein den zukünftigen Mönchen vorbehalten. Doch aus dem St. Galler Klosterplan von 820 erfahren wir, dass jetzt auch Laien und Weltpriester im Kloster unterrichtet wurden. Bei den Ersten wird es sich in erster Linie um Söhne adliger Herren und reicher Kaufleute gehandelt haben. Neben den Klosterschulen entstanden schon früh Dom-, Stifts- und Pfarrschulen. Sie alle dienten bevorzugt der Ausbildung von Geistlichen.
Schule von 1800 nennt sich der anschließende Ausstellungsraum. Hier wird bevorzugt die Entstehung und Weiterentwicklung der deutschsprachigen Volksschule aufgezeigt und er gibt Ihnen einen Einblick in die Geschichte der deutschen Schulen bis zur Einführung der Schulpflicht: Private Schulmeister, christliche Schulen der Reformation und die entsprechenden Einrichtungen in den österreichischen Vorlanden. Auch der einst bedeutende Pestalozzi mit seinen Auswirkungen auf das gesamte europäische Schulwesen wird erwähnt.
Die weiteren Räume zeigen das Entstehen von Mädchen-, Mittel-, Sonder- und Berufsschulen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sich im Lande immer mehr Gewerbe- und Industriebetriebe ansiedelten, wuchs die Unzufriedenheit mit dem Sonntagsschulunterricht. Aus den ehemaligen Sonntagsschulen ist ein gut ausgebautes und differenziertes Berufsschulwesen entstanden. Dargestellt ist die Entwicklungsgeschichte verschiedener Berufsschularten, aber auch der schulische und berufliche Werdegang einer Damenschneiderin und eines Betriebselektrikers. Heute haben wir ein sehr gut und breit ausgebautes berufliches Schulwesen.
Der Schulraum von 1850 lädt die Besucher zum Platznehmen ein. Man stelle sich ein kleines Zimmer vor, voll gestopft mit Kindern, und der Lehrer verrichtet nebenher noch ein für ihn lebensnotwendiges Handwerk. Im Sommer gab es ja auf dem Dorf bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts keinen Schulunterricht. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lösten "richtige" Schulbänke die bis dahin üblichen Tische und Sitzbänke ab. Die ersten farbigen Schulwandbilder bereicherten den Unterricht. Nicht fehlen durfte die so genannte „Russische Rechenmaschine".
Besonders ausführlich wird bei Führungen der Klassenraum um 1900 vermittelt. Über dem Pult thront der Kaiser. Wichtige Erziehungsziele leiteten sich direkt vom Kasernenhof ab: Disziplin, Ordnung, unbedingter Gehorsam, Treue zum Staat und dem Kaiser, Vaterlandsliebe. Es verwundert nicht, wenn man an die beiden folgenden Weltkriege denkt. In Europas Schulen wurden die Kinder zum Hass auf ihren Nachbarn erzogen. Selbst einfache Verständigungsversuche bezeichnete man damals als Verrat.
Die beiden folgenden Räume dienen wechselnden Sonderausstellungen, nicht nur mit schulischen Themen. Im Klassenzimmer 1930 fühlen sich die älteren Besucher in ihre Schulzeit zurück versetzt: Lange Reihen von Zweierbänken, alle mit schräger Tischplatte, vorne eine riesige Wandtafel, ein mächtiges Lehrerpult und viele Lehrmittel aus der Zeit. Es sind auch Schiefertafeln aufgelegt, die von den Besuchern benützt werden dürfen. Auf der Grundlage einer demokratischen Verfassung wurde zu jener Zeit in der Weimarer Republik das gesamte Schulwesen reformiert.
Eine wichtige Stellung im Schulmuseum hat der Raum "Schule im Nationalsozialismus". Er veranschaulicht, wie die Schule mit Macht vom damaligen Staat übernommen und missbraucht wurde. Auch der Druck auf die Lehrer in jener Zeit ist heute kaum mehr vorstellbar. Zum Beispiel gehörte zum Programm der Hitlerjugend vor allem der Sport. Für Jungen jedoch beanspruchten militärische Übungen mehr und mehr Zeit. Darunter litt natürlich ihre geistige Ausbildung sehr. Kernstück der nationalsozialistischen Weltanschauung war die Rassenlehre, weshalb sie zum eigenständigen Unterrichtsfach wurde. Oberstufenschülern steht im Verwaltungsbereich zusätzlich ein Zimmer zur Verfügung, wo sie sich anhand von originalen Schulbüchern, Zeitungen, Fachzeitschriften und anderem ein vielfältiges und beeindruckendes Bild jener Schreckensjahre machen können.
Auf diese und weitere Fragen gibt die Sonderausstellung anhand ausgewählter Auschauungsobjekte Auskunft. Fragen Sie die Museumsaufsicht nach dem Begleitheft im Format DIN-A-4 mit 44 Seiten und 60 zumeist farbigen Abbildungen für 9 EURO.
Schulmuseum Friedrichshafen am Bodensee
(beim Graf-Zeppelin-Haus)
Friedrichstr. 14
88045 Friedrichshafen
Tel.: (07541) 32622
Fax: (07541) 370335
info(at)schulmuseum-fn.de
01.04. bis 31.10.:
täglich 10.00-17.00 Uhr
01.11. bis 31.03.:
Di - So 14.00-17.00 Uhr
Führungen nach Anmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.